Die Bezeichnung „Großkaro“ klingt ein bisschen nach Mathe-Schulheft für die dritte Klasse, aber das täuscht natürlich. Der Ortsname „Großkarolinenfeld“ ist einfach zu lang, speziell für die Großkarolinenfelder selbst und für ihre unmittelbaren Nachbarn im Landkreis Rosenheim. Für die allermeisten anderen Menschen gibt es ja in der Regel nicht allzu viele Gründe, über Großkarolinenfeld zu reden. An diesem Montag gäbe es dafür immerhin mal einen Anlass, nämlich den 250. Geburtstag einer Frau, die ihrerseits auf keinen Fall „Karo“ abgekürzt werden sollte. Denn das wäre dann wohl eine Majestätsbeleidigung.
Überhaupt wäre bei diesen Abkürzungen ein bisschen Rücksicht ganz gut. Denn ohne gleich pedantisch werden zu wollen: Wie soll sich denn bitte Kleinkarolinenfeld in der Gemeinde Aying abkürzen? Wie ein Matheheft ab der vierten Klasse? Aber dort in Kleinkarolinenfeld gibt es mangels Größe gar keine eigene Grundschule. In Großkarolinenfeld schon, nämlich die Max-Joseph-Schule. Die ist nach dem Ehemann von der Karo benannt.
Ihr Verhältnis haben die Karo und der Max Joseph vor ihrer Hochzeit im Jahr 1797 per Ehevertrag geregelt. Und in dem hat sich Karoline von Baden zusichern lassen, dass sie auch als Ehefrau des 20 Jahre älteren und bereits verwitweten bayerischen Kurfürsten evangelisch bleiben darf. 1806 wurde Max Joseph dann von Napoleon zum König befördert, und so kam es, dass die allererste bayerische Königin eine Protestantin gewesen ist.
Der Kurfürst und König war selbst auch kein gebürtiger Altbayer, sondern ist in Mannheim in der damaligen, ebenfalls von den Wittelsbachern beherrschten Pfalz auf die Welt gekommen. Vor Karoline war er schon mal mit einer Protestantin verheiratet. Ludwig I., Max Josephs Sohn und Thronerbe aus dieser ersten Ehe, gab sich dann trotzdem wieder besonders katholisch und hatte wenig übrig für seine Stiefmutter und deren Protestantismus. In der Revolution von 1848 wollten viele Protestanten in Franken, Schwaben und der Rheinpfalz deswegen am liebsten gar nicht mehr zu Bayern gehören.
Die Pfalz war dann erst nach dem Zweiten Weltkrieg weg, aber dafür waren längst die Pfälzer da. Zum Beispiel auftragsgemäß in Groß- wie in Kleinkarolinenfeld, wo sie Moor und Ödnis kolonisieren und sich ansiedeln sollten. Revolutionär viele Protestanten gibt es im nach der Karo benannten Großkaro trotzdem nicht mehr. 12,2 Prozent waren es zuletzt dem Statistischen Landesamt zufolge, im Vergleich zu 9,4 Prozent im gesamten Landkreis Rosenheim.


