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Brauchtum in der Karwoche:Klapperndes Holz statt klingender Glocken

Ratschen am Karfreitag - Aying

An den Kartagen werden die Gläubigen mit Ratschen zum Gottesdienst gerufen. Meist werden sie - wie hier in Aying - von Ministranten bedient.

(Foto: Claus Schunk)

Zwischen Gründonnerstag und der Osternacht verstummen die Glocken der katholischen Kirchen. Stattdessen kommen die sogenannten Ratschen zum Einsatz.

Für Personen, die sich durch lebhaften Rededrang auszeichnen, kennt der nördliche Teil der Republik den Begriff Quasselstrippe. Im Süden spricht man von einer Ratsche. Außerdem gibt es noch ein gleichnamiges Gerät, das ebenfalls monotone Geräusche von sich gibt und auf diese Weise das kirchliche Brauchtum bereichert. Die hohe Zeit dieser Ratsche, die auch Karfreitagsratsche genannt wird, beginnt am Gründonnerstag, wenn nach dem Gloria der Abendmahlsfeier alle Orgeln und Glocken verstummen - aus Trauer über den Tod Jesu. Nach altem Volksglauben fliegen nun die Glocken nach Rom, erst in der Osternacht kehren sie wieder zurück. Am Karfreitag und am Karsamstag klappern stattdessen die hölzernen Ratschen.

Deren ratternder Ton wird erzeugt, indem mehrere Hämmer durch die Nocken einer Kurbel angehoben werden und auf einen Resonanzkasten knallen. So altertümlich diese unterschiedlich konstruierten Geräte auch wirken, so schwierig ist es, alte Belege über dieses Brauchtum zu finden. Verbürgt ist jedoch, dass an den stillen Kartagen seit jeher gelärmt wurde. Einst schlugen die Gläubigen mit Stöcken und Steinen gegen die Kirchenbänke, um den Verräter Judas zu erschrecken. Die knatternden Ratschen setzen diesen Brauch auf eine berührend archaische Weise fort.

Dieser Text ist am 29. März 2018 in der Süddeutschen Zeitung erschienen.

© SZ vom 29.03.18/kast