Gemeinsame Stimme:Kita-Eltern wollen sich organisieren

Gemeinsame Stimme: Mitsprache fordert Uwe Kriebel, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Nürnberger Kitas. Dort sitzen die Eltern bei Entscheidungen mit am Tisch. Dem soll auch der Freistaat folgen.

Mitsprache fordert Uwe Kriebel, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Nürnberger Kitas. Dort sitzen die Eltern bei Entscheidungen mit am Tisch. Dem soll auch der Freistaat folgen.

(Foto: Privat)

Zwei Väter fordern eine gewählte Vertretung auf Landesebene, das Ministerium lehnt ab

Daniel Gromotka spricht von Vakuum und dem Gefühl, von der Staatsregierung nicht gehört zu werden. Das will er mit Uwe Kriebel ändern, die Väter fordern eine gewählte Vertretung aller Eltern, deren Kinder in Bayern Kindertagesstätten oder Tagespflegen besuchen. 610 000 Kinder sind das. Gromotka ist Vorsitzender des gemeinsamen Elternbeirats der städtischen Horte und Tagesheime in München, Kriebel leitet den Gesamtelternbeirat der Nürnberger Kitas. Mit Olchinger Eltern und der Initiative "Familien in der Krise" wollen sie eine gesetzlich verankerte "Landeselternvertretung" (LEV) initiieren. Wie Elternverbände diverser Schularten sollen Kita-Eltern in Ideen und Pläne der Regierung einbezogen werden. Und sie fordern einen Sitz im Landesjugendhilfeausschuss. "Wir wollen so die gelebte Erziehungspartnerschaft gewährleisten, die vom Gesetzgeber gefordert ist", sagt Kriebel. Nur löst die Idee keine Gegenliebe aus.

Dabei hatten zuletzt auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (FW) öfter über die unterschiedlichsten Haltungen der Eltern zu den Corona-Regeln geseufzt. "Eine LEV wäre eine Stimme der Kitas, gewählt aus den Gremien", sagt Kriebel. Corona habe gezeigt, wie wichtig ein Ansprechpartner sei, und viele Corona-Kita-Regeln seien nicht mit Elternvertretern besprochen worden.

Das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz sieht an jeder Kita Elternbeiräte vor, aber keine auf kommunaler oder Landesebene. Damit stehe Bayern fast allein da, nur Sachsen habe auch keine LEV, sagt der Nürnberger Kriebel. Er sitzt mit einem Münchner in der Bundeselternvertretung, ein Stimmrecht haben sie aber nicht. "Wir versuchen uns abzustimmen mit den Kollegen in Ingolstadt, Olching, Augsburg und Pfaffenhofen, aber letztlich sprechen wir für München und Nürnberg", sagt Kriebel. Dabei müsse Bayern über eine LEV auf Bundesebene mitwirken. Bisher gibt es in sechs Kommunen kommunale Elternbeiräte, Lauf an der Pegnitz soll folgen. Für ein einheitliches Stimmungsbild reiche das längst nicht, sagen Kriebel und Gromotka: Es gibt 23 kreisfreie Städte, 311 Verwaltungsgemeinschaften und gut 2000 Kommunen, die zu Kreisen gehören.

"Wir wollen Eltern bei unseren Entscheidungen beteiligen", sagt Sozialministerin Carolina Trautner (CSU), Dialog sei ihr sehr wichtig. Eine LEV lehnt ihr Haus aber ab. Man wolle ein "umfassendes Stimmungsbild" einholen, das durch eine LEV "nur bedingt hergestellt werden" könne, heißt es. Stattdessen prüfe man, wie Eltern "unmittelbar über digitale Angebote" erreicht werden. Die "unterschiedlichen" Elternverbände würden auf Landesebene "regelmäßig" konsultiert. Welche das sind, teilte das Ministerium nicht mit. Die Arbeitsgemeinschaft der Elternverbände Bayerischer Kindertageseinrichtungen, die beim "Gute-Kita-Gesetz" beteiligt wurde, ist im Internet nicht mehr erreichbar. "Quatsch", sagt Kriebel zum Stimmungsargument, "wozu brauchen wir dann eine Regierung, wenn Wahlen für diese ohnehin kein umfassendes Stimmungsbild sicherstellen?"

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