Die Zahl der Asylanträge in Bayern ist im laufenden Jahr nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) stark gestiegen. Bis Ende März seien rund 6700 Erstanträge gestellt worden und damit etwa 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, sagte er am Donnerstag in Nürnberg. "Wir dürfen neben dem Krieg in der Ukraine das sonstige Migrationsgeschehen nicht aus den Augen verlieren. Auch hier brauchen wir gemeinsame europäische Lösungen. Denn der Zustrom an Flüchtlingen in die EU nimmt deutlich zu", sagte Herrmann.
Er forderte in diesem Zusammenhang gemeinsame europäische Lösungen. Dazu zählt der Innenminister neben einer gerechteren Verteilung von Schutzsuchenden auf die EU-Mitgliedstaaten, auch den besseren Schutz der EU-Außengrenzen sowie eine stärkere Rückführungspolitik. Bei der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, sagte Herrmann, müsse man deshalb endlich vorankommen.
Die europäische Grenzschutzagentur Frontex, die Herrmann am Mittwoch in Warschau besucht hatte, habe im ersten Quartal 2022 mehr als 40 000 illegale Übertritte an den europäischen Außengrenzen registriert. Das sei eine Steigerung um 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und die höchste Zahl seit 2016. Die Europäische Union müsse nun auch verstärkt die Fluchtursachen bekämpfen - vor allem die Hungersnot in Afrika, die der Krieg in der Ukraine verschärfe. Die Hälfte des Getreides, das das Welternährungsprogramm in den betroffenen Ländern verteile, stamme aus der Ukraine.
Rund 125 000 Menschen sind seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine Herrmann zufolge nach Bayern geflüchtet (Stand: 20. April). Rund 111 000 seien in Bayern im Ausländerregister registriert. Etwa ein Drittel sei in Unterkünften, zwei Drittel seien privat untergekommen. Fast 40 Prozent der Flüchtlinge sind demnach jünger als 21 Jahre. Das sei eine gigantische Herausforderung für die Kinderbetreuung und die Schulen, mit der sich Staatsregierung und Kommunen nun in den nächsten Wochen beschäftigen müssten, betonte der Minister.


