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Bildband:Wilde Isar

Naturfotografen dokumentieren die Urlandschaft des Flusses

Von Hans Kratzer

Die bayerischen Flüsse sind weitgehend gezähmt, nur die Isar gilt noch als ein wilder Fluss. Zumindest oberhalb des Sylvensteinspeichers darf sie sich mit urtümlicher Kraft austoben. "Sie ist ein Charakterfluss im allerbesten Sinn", verkündet die Gesellschaft für Naturfotografie, die soeben einen opulenten Bildband über die Isar als Wildfluss vorgelegt hat. Zwei Dutzend Fotografen haben das Phänomen Isar in jahrelangen Exkursionen detailliert dokumentiert. Sie hielten fest, wie der Fluss Städte durchfließt, Kraftwerke antreibt, Industrieanlagen kühlt und wie er als Freizeitort dient. Aber vor allem zeigen die Aufnahmen die Isar als Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen.

Die Fotografen folgten dem gut 300 Kilometer langen Lauf der Isar von ihrer Quelle im Karwendel in Tirol durch das Hochgebirge der Alpen über Kiesbänke und Auwälder zwischen München und Deggendorf bis zur Mündung in die Donau. Sie näherten sich Gämsen und Alpensalamandern, sie entdeckten Edelweiß, Alpenrosen, Sonnentau, seltene Orchideen, bunte Vogel- und Amphibienarten sowie nur noch auf den Kiesbänken der Isar gedeihende Pflanzen wie die Deutsche Tamariske. Selbst in den Städten und dort, wo der Mensch den Fluss drangsaliert, entdeckten die Fotografen verborgene Flecken voller Wildnis.

Von den ursprünglich weit ausgedehnten Auwäldern zwischen München und der Mündung in die Donau sind nur noch Reste erhalten geblieben. Trotzdem zählen sie immer noch zu den artenreichsten Habitaten in Deutschland. Die ungewöhnlichen Aufnahmen vermitteln die Faszination einer direkt vor der Haustür liegenden Heimat, der man so viel natürliche Schönheit gar nicht mehr zutraut. Doch unentwegt wächst und lauert die Gefahr, dass diese Exotik bald gänzlich ausgemerzt sein könnte. Denn der Fluss, der von seiner Wildheit lebt, vom wechselnden Hoch- und Niedrigwasser, das die Kiesbänke und die Auwälder mitsamt ihrer Flora und Fauna lebendig erhält, ist ständig von Regulierung und Übernutzung bedroht. Wie auch jene Überbleibsel des breiten Dschungels, der früher die Isar säumte. "Wir wollen aufrütteln, dass wir wenigstens diese Restgebiete erhalten", sagt Karl Seidl, Sprecher der Naturfotografen. Der von der Gesellschaft für Naturfotografie herausgegebene Band mit 200 Abbildungen heißt "Wilde Isar, Naturschätze zwischen Hochgebirge, Stadt und Auenlandschaft". Erschienen ist er im Knesebeck Verlag.

© SZ vom 17.11.2020/van
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