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Corona-Krise:Darbende Kurorte in Bayern

Heilbäder hoffen auf einen wachsenden Inlandstourismus

Bayerns Kurorte sind die Krise eigentlich schon seit mehr als zwei Jahrzehnten gewohnt. Diverse Gesundheitsreformen seit den 1990er-Jahren haben den einst oft wochenlangen und voll von den Krankenkassen bezahlten Kuraufenthalten ein jähes Ende bereitet. Seither suchen die meisten Bäder ihr Heil in Wellness und Rehabilitation. Die Corona-Pandemie hat sie als touristische Destinationen seit dem Frühjahr zwar "ins Mark getroffen" und bereits Umsätze von rund einer Milliarde Euro gekostet, wie es der Bayerische Heilbäder-Verband für seine 46 Mitglieder zusammenfasst. Zugleich ringen sie der Corona-Krise, die vor allem eine medizinische Krise ist, nun zumindest die Hoffnung ab, bald wieder mit ihren Stärken zu punkten.

Denn der Heilbäder-Verband geht nach eigenen Angaben davon aus, "dass das Thema Gesundheit in Zukunft einen noch höheren Stellenwert bekommen wird". Unter anderem richten die Bäder ihre Hoffnungen auf Unternehmen, die etwas für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun wollen, etwa für die derzeit besonders geforderten Pflegekräfte in Alten- und Pflegeheimen, für die der Verband zusammen mit etlichen anderen Partnern ein spezielles Präventionsprogramm entwickelt hat. Ganz aktuell sehen die Heilbäder aber auch Covid-19-Patienten, die unter Spätfolgen der Krankheit leiden, als mögliche Kunden an. So seien 20 Heilbäder in Bayern auf Erkrankungen der Atemwege spezialisiert. In 35 Kurorten versteht man sich außerdem besonders auf psychosomatische Krankheitsbilder, wie sie eine Folge der Pandemie und der damit einhergehenden sozialen Einschränkungen sein könnten. Schon bisher sei Bayern jedenfalls das "Reha-Land Nummer eins" in Deutschland, denn laut einer Branchenstudie aus dem vergangenen Jahr befindet sich jede vierte deutsche Rehaklinik im Freistaat - und davon wiederum jede fünfte in einem Kurort.

Viele dieser Kliniken standen jedoch zuletzt über Wochen und Monate hinweg leer, sofern sie als Krankenhäuser für Corona-Patienten herangezogen wurden. Auch Thermen und Wellnesstempel hatten geschlossen. Als Folge seien auch die Hotels leer geblieben, "das Geschäftsleben kam in einigen Heilbädern und Kurorte nahezu zum Erliegen". Die Möglichkeit der Kurzarbeit sowie die Soforthilfen und weiteren Angebote von Bund und Land hätten geholfen, heißt es lobend von dem Verband, an dessen Spitze mit Staatssekretär Klaus Holetschek freilich ein Mitglied der Staatsregierung und CSU-Landtagsabgeordneter steht. All diese Hilfe können die großen Verluste in diesem Jahr längst nicht wettmachen, da geht es den Heilbädern nicht anders als anderen Wirtschaftszweigen. Als Kommunen finanzieren sich die Heilbäder und Kurorte dabei zu einem großen Teil über die Kurtaxen und Fremdenverkehrsbeiträge, die seit März komplett weggebrochen sind. Gleichwohl hoffen sie nun auch auf einen verstärkten Trend zum Inlandstourismus, denn schon jetzt finde jeder vierte Gästeübernachtung in Bayern in einem Kurort oder Heilbad statt.

© SZ vom 25.06.2020 / kpf

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