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Nach Wolfsangriffen:Die Versäumnisse rächen sich

Wolf im Wildpark

Der Wolf ist zurück.

(Foto: Alexander Heinl/dpa)

Es ist wohlfeil von Ministerin Michaela Kaniber, den Wolfsgegenern nach dem Mund zu reden. Besser wäre es, sie überzeugt die Landwirte von den Notwendigkeiten an einem Herdenschutzprogramm teilzunehmen.

Von Christian Sebald

Damit kein Missverständnis entsteht: Der Frust und die Verärgerung der beiden Bauern in Betzenstein, in deren Gehege ein oder mehrere Wölfe in nur zwei Nächten 25 Wildtiere gerissen haben, sind nur zu verständlich. Auch die Sorgen der anderen Bauern rund um den Veldensteiner Forst um ihre Nutztiere auf den Weiden wird ein jeder ernst nehmen, der die Bilder von dem getöteten Damwild, Hirschen und Mufflons gesehen hat. Das Gleiche gilt für die Ängste von Eltern um ihre Kinder, wenn die draußen spielen wollen. Und natürlich versteht man auch all die Hundebesitzer, die nicht so recht wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie mit ihrem Vierbeiner im Veldensteiner Forst Gassi gehen.

Gleichwohl muss man konstatieren, dass sich jetzt wieder einmal all die Versäumnisse rächen, die sich die Staatsregierung beim Thema Wolf bisher geleistet hat und offenkundig weiter leisten will. Die Forderung nach der Erleichterung von Wolfsabschüssen, die Agrarministerin Michaela Kaniber jetzt wieder vorbringt, ist das beste Beispiel. Denn natürlich weiß Kaniber genau, dass die EU und in ihrer Folge die Bundesregierung dem nicht nachkommen werden - zumal es bereits alle Möglichkeiten gibt, Wölfe zu töten, die eine echte Gefahr für Nutztiere oder Menschen sind. Aber es ist halt viel einfacher, in den Chor der Wolfsgegner einzustimmen, statt den Menschen rund um den Veldensteiner Forst zu erklären, was sie tun oder lassen sollten, damit sie selbst und das Wolfsrudel dort miteinander möglichst gut zurecht kommen.

Dabei gibt es diese Möglichkeiten, allem voran für die Bauern. Vergangenes Jahr hat Kaniber ein feines Herdenschutzprogramm für Wolfsregionen aufgelegt. Es umfasst nicht nur Beratungen, sondern auch eine üppige Förderung. Hätten die Bauern in Betzenstein, deren Wildgatter jetzt von den Wölfen heimgesucht worden sind, an dem Programm teilgenommen, wären ihnen die toten Nutztiere erspart geblieben. Wenn Kaniber den Bauern in den bayerischen Wolfsregionen wirklich helfen will, sollte sie dafür sorgen, dass sie sich an ihrem Herdenschutzprogramm beteiligen. Die wohlfeile Forderung nach der Erleichterung von Abschüssen könnte sie sich dafür schenken.

© SZ vom 05.03.2021/sbeh
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