Nach dem ersten bestätigten Fund eines Japankäfers in Bayern Anfang August an der A 96 nahe Lindau sind jetzt zwei weitere Käfer in speziellen Fallen entdeckt worden, die die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) dafür aufgestellt hat: einer ebenfalls bei Lindau, der andere an der A 93 bei Kiefersfelden. Die LfL hat darauf ihre Kontrollen in den beiden Regionen verstärkt. Der Japankäfer ist ein unscheinbares, aber sehr gefräßiges Insekt aus Fernost, das große Schäden in der Landwirtschaft, aber auch in Parks und in Sportstätten anrichten kann. Bevor er in Bayern aufgetaucht ist, ist er diesen Sommer bereits in der Schweiz und in Baden-Württemberg aufgetreten. Das Insekt ist sehr wahrscheinlich per Flugzeug aus Fernost nach Europa eingeschleppt worden.
Aktuell gehen die Experten aber davon aus, dass es sich bei den drei bisher entdeckten Japankäfern um sogenannte Hitch-Hiker handelt. Darunter verstehen sie einzelne auf Lastwagen oder in Pkw mitgereiste Tiere. Der Grund für die Vermutung ist, dass die drei Fundorte alle in der Nähe von Autobahnen liegen, die aus Norditalien und der Schweiz nach Bayern führen. In Baden-Württemberg sind seit 2021 ebenfalls immer wieder einzelne Japankäfer gefangen worden, die offenkundig als Hitch-Hiker dorthin gelangt sind.
Die Experten an der LfL fürchten den Japankäfer deshalb, weil seine Larven an mehr als 400 Wirtspflanzen fressen. Darunter sind viele, die eine große Rolle in der Landwirtschaft spielen, Weinreben und Mais zum Beispiel, aber auch Soja und Beerenfrüchte. Linden, Birken und andere Landschaftsbäume sowie Rosen, Glyzinien und ähnliche Zierpflanzen werden ebenfalls von ihm heimgesucht. In Norditalien hat der Japankäfer, der kupferbraun und grün-metallisch gefärbt ist und in großen Schwärmen auftreten kann, angeblich bereits ganze Sportplätze zerstört.
„Für alle invasiven Arten gilt das gleiche Grundprinzip“, sagt der Biologe Andreas Segerer, der an der Zoologischen Staatssammlung in München arbeitet. „Sie haben keine natürlichen Feinde hier bei uns, sie treffen auf ein Biosystem, das nicht auf sie vorbereitet ist, und deshalb die Ausbreitung nicht kontrollieren kann.“ Zwar ist Segerer kein Spezialist für den Japankäfer und andere zuwandernde Arten, sondern Schmetterlings-Experte. Aber als solcher hat er auch immer wieder mit invasiven Arten zu tun.

Die Asiatische Tigermücke und der Asiatische Laubholzbockkäfer sind zwei weitere Beispiele für Zuwanderer, die immer wieder zumindest regional für Aufsehen sorgen. Die Asiatische Tigermücke deshalb, weil sie vom Grundsatz her gefährliche Krankheitserreger wie das Denguevirus oder das Chikungunyavirus übertragen kann. Eine Infektion damit kann zu schweren Fiebererkrankungen und bisweilen sogar zum Tod führen. Zwar kommt die Asiatische Tigermücke in Deutschland erst sehr selten vor. In Bayern gibt es bisher nur eine Population im mittelfränkischen Fürth. Außerdem ist laut der AOK noch kein Fall dokumentiert, in dem eine Asiatische Tigermücke in Deutschland einen Mensch mit einer gefährlichen Krankheit infiziert hat. Aber es wird allgemein damit gerechnet, dass sich die Art im Zuge des Klimawandels weiter ausbreitet. Asiatische Tigermücken sind winzig klein und auffällig schwarz-weiß gemustert. Nach Europa sind sie in den Neunzigerjahren gekommen, und zwar mit dem Reise- und Frachtverkehr damals.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist in China und Korea daheim und macht sich über Birken, Weiden, Rosskastanien und andere Laubbäume her. Die Weibchen legen ihre Eier in ihnen ab, die Larven fressen sich durch den Stamm, bis der Wirtsbaum stirbt. Die 2,5 bis vier Zentimeter kleinen Tierchen haben auffällige schwarz-weiß geringelte Fühler, die doppelt so lang sind wie die Körper. Der Laubholzbockkäfer reist im Holz von Transportpaletten durch die Welt. In Bayern ist er zum ersten Mal vor 20 Jahren aufgetreten – nahe Passau in Neukirchen am Inn. In Feldkirchen bei München wurden von 2012 an Parks und Wäldchen gefällt, um ihn zu stoppen. Außerdem wurde der Schädling nahe Augsburg, in Kelheim, bei Murnau und in Miesbach nachgewiesen. Nach massiven Bekämpfungsmaßnahmen gelten die Vorkommen aber größtenteils als erloschen. In der Region Miesbach laufen noch bis Ende des Jahres Vorsichtsmaßnahmen.

Es gibt aber auch Beispiele dafür, dass invasive Zuwanderer mit der Zeit ihr Schadenspotenzial verlieren oder zumindest deutlich verringern. Eines ist die Rosskastanien-Miniermotte, die sich in den Neunzigerjahren vom Balkan her erst nach Österreich ausbreitete und kurz drauf in Bayern auftauchte. Die Larven des Kleinschmetterlings fressen sich massenhaft in die Blätter der Kastanien ein, sodass die sich vorzeitig braun verfärben und welken. Dadurch werden die Bäume arg geschwächt. Manche Experten befürchteten seinerzeit, dass es deshalb zu einem massenhaften Rosskastanien-Sterben kommen könnte. „Dazu ist es aber nicht gekommen“, sagt der Schmetterlings-Experte Segerer. Ein wichtiger Grund aus seiner Sicht: „Schlupfwespen und sogar Vögel wie die Blaumeisen haben alsbald entdeckt, dass man die Raupen fressen kann. Die Blaumeisen picken sogar richtig kräftig in die Kastanienblätter hinein, damit sie an die Raupen kommen.“ Vom Rosskastanien-Sterben spricht jedenfalls keiner mehr.

