bedeckt München
vgwortpixel

Digitale Infrastruktur:Wie der Handyempfang auf dem Land besser werden soll

Betreiber wollen Kräfte für schnelleren Mobilfunkausbau bündeln

Viele ländliche Gemeinden haben keinen zuverlässigen Mobilfunk-Empfang - mehr Masten könnten helfen.

(Foto: dpa)
  • In vielen Gegenden Bayerns gibt es kaum oder gar kein Handyempfang.
  • Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich mancherorts die Lage bald bessern könnte - nicht nur, aber auch wegen des Mobilfunkförderprogramms des Freistaats.
  • 484 Kommunen haben ihr Interesse angemeldet. Besonders groß ist es in Oberfranken, Niederbayern und der Oberpfalz.

Telefonieren? Das kann man natürlich in Heiligenstadt in Oberfranken - nur halt nicht immer und überall per Handy. Zu oft fehlt der Empfang, "weiße Flecken", sagt Bürgermeister Helmut Krämer (CSU). Seit Jahren bemüht er sich um besseren Mobilfunk, bislang vergeblich, aber vielleicht klappt es ja jetzt. Denn Krämer hat einen Förderbescheid in Höhe von einer halben Million Euro erhalten, damit er selbst einen Funkmasten aufstellen kann. Und dann hat noch ein Netzanbieter reagiert. Vergangene Woche sei ein Brief von der Telekom gekommen, sagt Krämer: Sie könne sich vorstellen, den Mobilfunk in der Gemeinde ausbauen.

Auf solch gute Nachrichten wie in Heiligenstadt hoffen sie auch anderswo in Bayern. In vielen Gegenden herrscht kaum oder gar kein Handyempfang. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass sich mancherorts die Lage bald bessern könnte - nicht nur, aber auch wegen des Mobilfunkförderprogramms des Freistaats. 484 Kommunen haben ihr Interesse angemeldet. Besonders groß ist es in Oberfranken, Niederbayern und der Oberpfalz. 480 Markterkundungsverfahren für neue Masten laufen derzeit, 44 Anträge wurden positiv beschieden. Für Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) ein Zeichen, dass der Ausbau des Mobilfunknetzes "hervorragend" laufe. Bürger und Wirtschaft erwarteten flächendeckenden LTE-Empfang, deshalb schaffe man "finanzielle Anreize" und hole "die Gemeinden und Mobilfunkbetreiber mit ins Boot".

Technologie Netz wie hinterm Mond
Funklöcher

Netz wie hinterm Mond

Deutschland hat das teuerste Netz mit dem schlechtesten Service. Selbst in deutlich ärmeren Staaten ist die Lage besser. Jetzt muss die Regierung gegenüber den Mobilfunkanbietern Mut zeigen.     Kommentar von Markus Balser

Der Mobilfunkausbau hakte in der Vergangenheit an vielen Stellen. Die Idee zum Förderprogramm stammt noch aus Zeiten, in denen Ilse Aigner (CSU) im Wirtschaftsministerium residierte. Erst gab es von kommunaler Seite Widerstand dagegen: Der Bayerische Gemeindetag erklärte, es sei nicht Aufgabe der Kommunen, für Staat und Privatwirtschaft in die Bresche zu springen. Dann dauerte es, bis die EU-Kommission ihr Placet gegeben hatte. Ein weiteres Problem war lange, dass niemand genau zu wissen schien, wo Masten nötig wären, um Funklöcher zu schließen. Zwar gibt es Karten, die den Abdeckungsgrad der einzelnen Netze zeigen. Doch das Material hat sich des Öfteren als ungenau erwiesen. Das liegt vor allem an der Topografie, Berge und Hügel blocken Funkwellen.

So war und ist es auch in Heiligenstadt. "Wir sind ja eine klassische ländliche Gemeinde", sagt Bürgermeister Krämer. Der Markt im Landkreis Bamberg besteht aus 24 Ortsteilen mit 3500 Einwohnern, verstreut über Berg und Tal. Drei Netzbetreiber sind aktiv. Theoretisch müsste der Empfang vielerorts passabel sein, praktisch kommt oft zu wenig davon beim Handy an. Das zeigten auch Messungen, die der Landkreis auf eigene Rechnung abhalten ließ. Trotzdem tat sich erst einmal wenig. "Wir sind ja an die Leute gar nicht rangekommen", sagt Krämer und meint die Zuständigen bei den Netzbetreibern: Diese sind in Deutschland für den Mobilfunkausbau verantwortlich. Tatsächlich hatten sich die Netzbetreiber lange auf Ballungsgebiete konzentriert - wo viele Menschen wohnen, winken größere Gewinne. Doch scheint der ländliche Raum langsam aufzuholen. 754 neue Mobilfunkmasten haben Vodafone, Telefónica und Telekom nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im vergangenen Jahr in Bayern errichtet. 3000 bereits bestehende Masten seien nachgerüstet worden.

Diesen Trend dürfte das vor rund einem Jahr gestartete Förderprogramm verstärken. Kommunen können damit bis zu 80 Prozent der Kosten finanzieren, die beim Mastbau anfallen, maximal sind 500 000 Euro möglich. Die Netzbetreiber sollen sich dann auf dem Masten einmieten. Die Idee: Wo sie nicht selbst bauen müssen und somit ihre Kosten sinken, könnte das Engagement für sie attraktiver werden. Damit sich beide Seiten finden, vermittelt ein Mobilfunkzentrum in Regensburg. Das soll, hört man, recht gut funktionieren. Die Unterstützung von außen ist nötig. Kleine Gemeinden sind bisweilen überfordert von den Förderprogrammen, mit denen die Staatsregierung sie so gerne überschüttet.

Dennoch bleiben ein paar Dinge ungewiss. Zum Beispiel, wann es bayernweit Empfang auf 5-G-Basis geben wird. Damit dieses Netz der Zukunft funktioniert, müssen Tausende Masten teils nachgerüstet, teils neu gebaut werden. Für den 5-G-Ausbau ist das Förderprogramm nicht gedacht, es soll zunächst grundsätzliche Versorgungslücken schließen. Das ist in der Theorie leichter als für die Praktiker am Ort. Regelmäßig berichten Bürgermeister, wie schwierig es sei, einen Maststandort zu finden. Zwar haben die Gesundheitsbedenken gegenüber den Funkmasten eher abgenommen. Doch wie Windräder will man sie selten quasi im Vorgarten stehen sehen.

Krämer kennt die Nöte mancher Kollegen und den Streit, der sich um die Masten entzünden kann. Er selbst ist davon bislang weitgehend verschont geblieben. In Heiligenstadt demonstrierten keine 100 Leute vor dem Rathaus, sagt Krämer, man habe vielmehr das Thema von Anfang an offen diskutiert. Und: "Die Leidenszeit ist zu lang gewesen." Die Leute wollten endlich Handyempfang. Einen Standort für einen Masten hat Krämer schon.

© SZ vom 20.01.2020/vewo
Politik in Bayern Superschlau in die Zukunft

Digitalisierung in Bayern

Superschlau in die Zukunft

Eine Milliarde Euro will die Staatsregierung in digitale Innovation investieren, das Zauberwort heißt "Künstliche Intelligenz". Diese treibt schon jetzt viele Wissenschaftler und Unternehmer in Bayern um. Einblicke in die Szene.   Von Anna Günther und Alena Specht

Zur SZ-Startseite