Süddeutsche Zeitung

Wirtschaft:Bayerisches Handwerk kritisiert Pläne für Industriestrompreis

Der Handwerkstag lehnt das Vorhaben ab, das auch CSU und Freie Wähler unterstützen. Der Verband fürchtet eine Wettbewerbsverzerrung.

Von Maximilian Gerl

Die Spitzen des bayerischen Handwerks haben sich gegen die Einführung eines sogenannten Industriestrompreises ausgesprochen - im Gegensatz zur Staatsregierung. Es müsse berücksichtigt werden, dass auch kleine und mittlere Handwerksbetriebe im Wettbewerb mit Industrieunternehmen stünden, heißt es in einer am Montag verschickten Mitteilung des Bayerischen Handwerkstags (BHT). Es dürfe aber "keine Wettbewerbsverzerrungen" geben. "Wenn der Strompreis in Deutschland subventioniert wird, dann für alle produzierenden Unternehmen gleichermaßen."

Die Kritik wurde nach BHT-Angaben auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) per Schreiben zugestellt. Beide hatten die Bundesregierung wiederholt aufgefordert, die aktuell hohen Energiekosten für Industrieunternehmen zu senken. Ähnlich äußerten sich einige Verbände: Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) etwa veröffentlichte im Juli eine Studie, wonach bis 2030 mit spürbar höheren Strompreisen zu rechnen sei. Daher brauche es Maßnahmen, bis genug erneuerbare Energien vorhanden seien.

Ökonominnen und Ökonomen sind allerdings hinsichtlich der momentan in Berlin diskutierten Strompreisbremse teils unterschiedlicher Auffassung. So wies die Wirtschaftsweise Veronika Grimm, Professorin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, darauf hin, dass ein Industriestrompreis den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen könne. Wichtig sei, die Standortbedingungen grundsätzlich zu verbessern.

Statt eines Industriestrompreises fordert der BHT ein "breites Stromangebot" sowie generell niedrigere Stromsteuern. Außerdem brauche es "bedarfsgerecht ausgebaute Übertragungs- und Verteilnetze". Tatsächlich war einmal vorgesehen, dass die beiden großen Trassen, die günstige Energie aus dem Norden Deutschlands in den Süden bringen sollen, zum Atomausstieg im Jahre 2022 in Betrieb gehen. Deren Fertigstellung wird aber bis voraussichtlich 2027 dauern.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.6238018
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/mz
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.