Wissenschaftspolitik:Deutung einer Hochschulreform

Minister Sibler will per Livestream das geplante Konzept erklären

Der Gesetzesentwurf zur geplanten bayerischen Hochschulreform liegt noch nicht vor, aber das Konzept treibt Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten seit Monaten um. Ängste und Kritik überwiegen bei vielen Beschäftigten und Studenten. Damit der erhoffte große Wurf der Staatsregierung nicht zerredet wird, bevor überhaupt ein Entwurf vorliegt, begibt sich Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) nun auf digitale Erklärreise. Bei drei Terminen will er im Livestream der Hochschulfamilie die "Vision" hinter der Reform erklären, Neuerungen erläutern und einen Einblick bieten "hinter die Kulissen der Gesetzeswerkstatt im Ministerium". Los geht es am 5. Februar um 16 Uhr, weitere Termine sind für den 10. und 15. Februar geplant.

Derweil fragen sich viele, die seit Monaten mit Sibler über die Reform sprechen, Kritik und Vorschläge einbringen, wann endlich ein schriftlicher Entwurf vorliegt. Vorher könne der Wissenschaftsminister noch so oft die größten Ängste ausräumen und mündlich Kompromisse vorschlagen, heißt es. Allein auf diese Versicherungen wollen sich die Hochschul- und Unileitungen offensichtlich nicht verlassen.

Ziel des Hochschulinnovationsgesetzes ist, dass die bayerischen HaW und Universitäten agiler werden, schneller, freier und so in einer Liga mit Harvard oder Cambridge spielen. Dafür gibt das Wissenschaftsministerium Kontrollrechte auf, davon verspricht sich die Staatsregierung beste Forschung und so beste Geschäfte für die Wirtschaft. Die Kernaufgaben aller Unis und Hochschulen sollen künftig Forschung, Lehre und - das ist neu - Transfer sein. Genau daran stoßen sich viele Kritiker: Sie fürchten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, wenn nach dem wirtschaftlichen Nutzen eines Faches Geld und Stellen verteilt werden. Vertreter der Kunst-, Geistes- und Sozialwissenschaften sehen sich schon auf dem Abstellgleis, weil ihre Disziplinen weniger konkreten, monetär umsetzbaren Nutzen bringen als etwa Ingenieurwissenschaften. Umstritten ist neben dem hohen Tempo, das sogar Reform-Befürworter schreckt, auch eine straffere Organisationsstruktur, die Hochschulen sich geben dürfen. Skeptiker fürchten Durchregieren der Präsidenten, vorbei an Studenten, Professoren und wissenschaftlichem Mittelbau. Im Wissenschaftsministerium setzt man auf Siblers Dialog, um diese Sorgen auszuräumen. Der Entwurf soll Ende März fertig sein und das Gesetz im Sommer verabschiedet werden.

© SZ vom 05.02.2021 / angu/van
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