Grundwasser-Verschmutzung:Stoppt den Güllefluss

Odeln auf der Weide

Die Gülle auf deutschen Äckern ist ein großes Problem. Das Grundwasser wird vielerorts zu stark mit Nitrat belastet.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die intensive Landwirtschaft gefährdet die Trinkwasser­versorgung ganzer Regionen. Mit einem neuen Merkblatt ist es nicht getan. Die Politik muss klare Ansagen machen.

Kommentar von Christian Sebald

Kein Zweifel, das Tiefengrundwasser ist "die eiserne Reserve für die Zukunft", wie Umweltminister Thorsten Glauber (FW) so schön sagt. Deshalb muss es nicht nur streng geschützt werden. Sondern es muss außerdem möglichst unangetastet bleiben. Gerade die letzten Trockenjahre haben gezeigt, dass das Grundwasser sogar im wasserreichen Bayern ein endliches Gut ist.

Aber es sind ja nicht Jux und Tollerei, die Trinkwasserversorger wie die Rottenburger Gruppe veranlassen, immer tiefer gelegenes Grundwasser anzuzapfen. Es ist die schiere Not, weil sie weiter oben kein Grundwasser mehr antreffen, das uneingeschränkt trinkwassertauglich ist. Das Nitrat und die anderen Schadstoffe aus der intensiven Landwirtschaft leisten ganze Arbeit, könnte man zynisch sagen. Und das wird so lange der Fall sein, so lange es Bauern gibt, die nicht von Ställen mit Tausenden Mastplätzen lassen wollen, und die Politik das hinnimmt.

Der Schutz des Grundwassers und eine intensive Landwirtschaft mit ihrem ungeheueren Anfall an Gülle und dem gigantischen Verbrauch von Kunstdünger gehen nicht zusammen. Das zeigen nicht nur die Analysen von Agrar- und Grundwasserexperten. Das sagen inzwischen sogar Politiker von CSU und Freien Wählern - wenn man sie damit nicht öffentlich zitiert.

Weniger Masttiere halten

Wer in besonders belasteten Regionen wie dem Raum Landshut sauberes Grundwasser haben will, hat nur eine Wahl: Er muss dafür sorgen, dass dort weniger Masttiere gehalten werden. Denn wo es weniger Schweine und andere Nutztiere gibt, fällt nicht nur weniger Gülle an. Es braucht auch weniger Mais und anderes Futter und deshalb weniger Kunstdünger.

Und in Regionen, wo das Grundwasser die Vorgaben noch halbwegs erfüllt, muss man dafür sorgen, dass Auswüchse wie in der Region Landshut gar nicht entstehen. Dafür braucht es nicht nur Bauern, die sich Alternativen zum Wachsen suchen. Sondern klare Ansagen der Politik. Mit einem neuen Merkblatt für den Schutz des Tiefengrundwassers ist es jedenfalls nicht getan.

© SZ vom 21.09.2021
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