Energiekrise und Inflation:In der Wirtschaft herrscht Pessimismus vor

Lesezeit: 2 min

Energiekrise und Inflation: Im Lebensmittelhandwerk gehen 57 Prozent von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation aus.

Im Lebensmittelhandwerk gehen 57 Prozent von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation aus.

(Foto: Florian Peljak)

Nach guten Jahren blicken viele Unternehmen angesichts der aktuellen Krisenstimmung nun mit wachsendem Pessimismus in die Zukunft. Der bayerische Handwerkspräsident fordert eine Entlastung bei den Energiepreisen.

Steigende Kosten, steigende Unsicherheiten, vor allem aber fehlende Hoffnung: Sowohl die bayerischen Handwerks- als auch die Industrie- und Handelskammern sehen auf die Wirtschaft im Freistaat schwere Zeiten zukommen. Beide stellten am Mittwoch unabhängig voneinander Konjunkturumfragen vor. Im Handwerk blicken demnach vor allem die Lebensmittel- und die Baubranche mit wachsendem Pessimismus in die Zukunft.

"Von einem Abkühlen bis zu einem regelrechten Einbruch der Baukonjunktur ist alles möglich", wird Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstag (BHT), in einer Mitteilung zitiert. Die aktuelle Geschäftslage bewerteten in der vierteljährlichen Umfrage zwar gewerkeübergreifend mehr als 80 Prozent der Handwerkerinnen und Handwerker als befriedigend oder gut. Angesichts der hohen Inflation - insbesondere durch die hohen Energiekosten - und der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit gehen allerdings viele von einer Verschlechterung aus. Im Lebensmittelhandwerk galt das sogar für rund 57 Prozent der Betriebe und im Bauhauptgewerbe für 41 Prozent. Rund 17 Prozent der Bauunternehmen berichteten zudem im September von stornierten Aufträgen.

Noch drastischer fällt das Ergebnis der Unternehmerumfrage beim Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) aus: Dort sieht man die Geschäftserwartungen der Wirtschaft "im freien Fall". Der sogenannte BIHK-Konjunkturindex stürzte auf 88 Punkte, den schlechtesten Wert seit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020. Unternehmen planten deshalb mit weniger Investitionen und Stellenabbau. Über alle Branchen hinweg fehlten Kosten- und Planungssicherheit angesichts von Energiekrise, Inflation, fragilen Lieferketten, Fachkräftemangel und der Abkühlung der Wirtschaft in der EU und China. Die aktuelle Risikolage sei für die Betriebe "beispiellos", sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gössl. "Wir gehen mit Sicherheit in eine Rezession."

Mit Blick auf die schlechten Umfrageergebnisse erneuerten BIHK und BHT ihre Forderung nach mehr und zielgenauer Entlastung für die Wirtschaft. "Neben einer angemessenen Berücksichtigung unserer Betriebe bei Entlastungsmaßnahmen ist uns wichtig, dass kleine und mittlere Unternehmen von den Kosten der Klima- und Energiepolitik anteilig nicht stärker betroffen sind als Großunternehmen", sagte etwa Handwerkspräsident Peteranderl.

Gleichzeitig sollten seiner Ansicht nach alle energiebezogenen Abgaben auf den Prüfstand. Entlastungsmöglichkeiten bestünden zum Beispiel bei den Strom-, Gas- und Benzinpreisen. "Ebenso brauchen wir mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien." BIHK-Präsident Klaus Josef Lutz rief die Politik auf, "schnell realistische Strategien für die Energiesicherheit Deutschlands" vorzulegen. Außerdem müsse Bürokratie abgebaut werden, "mehr Flexibilität ist das Gebot der Stunde". Große Hoffnungen setzte man zudem auf neue Freihandelsabkommen mit den USA und Australien. Diese wären, so Lutz, "ein starkes Signal der Hoffnung für die Wirtschaft".

Zur SZ-Startseite

SZ PlusEnergiekrise
:"Wenn es kein Handwerk mehr gibt, gibt es gar nix mehr"

Im Handwerk steigt mit den Energiepreisen die Not, viele Betriebe arbeiten an der Belastungsgrenze - oder schon jenseits davon. Sechs Hilferufe.

Lesen Sie mehr zum Thema