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Hochwasser in Bayern:Wetterdienst warnt vor "extrem ergiebigem Dauerregen" bis Mittwoch

  • Bis Mittwoch könnten im Voralpenland noch einmal bis zu 90 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, warnt der Deutsche Wetterdienst. Seit Montag waren es bereits 70 bis 120 Liter.
  • Die Behörden warnen vor möglichen Überschwemmungen an Loisach, Isar und Donau. An der Ammer hingegen entspannt sich die Lage.
  • Die Bahn sperrt mehrere Strecken - darunter auch die viel befahrene zwischen Augsburg und Ulm für mehr als zwei Stunden.
  • Größere Überflutungen wurden bisher nicht gemeldet.

Wegen der starken Regenfälle ist an vielen Flüssen im Voralpengebiet die Hochwassergefahr nach wie vor hoch. Während an der Ammer und der Mangfall am Dienstagmittag die höchsten Pegelstände offenbar überschritten waren, warnte der Hochwassernachrichtendienst des Freistaats vor Überschwemmungen an Loisach, Isar und an der Donau. Auch in Kempten stieg das Wasser der Iller weiter.

Demnach dürfte die Isar in Landshut in der Nacht zum Mittwoch die Warnstufe drei erreichen, die zweithöchste. Das gleiche gelte für die Donau in Kelheim, meldete der Hochwassernachrichtendienst; im flussaufwärts gelegenen Neuburg wurde die Stufe drei bereits am Nachmittag erreicht. Grund dafür sind die hohen Pegel der Zuflüsse nach den andauernd heftigen Regenfällen, die das Tief Axel mit sich bringt.

Wetterdienst warnt vor "extrem ergiebigem Dauerregen" in Bayern

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte weiter vor "extrem ergiebigem Dauerregen" im Voralpengebiet - vom Allgäu bis zum Berchtesgadener Land. Dort seien bereits 70 bis 120 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, teilte er am Dienstagvormittag mit. Bis zum Mittwochmorgen könnten noch einmal 60 bis 90 Liter dazukommen. Zusammen mit schmelzendem Schnee in den Bergen könne dies das Überschwemmungsrisiko deutlich steigen lassen. Der DWD hat für dieses Gebiet eine Unwetterwarnung der höchsten Stufe ausgegeben.

Die vier Hochwasserstufen

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) betreibt im Freistaat den Hochwassernachrichtendienst. Er meldet im Internet laufend die Pegelstände in den Gewässern und teilt diese in Meldestufen ein. Diese reichen von 1 bis 4.

Meldestufe 1: Es kann stellenweise zu kleinen Ausuferungen kommen.

Meldestufe 2: Es könnten land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet werden und es kann zu leichten Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen kommen.

Meldestufe 3: Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller könnten überflutet werden. Überörtliche Verkehrsverbindungen müssen eventuell gesperrt werden und es ist vereinzelt der Einsatz der Wasser- oder Dammwehr erforderlich.

Meldestufe 4: Bebaute Gebiete werden in größerem Umfang überflutet. Ein Einsatz von Wasser- oder Dammwehr ist notwendig. (dpa)

In der Gemeinde Jachenau bei Bad Tölz fielen von Montagmorgen bis Dienstagmorgen sogar 135 Liter Regen pro Quadratmeter, in Balderschwang im Oberallgäu waren es 112 Liter. Zum Vergleich: In München fallen in einem durchschnittlichen Mai insgesamt etwa 100 Liter Regen pro Quadratmeter.

In der Folge stieg in der Nacht zum Dienstag zum Beispiel an der Ammer das Wasser derart an, dass der Pegel in Peißenberg und Weilheim bereits die Meldestufe drei erreichte. Hier begann er am Dienstagmittag bereits wieder zu sinken. "Die Gesamtlage entspannt sich deutlich", hieß es aus dem Landratsamt. Auf dem Festplatz von Peißenberg hatte die Gemeinde am Montag eine sogenannte Selbstfüllstation für Sandsäcke aufgestellt - vorsorglich. Dort konnte sich jeder Sandsäcke für den eigenen Bedarf besorgen.

Gesperrte Straßen in Südbayern

Stufe drei erreichte am Morgen zudem der Pegel der Loisach in Beuerberg. Auch in Schwaben, im Einzugsgebiet von Lech und Iller, könnten die Pegel der Flüsse mancherorts diese Stufe noch am Dienstag übersteigen, wie aus den Daten des Hochwassernachrichtendienstes hervorging. Weil die Loisach über ihre Ufer trat, wurde nach Angaben der Polizei die Bundesstraße B2 zwischen Ohlstadt und Murnau gesperrt. Nicht weit davon entfernt war auch die Straße zwischen Ettal und Linderhof wegen eines Murenabgangs nicht befahrbar.

Das Hochwasser bereitete insbesondere der Bahn Probleme. Sie sperrte am Dienstagmorgen die viel befahrene Strecke zwischen Augsburg und Ulm zeitweilig komplett. Nach zwei Stunden gab sie zumindest ein Gleis frei, seit etwa 9.30 Uhr ist die Strecke wieder in beiden Richtungen befahrbar. Auslöser war, dass Hochwasser die Gleise überspült hatte und ein Erdrutsch drohte, wie ein Bahnsprecher sagte. Deshalb habe man die Strecke um kurz vor sieben Uhr früh vorsorglich gesperrt, die Fernverkehrszüge über Donauwörth umgeleitet und die Regionalzüge zwischen Dinkelscherben und Burgau durch Busse ersetzt.

Diese Bahnstrecken in Bayern sind noch gesperrt

Auch zwischen Immenstadt und Kempten durften am Dienstagmorgen keine Züge mehr fahren - damit dort eine Hochwasserschutzwand gebaut werden kann. Wegen "witterungsbedingter Störungen" wurden zugleich die Strecken zwischen Lindau und Kempten, zwischen Immenstadt und Oberstdorf sowie zwischen Murnau und Garmisch-Partenkirchen gesperrt - und die Strecke zwischen Markt Schwaben und Erding, auf der die Münchner S-Bahn-Linie S2 fährt. Dort war offenbar ein Baum umgestürzt. Teilweise werden diese Strecken noch bis Mittwochabend nicht befahrbar sein, wie die Bahn mitteilte.

Dauerregen in Bayern

Flüsse und Seen treten über die Ufer

An der Mangfall schienen die schlimmsten Befürchtungen der Behörden derweil nicht einzutreten: "Das schaut eher harmlos aus, das wird nicht dramatisch", sagte ein Sprecher des Landratsamts Rosenheim am Dienstagmorgen; mittags löste sich dann die eigens einberufene Koordinierungsgruppe der Behörden wieder auf. Noch tags zuvor hatte das Amt zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen - eingedenk früherer Hochwasserkatastrophen im Landkreis. Doch die Höchststände des schlimmen Hochwassers von 2013 wurden diesmal bei Weitem nicht gemessen. In München sperrte die Stadt zwar zwei Isarbrücken, die Lage war dort am Dienstag aber undramatisch.

Im Landkreis Ansbach kam am Montagabend auf der Autobahn 6 ein Autofahrer ums Leben, als sein Auto auf der nassen Fahrbahn ins Schleudern geriet, in einen Wald geschleudert wurde und dort zwischen zwei Bäumen eingeklemmt wurde, wie die Polizei mitteilte. Der 44-Jährige starb noch an der Unfallstelle.

Auch in anderen Teilen Deutschlands hielt die Hochwassergefahr Behörden und Einsatzkräfte in Atem. Die Stadt Wangen im Allgäu löste in der Nacht Alarm aus. Der Fluss Obere Argen, der durch die Stadt fließt, habe den Auslösepegel für den Alarm von 2,30 Meter überschritten, sagte ein Sprecher der Stadt. Am Dienstagmorgen stand das Wasser bei 2,70 Meter. Stiege es um weitere zehn Zentimeter, träte der Fluss großflächig über die Ufer.

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