Er habe die heftigsten Tage des Jahres hinter sich, berichtet Oliver Abbushi, Allgemeinmediziner aus Deisenhofen. „Die Patienten saßen bei uns in den Praxisgängen auf zusätzlichen Stühlen, so eng, dass wir selbst kaum durchkamen.“ Die meisten kamen mit Erkältungen. Es seien aber auch reichlich Corona- und Grippe-Viren unterwegs. Man habe die Sprechstunde verlängert und zusätzlich Patienten per Video-Sprechstunde betreut, sagt Abbushi. Sein Rat aber vor allem für ältere Menschen, die gut durch diesen Winter kommen wollen: sich impfen lassen.
Die Grippewelle rollt bereits. Eine Impfung wird für alte und geschwächte Menschen aber nach wie vor dringend empfohlen, darauf wies auch Gesundheitsministerin Judith Gerlach hin: Sie habe bereits Mitte Oktober einen Impfaufruf gestartet. Denn: „Vor allem für ältere Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen kann eine Grippe-Erkrankung zu schweren Komplikationen führen oder sogar lebensbedrohlich verlaufen.“ Gleiches gilt auch für Corona, wo Risikopatienten jährlich nachimpfen sollten, so Allgemeinmediziner Abbushi.
Bayern erlebt einen weißen, kalten Bilderbuch-Winter. Was viele freut, birgt trotzdem auch Not. Nicht nur manche Hausarztpraxis wird überrannt. Auch in den Wärmestuben und Bahnhofsmissionen ist viel los. Menschen suchen Schutz vor der Kälte.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der VdK fordern nach einem Bericht des BR Kommunen und Länder dazu auf, umgehend Notunterkünfte zur Verfügung zu stellen. Eine Umfrage der SZ in mehreren Städten in Bayern ergab allerdings, dass die Schlafplätze vielerorts reichen. „Auf der Straße muss niemand schlafen“, sagte etwa Susanne Schophoff, Sprecherin der Caritas Regensburg. „Wer ein Bett möchte, bekommt eines.“
Die Caritas betreibt in Regensburg zwei Notunterkünfte, eine für Männer mit 78 Plätzen und seit Anfang vergangenen Jahres eine speziell für Frauen mit 30 Plätzen. Allerdings gäbe es immer einige Menschen, die selbst bei Minusgraden draußen schlafen wollen. Ihnen und Menschen, die wegen Gewalttätigkeit Hausverbot hätten, bietet man in Regensburg sogenannte „Iglous“ an: aufklappbare Notschlafplätze für das Übernachten im Freien. Die Caritas Regensburg betreibt zusätzlich ein Kälteschutztelefon, wo besorgte Bürger anrufen können, wenn sie Menschen auf der Straße sehen, die vielleicht Hilfe brauchen.

Momentan bekomme man noch alle unter, heißt es auch aus der Christophorus-Gesellschaft in Würzburg, die dort eine Kurzzeitübernachtung für wohnungslose Männer sowie eine Wärmestube betreibt. Enorm sei der Andrang in der Wärmestube während der Feiertage gewesen. Es kamen viel mehr Menschen als in den Vorjahren. Die Not nehme zu, mutmaßen die Mitarbeiter.
Von stark steigenden Besucherzahlen berichten auch die Bahnhofsmissionen. In München etwa verteilen sie Brote und gespendete süße Teile, sowie Kaffee. Jetzt bei der Kälte sei der Hunger größer und mehr Menschen kämen zum Essen und fragten nach warmer Kleidung und Decken. Gleiches erleben sie in der Bahnhofsmission Regensburg, wo gerade viele Menschen zum Aufwärmen kommen.
Es müsste mehr solche öffentlichen Plätze geben, wo Menschen tagsüber bleiben und sich aufwärmen können, ohne von der Polizei verscheucht zu werden, findet Daniel Wagner, Sprecher bei der Diakonie Bayern. Er bittet Städte und Kommunen darum, öffentliche Plätze in diesen besonders kalten Tagen für bedürftige Menschen zugänglich zu machen. Und den Aufenthalt etwa in Bahnhöfen und Unterführungen zu tolerieren.
Wir appellieren an alle Patienten, die nicht zwingend in die Notaufnahme müssen, lieber beim Hausarzt vorstellig zu werden.Eduard Fuchshuber, Sprecher der Bayerischen Krankenhausgesellschaft
Der Winter nämlich dürfte noch eine Weile anhalten. Die nächsten Tage wird es zwar weniger eisig. Dafür droht Glätte und damit Unfälle. Kliniken überall in Bayern stellen sich auf zusätzliche Patienten ein. Man sei darauf grundsätzlich gut vorbereitet, sagte Eduard Fuchshuber, Sprecher der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. „Wir appellieren dennoch an alle Patienten, die nicht zwingend in die Notaufnahme müssen, lieber beim Hausarzt vorstellig zu werden oder die Notfallnummer der Kassenärzte unter 116117 zu wählen.“
In den Notaufnahmen könne es, je nachdem wie die Lage sich entwickele, zu langen Wartezeiten kommen. Wer bei Glätte nicht auf die Straße müsse, solle es vermeiden. Für alle anderen gelte besondere Vorsicht: „Früher losfahren, sich mehr Zeit nehmen.“
Die Temperaturen sollen steigen und sich zwischen minus vier und plus zwei Grad einpendeln. Statt mit Schneefall rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) vielerorts mit Regen. Die von der Kälteperiode noch gefrorenen Straßen können sich dadurch schnell in spiegelglatte Flächen verwandeln. Der DWD warnt deshalb vor Glatteis und schwierigen Straßenverhältnissen, mancherorts bestehe auch Unwetter-Potenzial. Zum Wochenende hin sei dann erneut mit Frost zu rechnen.
Einige Schüler dürften sich über die Glätte gefreut haben, weil für sie deshalb am Freitag der Unterricht entfallen sollte. Nach einer Übersicht des Bayerischen Kultusministeriums kündigten dies unter anderem die Landkreise Regensburg, Schwandorf, Tirschenreuth und Cham an. Die Liste über die witterungsbedingten Unterrichtsausfälle wird laufend aktualisiert.



