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Arztreport:Kinder sind immer mehr unter Druck

Hausaufgaben

Auch Kinder leiden zum Beispiel unter Depressionen.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Schon im Jahr vor der Corona-Pandemie benötigten knapp 124 000 Kinder und Heranwachsende in Bayern psychotherapeutische Hilfe. Mit der Pandemie ist die Lage nicht besser geworden.

Von Dietrich Mittler

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Bayern leiden so sehr unter seelischen Problemen, dass sie psychotherapeutisch behandelt werden müssen. Dies geht aus dem am Mittwoch von der Krankenkasse Barmer vorgestellten Arztreport 2021 hervor. Rund 123 800 Kinder und Heranwachsende im Freistaat benötigten demnach 2019 psychotherapeutische Hilfe - und das war noch vor Beginn der Corona-Pandemie. Seitdem hat sich die Situation weiter verschärft - bedingt durch fehlende Sozialkontakte zu Gleichaltrigen, geschlossene Kindertagesstätten und Schulen, ausgefallene Trainingsstunden in den Sportvereinen und durch geschlossene Jugendtreffs, wie der Bayerische Jugendring Anfang der Woche deutlich machte.

Angststörungen, Depressionen, Schlaf- und Essstörungen nehmen weiter zu, im Kreis der Heranwachsenden auch der Konsum von Alkohol und Drogen, warnten zudem kürzlich Psychologinnen und Psychologen sowie Experten aus den Bereichen Kinder- und Jugendpsychotherapie und -psychiatrie in einem offenen Brief. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen wider, die Claudia Wöhler, die Landesgeschäftsführerin der Barmer in Bayern, bei der Vorstellung des Arztreports gleich mit auf den Tisch legte. Im ersten Halbjahr 2020 - zu Beginn der Pandemie - sei die Zahl der Heranwachsenden und jungen Erwachsenen bis einschließlich 24 Jahren gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent angestiegen.

Laut Wöhler ist das ein nicht zu übersehendes Alarmsignal. Im Vergleichszeitraum der ersten Halbjahre 2018 und 2019 betrug der Anstieg nur 1,5 Prozent. Die durch die Pandemie bedingten Lockdowns sowie auch die durch Corona geweckten Ängste und innerfamiliären Probleme beschleunigen also eine Entwicklung, die sich bereits seit Jahren abzeichnet - ablesbar etwa im 2016 herausgegebenen "Bericht zur psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Bayern".

Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen gehörten 2019 zu den häufigsten Diagnosen. "Darunter fallen Trauererlebnisse genauso wie Mobbing", heißt es im Barmer-Bericht. Zweithäufigster Anlass für den Beginn einer Therapie seien Depressionen gewesen, gefolgt von emotionalen Störungen im Kindesalter. "Aus kranken Kindern werden nicht selten kranke Erwachsene", warnte Wöhler. Peter Lehndorfer, Vizepräsident der Psychotherapeutenkammer Bayern, rät Eltern, auf Symptome wie "verstärkten Rückzug, Schlafstörungen oder plötzlich auftretendes trotziges oder aggressives Verhalten" zu achten. Es sei dann sinnvoll, mit Fachleuten ein Gespräch zu suchen, um psychische Störungen "möglichst frühzeitig zu erkennen".

© SZ vom 06.05.2021/vewo
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