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Kommentar:Es kann nur der Anfang sein

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber will die Anbindehaltung von Kühen nicht mehr akzeptieren und umstrittene Exporte von Rindern in Drittländer verhindern. Das ist löblich, aber was macht sie mit jenen Bauern, die nicht freiwillig mitziehen?

Von Christian Sebald

Es ist ein wichtiger Schritt, dass Agrarministerin Michaela Kaniber jetzt klipp und klar gesagt hat, dass sie die Anbindehaltung von Milchkühen und die Rinder-Exporte aus Bayern nach Zentralasien, Nordafrika und in den Nahen Osten nicht mehr akzeptieren wird. Beides sind Schandflecken für die Bauern. Es ist überfällig, dass sie damit Schluss machen.

Das Ende der Anbindehaltung und der Rinder-Exporte können aber nur der Anfang sein auf dem Weg zu mehr Tierwohl in Bayerns Landwirtschaft. Zwar stimmt es, dass es die Tierzahlen auf den Höfen sehr viel kleiner sind als in den Betrieben in anderen Bundesländern. Aber auch in Bayern gibt es immer mehr Bauern, die einige Hundert Kühe halten, mehrere Tausend Schweine oder sogar Zehntausende Masthühner. Die Konzentration der Nutztierhaltung schreitet auch im Freistaat von Jahr zu Jahr fort. Kaniber setzt dagegen jetzt das Motto "mehr Tierwohl statt mehr Tiere" und viel Geld.

Getreu dem bayerischen Grundsatz "Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht" will die Agrarministerin nämlich überzeugen - mit Vorzeigeställen, Forschungs- und Beratungsinitiativen und millionenschweren Förderprogrammen. Das ist an sich nicht verkehrt. Es ist allemal besser, wenn ein Bauer aus Einsicht und auf Anreize hin die Tierhaltung verbessert als durch Druck. Die spannende Frage ist aber, was Kaniber mit den Landwirten anfangen will, die für all das nicht empfänglich sind und einfach weitermachen wollen wie bisher.

© SZ vom 21.05.2021
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