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Prognosen:Plus 4,8 Grad bis 2100 - Report sagt Bayern starken Klimawandel voraus

Experten korrigierten die bisherigen Prognosen zum Klimawandel in Bayern nach oben.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die bisherigen Prognosen aus dem Jahr 2015 wurden von den Experten nach oben korrigiert. Doch noch könnte der Klimawandel abgemildert werden.

Ohne ein konsequentes Gegensteuern beim Klimawandel droht Bayern bis zum Jahr 2100 ein Anstieg der Durchschnittstemperatur von bis zu 4,8 Grad Celsius. Zu diesem Ergebnis kommt der am Mittwoch in München vorgestellte Klima-Report 2021, der die bisherigen Prognosen aus dem Jahr 2015 nochmals um 0,3 Grad nach oben korrigiert. Dabei wird vorausgesetzt, dass keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Als Referenzzeitraum gilt in dem 196 Seiten umfassenden Bericht die Spanne von 1971 bis 2000.

Aber nicht nur die mittlere Temperatur im Freistaat wird sich - in unterschiedlicher regionaler Prägung - in den kommenden 79 Jahren massiv verändern. Im selben Zeitraum könnten laut Klima-Report in auch bis zu 36 weitere Hitzetage hinzukommen. Hitzetage sind Tage mit einer Temperatur von mindestens 30 Grad Celsius. Zum Vergleich: Zwischen 1971 und 2000 gab es gerade einmal vier Hitzetage pro Jahr. Und auch kühle Nächte dürften in den Sommern seltener werden. Der Bericht rechnet damit, dass bis zu maximal 18 sogenannte Tropennächte mit einer Temperatur über 20 Grad Celsius in Bayern möglich sind.

Doch der längst eingesetzte Klimawandel kann noch abgemildert werden. Sollte das Pariser Klimaabkommen weltweit erfolgreich umgesetzt werden, würde die Temperatur in Bayern spätestens ab 2050 nicht mehr nennenswert steigen. Im Mittel sagen die Experten dann ein Plus von 1,1 Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts voraus.

Der Klima-Report zeichnet ferner voraus, dass sich zwar die generelle Regenmenge in Zukunft kaum ändert, die Niederschläge fallen aber nicht mehr so gleichmäßig verteilt über das Jahr. Dadurch wird es wie schon in den vergangenen Jahren längere Trockenperioden und häufigere sowie intensivere Starkregenereignisse samt Hochwasser in allen Landesteilen geben. Wegen des Starkregens drohe zudem eine größere Abschwemmung wertvoller Böden. Das Ausmaß der Bodenerosion könnte sich verdoppeln oder gar verdreifachen.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sieht im Report nicht nur einen Handlungsauftrag, sondern auch eine Bestätigung für das Ziel, den Freistaat bis spätestens 2050 klimaneutral aufzustellen: "Wir sind herausgefordert, das Thema mit ganzer Kraft anzugehen. Der Klimareport lässt aufhorchen." Er gab aber auch zu, dass die neue Dynamik des Wandels ihn auch beunruhige. Denn zur Wahrheit gehöre, dass der Lebensstil in Deutschland ein wichtiger Faktor für den Klimawandel sei. Zwar seien die Weichen für mehr Klimaschutz in Bayern bereits richtig gestellt, gleichwohl müssten die Ziele aber nochmals "nach oben geschraubt werden", betonte Glauber und kündigte ein Klima-Paket II an. Neue Schwerpunkte seien vor allem die Bereiche natürlicher Klimaschutz - wie etwa Schutz der Moore -, kommunaler und internationaler Klimaschutz sowie erneuerbare Energien. Bayern werde künftig seine Klimaziele auch analog zum Bund nach oben korrigieren.

Noch immer gebe es Menschen, die den Klimawandel leugnen, sagte Glauber. Auch hier würden die Fakten aber eine eindeutige Sprache sprechen. Jedes Jahr, in dem nicht gegengesteuert werde, verschärfe die Herausforderung für die kommenden Generationen. Wie in der Corona-Pandemie müsse auch in der Klimapolitik der Gesundheitsschutz der Menschen an erster Stelle stehen.

Das im vergangenen Jahr von CSU und Freien Wählern durch den Landtag gebrachte bayerische Klimaschutzgesetz verzichtet auf klar definierte Verbote zur Reduzierung der Emissionen des Klimakillers Kohlendioxid (CO2). Zur Erreichung des Ziels, Klimaneutralität bis 2050, setzt es auf die freiwillige Umsetzung eines 96 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalogs, der etwa eine massive Aufforstung oder den Schutz von Mooren umfasst. Kritiker sehen das Gesetz daher als nutzlos an. "Herzkammer der Klimaneutralität ist die dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien", sagte Glauber. Dafür sei die Ausstattung staatlicher Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen ab 2022 unverzichtbar. Auch auf gewerblichen und privaten Flächen müssten Anlagen gebaut werden. Landesweit gebe es alleine drei Millionen Häuser, deren Dächer ideal seien.

Tobias Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes (DWD) betonte, dass die vergangenen drei Jahre deutlich zu trocken gewesen seien, zugleich wurden Hitzerekorde registriert. "Für die Zukunft sind die Niederschlagsmengen mit ihren Auswirkungen entscheidend." Keiner bleibe davon verschont. In der Folge sei eine Zunahme von Extremereignissen wie die Sturzflut in Simbach am Inn 2016 oder wie die Dauerschneefälle 2019 zu erwarten. Der Klima-Report 2021 enthält alle relevanten Zahlen und Fakten rund um den Klimawandel in Bayern. Er soll die Frage klären, wie der Klimawandel in Bayern verläuft und wo seine Auswirkungen schon heute spürbar sind. Der Klima-Report 2015 ging für Bayern im Jahr 2100 noch von einer Maximaltemperatur von bis zu 4,5 Grad Celsius aus.

© SZ.de/dpa/mmo, van
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