KlimawandelGrüne fordern ein Hitze-Notfallzentrum

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Viele Kommunen kümmern sich bereits um das Thema Hitze. Zum Beispiel mit öffentlichen Trinkbrunnen. 
Viele Kommunen kümmern sich bereits um das Thema Hitze. Zum Beispiel mit öffentlichen Trinkbrunnen. 
Jörg Carstensen

Bayern ist nicht ausreichend auf kommende Hitzeperioden vorbereitet, kritisieren die Grünen im Landtag. Sie fordern ein bayernweites Netzwerk aus kühlen Räumen, Trinkwasser und eine Hitze-Hotline.  Ministerin Gerlach (CSU) hält dagegen.

Von Nina von Hardenberg

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Mit dem Klimawandel kann es auch in Bayern zu längeren Hitzeperioden kommen. Der Freistaat ist darauf nicht ausreichend vorbereitet, finden die Landtags-Grünen.  „Wir erleben gerade den nächsten Hitzesommer“, sagte der Grüne Landtagsabgeordnete Andreas Krahl. Es sei davon auszugehen, dass, wie in den Vorjahren, Menschen hitzebedingt sterben würden. In einem Antrag fordern die Grünen ein bayerisches Hitze-Notfallzentrum und ein landesweites Netz von öffentlichen kühlen Räumen. Menschen, denen die Hitze besonders zu schaffen macht, könnten sich dort erholen und sie würden mit Trinkwasser versorgt.

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) soll nach Vorstellung der Grünen außerdem ein „Hitzetelefon“ als Beratungsangebot anbieten.  „Ich glaube, wir sind es der bayerischen Bevölkerung schuldig, dass wir präventive Maßnahmen vorantreiben“, sagte Krahl bei der Vorstellung des Antrags im Gesundheitsausschuss des Landtags.

Länger anhaltende Hitze kann gerade für alte und kranke Menschen gefährlich werden, darauf haben auch Forscher angesichts der aktuellen Hitzeperiode zuletzt hingewiesen. In extrem heißen Sommern wie 2003 oder 2018 seien in Deutschland etwa 10 000 Menschen hitzebedingt vorzeitig gestorben, sagte die Hitzeforscherin Veronika Huber. In Ländern, die seltener Hitze erleben, komme es dabei schon bei vergleichsweise niedrigeren Temperaturen zu einem Anstieg der hitzebedingten Todesfälle, warnt sie.

Auch Huber plädiert deshalb dafür, dass Bayern einen Notfallplan für eine unerwartete Hitzeperiode entwickelt. Eine solche gab es 2021 im Westen von Kanada. Damals hatte sich dort eine Hitzeglocke gebildet und die Temperaturen blieben wochenlang über 45 Grad. Die Menschen mussten in ihren Kellern und Garagen ausharren, um das zu überstehen.

Auch die Grünen verweisen am Dienstag auf die extreme Hitzewelle 2021 in Kanada, um die Dringlichkeit eines bayernweiten Hitzeschutzplans zu unterstreichen. Im Ausschuss stoßen sie dabei durchaus auf Gehör. Man ist sich dort der Gefahren der Hitze bewusst. Den Vorschlag der Grünen lehnt die Mehrheit der Abgeordneten trotzdem ab. Es sei vor allem Aufgabe der Kommunen, Schutzkonzepte zu erarbeiten und kühle Räume auszuweisen, argumentierten Abgeordnete von CSU und Freien Wählern. „Die Kommunen wissen am besten, welche Orte als kühle Räume geeignet sind“, sagte der CSU-Abgeordnete Stefan Mayer (CSU).

Der Freistaat solle sich darauf beschränken, zu beraten und Klimaanpassungen zu fördern. Dies geschehe bereits. „Bei dem Antrag scheint Aktionismus im Vordergrund zu stehen“, kritisiert er. Die Stadt Straubing etwa habe mit Hilfe von Fördergeldern Trinkwasserbrunnen und Sprühanlagen aufgebaut und eine Karte mit den kühlen Orten der Stadt erstellt.

55 Grad im Schatten hätten in Afghanistan auch niemandem geschadet

Ähnliches sei in Rosenheim passiert, berichtete der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart: „Fast jede Kommune hat so etwas inzwischen.“  Die AfD sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Sein Kollege Matthias Vogel berichtete zudem von seinem Einsatz mit der Bundeswehr in Afghanistan, wo 55 Grad im Schatten niemandem geschadet hätten. Der Mensch gewöhne sich mit der Zeit an die Hitze, behauptet er. Das wiederum provozierte einen Kommentar der SPD, dass dies wohl kaum auf alte Menschen im Pflegeheim zu übertragen sei.

Hitzeschutz ist wichtig, aber bereits vorhanden: So argumentiert Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) in einem Statement. Sie verweist auf das Kompetenzzentrum für Gesundheitsschutz im Klimawandel am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, das die Kommunen sowie die Bürgerinnen und Bürger bei der Anpassung an die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels unterstütze. „Es berät die Kommunen kostenlos bei der Erarbeitung individueller Hitzeaktionspläne. Bisher nutzten bereits mehr als 60 Kommunen dieses Angebot“, sagt Gerlach. Zudem gebe es Veranstaltungen zu dem Thema und Informationsmaterialien.

Unterstützung für den Vorschlag der Grünen kommt dagegen von der SPD. „Manche Kommunen sind sehr weit, andere weniger“, sagte die SPD-Abgeordnete Ruth Waldmann. Bayern habe bislang keinen landesweit verbindlichen Hitzeschutzplan. „Da würden wir uns mehr Verbindlichkeit wünschen, damit die gesamte Bevölkerung in den Genuss solcher Schutzmaßnahmen kommt“, sagt Waldmann. Das Hitze-Notfallzentrum soll nach Vorstellung der Grünen im Ernstfall die bayernweite Koordination übernehmen und Unterstützung leisten, wenn gefährdete Personengruppen anderswo untergebracht oder betreut werden müssen, regional oder auch überregional.

Die öffentlichen kühlen Räume sollen zu einem bayernweiten Netz zusammengefasst werden. „Im Bedarfsfall soll für eine medizinische Grundversorgung gegen typische hitzebedingte Gesundheitsrisiken gesorgt werden und es soll in den ‚Kühlen Räumen‘ eine hinreichende Anzahl kühler Schlafplätze bereitgestellt werden“, heißt es in dem Antrag der Grünen.

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