KinderbetreuungGroßtagespflegen bangen um ihre Zukunft

Lesezeit: 1 Min.

Ausflug mit vier Kindern: Bei Tagesmüttern geht es familiärer zu.
Ausflug mit vier Kindern: Bei Tagesmüttern geht es familiärer zu. Foto: Jan-Philipp Strobel

Tagesmütter bieten eine familienähnliche, flexible Kinderbetreuung an, die manche Eltern sehr zu schätzen wissen. Durch die Reform des Bayerischen Kinderbetreuungsgesetzes aber fällt für sie eine wichtige Förderung weg.

Von Nina von Hardenberg

SZ bei Google bevorzugen

Klein, familiär und von den Betreuungszeiten flexibel – Tagesmütter bieten eine etwas andere Art der Kinderbetreuung an, die manche Eltern sehr zu schätzen wissen. Die Reform des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (Baykibig) gefährde nun aber ihre Arbeit, warnten Tagesmütter am Donnerstag im Sozialausschuss des bayerischen Landtags. Insbesondere die sogenannte Großtagespflege sei in ihrer Existenz bedroht, so die Klage. In einer Großtagespflege betreuen Tagesmütter gemeinsam mit einer Sozialpädagogin bis zu zehn Kinder. Eine Tagesmutter allein kümmert sich dagegen nur um bis zu fünf Kinder gleichzeitig.

Bislang wird die Kindertagespflege analog zu anderen Kindertageseinrichtungen über das BayKiBig gefördert. Für Kinder, die aufgrund von Behinderungen oder Sprachschwierigkeiten besonders intensiv betreut werden müssen, erhalten Einrichtungen dort mehr Geld. Künftig soll es für die Großtagespflegen nur noch eine einheitliche Pauschale pro Kind geben, die über die Jugendämter ausgezahlt wird. Diese könnte weniger passgenau ausfallen, befürchtet etwa Julia Smolka. Die Leiterin der Großtagespflege Woidspotzn in Zwiesel war am Donnerstag vom Bayerischen Wald bis nach München gefahren, um auf die Situation der Tagesmütter aufmerksam zu machen.

Als zweite Änderung soll mit der Reform Artikel 20a des BayKiBig gestrichen werden, den der Landtagsabgeordnete Johannes Becher (Grüne) als eine Art Qualitätszuschuss für Tagespflegeeinrichtungen bezeichnet. Dieser wurde von der Staatsregierung ausgezahlt, musste aber von den Kommunen hälftig mitfinanziert werden. Künftig leitet die Staatsregierung ihren Anteil direkt in die Pauschale und will damit Bürokratie abbauen. Ob und in welcher Höhe die Kommunen aber ihren Anteil zur Unterstützung der Tagesmütter dann noch leisten, sei offen, so Becher.  Für die Tagespflege und die Eltern sei das eine große Unsicherheit.

Zusammen mit der SPD-Fraktion haben die Grünen im Sozialausschuss beantragt, die für die Tagespflege wichtigen Stellen im Gesetz unverändert zu lassen. Eine Mehrheit aus CSU und Freien Wählern lehnte dies aber ab. Die Tagespflege sei ein wichtiger Bestandteil der bayerischen Betreuungslandschaft, warnte danach die Ausschussvorsitzende Doris Rauscher (SPD). „Ohne Not werden jetzt bewährte Finanzierungsstrukturen mit der Abrissbirne eingerissen, viele Tagespflegeeltern und Großtagespflegestellen stehen vor ihrem beruflichen Aus.“

Der Grünen-Abgeordnete Becher warb noch dafür, zumindest die Einführung der neuen Regeln zu verschieben, damit Eltern, die bereits einen Betreuungsvertrag haben, nicht fürchten müssen, dass dieser mitten im laufenden Betreuungsjahr gekündigt werden muss.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Streit um Kindergartenzuschuss
:Die 100-Euro-Show um die bayerische Kita-Reform

Kindergärten müssen die Elternbeiträge künftig nicht mehr um den staatlichen Zuschuss von 100 Euro senken. Die Folge sind Preiserhöhungen – und politische Verrenkungen.

Von Thomas Balbierer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: