Verleihung der Courage-Medaille„Jeder von uns kann einen Unterschied machen“

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Innenminister Joachim Herrmann (links) und Polizeipräsident Michael Schwald haben die Courage-Medaille verliehen. Stephanie Schreiner bekam sie, weil mit ihrer Hilfe ein Sexualstraftäter überführt wurde.
Innenminister Joachim Herrmann (links) und Polizeipräsident Michael Schwald haben die Courage-Medaille verliehen. Stephanie Schreiner bekam sie, weil mit ihrer Hilfe ein Sexualstraftäter überführt wurde. Cara Emilia Dühr

Mut, Zivilcourage und Einsatz für andere: 32 Menschen aus dem Freistaat werden von Innenminister Joachim Herrmann mit der Courage-Medaille ausgezeichnet.

Von Katja Auer und Cara Emilia Dühr

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Der Mann kam Stephanie Schreiner gleich seltsam vor, „weil der immer die Griffel an dem Kind dran hatte.“ Schreiner kommt aus der Oberpfalz, sie redet geradeheraus. Sie regt sich heute noch auf, wenn sie an die Vorfälle denkt, das hört man ihr an. Ein erwachsener Mann, der ständig die kleine Tochter seiner Bekannten berührte, das kam ihr merkwürdig vor.

„Ich komme aus einer Familie mit einer großen Verwandtschaft, da sind immer Kinder“, sagt Schreiner. Wenn sie sich vorstelle, dass denen jemand zu nahe komme, „da krieg ich so einen Hass.“ Deswegen hat sie nicht weggeschaut. Sie hat die Polizei informiert. Am Ende wurde der Mann angeklagt und wegen schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt. Und Stephanie Schreiner wurde am Montag für ihren Einsatz mit der Courage-Medaille des Innenministers ausgezeichnet.

Seit 1994 werden mit dieser Auszeichnung Menschen in Bayern gewürdigt, die in Gefahrensituationen mutig und couragiert handeln. „Wir müssen als Gesellschaft zusammenstehen“, betonte Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der die Auszeichnung gemeinsam mit Landespolizeipräsident Michael Schwald in München verlieh. „Es ist wichtig, dass wir ein Bewusstsein für unsere Verantwortung entwickeln und uns nicht in Gleichgültigkeit verlieren. Jeder von uns kann einen Unterschied machen.“

Genau das hat Stephanie Schreiner getan. „Das gfreit mich schon“, sagt sie. Sie appelliert an andere Menschen, nicht wegzuschauen. Als ihr der Mann aufgefallen war, beobachtete sie ihn gründlicher. Wie auf jener Party, auf der er stundenlang mit einem kleinen Mädchen verschwunden war. Er habe sich gezielt an Kinder aus benachteiligten Familien herangemacht, erzählt sie, und sich deren Vertrauen erschlichen.

Schreiner dokumentierte ihre Beobachtungen und schrieb schließlich einen Brief an die Polizei. Anonym zunächst, „ich wusste ja nicht, wie das weitergeht“, sagt sie. Die 41-Jährige beschreibt in dem Brief detailliert Vorfälle, die sie selbst gesehen hat und die ihr auffällig erschienen. Außerdem Erzählungen, die sie von anderen gehört hatte, dass der Mann mit zwei kleinen Mädchen alleine im Urlaub war und derlei mehr. Alles Dinge, die Stephanie Schreiner höchst verdächtig erschienen.

Die Polizei reagierte und durchsuchte das Haus des Mannes. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass Schreiners Hinweise maßgeblich geholfen hätten, den Mann zu überführen. Er wurde schließlich unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Herstellung von kinderpornografischen Inhalten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Neben Schreiner wurden in diesem Jahr 31 weitere Menschen geehrt. Unter ihnen Paula Sieghart aus Grafenau. „Ich habe einen Anruf erhalten, dass ich gefährdet sei und ob ich Geld zu Hause habe“, erzählt die 72-jährige Seniorin.

Paula Sieghart ließ sich nicht von Betrügern hereinlegen, sondern rief die Polizei. Dafür erhielt sie die Courage-Medaille von Innenminister Joachim Herrmann (links) und Polizeipräsident Michael Schwald.
Paula Sieghart ließ sich nicht von Betrügern hereinlegen, sondern rief die Polizei. Dafür erhielt sie die Courage-Medaille von Innenminister Joachim Herrmann (links) und Polizeipräsident Michael Schwald. Cara Emilia Dühr

Es sei von Einbrechern die Rede gewesen und vermeintliche Polizisten hätten angekündigt, zu ihrer Sicherheit ihr Geld abholen zu wollen, um es in Verwahrung zu nehmen. Eine inzwischen bekannte Masche unter Telefonbetrügern. „Da wurde sehr viel Druck auf mich aufgebaut“, sagt Sieghart. Doch anstatt auf die Betrüger mit der sogenannten „Falsche-Polizei-Masche“ hereinzufallen, drehte sie den Spieß um.

Nachdem sie den Trick durchschaut hatte, täuschte sie die Täter selbst. Zum Schein ging sie auf die Forderungen ein, verständigte aber unbemerkt über ihren Sohn die Polizei. „Angst hab ich nicht gehabt“, sagt Sieghart. Bei der vermeintlichen Geldübergabe griff die Polizei ein. Die Täter wurden überführt und sitzen seither in Untersuchungshaft.

Auch Immanuel Tamang aus Augsburg handelte mutig. Gerade einmal 17 Jahre war er alt, als er einer Frau und ihren Kindern zu Hilfe eilte. Und so in eine längere Serie von häuslicher Gewalt eingriff, bei der der Täter zuletzt das Kontaktverbot missachtet habe.

Immanuel Tamang kam mit seiner Mutter Sonia Klostermaier zur Ehrung ins Innenministerium.
Immanuel Tamang kam mit seiner Mutter Sonia Klostermaier zur Ehrung ins Innenministerium. Cara Emilia Dühr

Als er von seiner Küche aus einen Streit unten auf der Straße hörte und die Hilferufe eines Jungen vernahm, zögerte er keine Sekunde. „Ich habe einfach gedacht, dass ich helfen muss“, sagt Tamang. Seine Mutter, Sonia Klostermaier, die ihn zur Ehrung begleitete, erinnerte sich gut an die Situation. Auch sie war vor Ort. „Ich war erstaunt, wie schnell er reagiert hat. Als ich unten ankam, stand er bereits zwischen dem Mann und der Frau mit ihren Kindern und hatte schon die Polizei verständigt.“

Heute ist Tamang 19 Jahre alt. Bescheiden lächelt er, wenn er auf sein Handeln angesprochen wird und zuckt mit den Schultern. „Das sollte eigentlich selbstverständlich sein“, sagt er. Ein Held? So sieht er sich selbst nicht. Trotzdem habe er sich gefreut von Innenminister Hermann diese Medaille für sein Handeln zu erhalten.

Die Geschichten der Geehrten bei der Feierstunde am Montag könnten unterschiedlicher kaum sein: Bedrohungen mit Messern und Schusswaffen, selbstlose Verfolgungsjagden, die Abwendung von Vergewaltigungen und Raubüberfällen. Und doch eint all diese Taten eines: Sie seien Beispiele für gelebte Zivilcourage, wie Hermann betonte.

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