Macht es wirklich Sinn, dass Grundschüler nach der Druckschrift noch eine Schreibschrift lernen, bevor sie ihre individuelle Handschrift entwickeln? Das will das bayerische Kultusministerium mit dem Modellprojekt „FLowBy“ klären. An 43 Grundschulen im Freistaat werden die Kinder angeleitet, direkt aus der Druckschrift ihre eigene Handschrift zu entwickeln – ohne den „Umweg“ über eine verbundene Schreibschrift.

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Dafür gibt es viele „Schreibwerkstätten“, in denen individuell passende Buchstabenverbindungen ausprobiert werden. Jeweils in der zweiten, dritten und vierten Klasse wird die Handschrift der Kinder beurteilt. Dabei geht es nicht nur um Kriterien wie Formklarheit, Leserlichkeit und Flüssigkeit, sondern auch um Geschwindigkeit.
Denn Studien haben gezeigt, dass Kinder mit einer komplett verbundenen Schreibschrift deutlich langsamer schreiben als die mit einer teilverbundenen Schrift - und sogar langsamer als die mit einer reinen Druckschrift. „Das macht im Schulalltag auf eine ganze Seite gesehen einen großen Unterschied aus“, erläutert Eva Odersky von der Universität Eichstätt. Am Ende des Modellprojekts könnte daher das Aus für die verpflichtende Schreibschrift an den Schulen stehen.
Bisher lernen Erstklässler in Bayern zunächst die Druckschrift. Ende der ersten oder Anfang der zweiten Klasse wird dann zusätzlich eine Schreibschrift eingeführt. Gegen Ende der Grundschulzeit sollen die Mädchen und Jungen dann aus Druck- und Schreibschrift ihre individuelle Handschrift entwickelt haben. Die meisten Erwachsenen, zumal wenn sie geübte Handschreiber sind, benutzen übrigens eine teilweise verbundene Schrift, weil das ökonomischer ist und auch die Muskulatur entlastet.

