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Gesundheit:Einigung zu Grippe-Impfstoff

Apotheken sollen die Verteilung an Bayerns Ärzte übernehmen. Über die Lagerbestände des Freistaats hatte es zuvor heftige Debatten gegeben

Von Dietrich Mittler

Die Verteilung der insgesamt 550 000 Dosen an Grippe-Impfstoff, die die Staatsregierung im Sommer "als Reserve" beschafft hatte, scheint jetzt zumindest grundsätzlich gesichert zu sein. Eine Telefonkonferenz am Montag hatte zu dem Ergebnis geführt, dass der Impfstoff nun doch durch Apotheken an niedergelassene Ärzte verteilt werden soll - eine Lösung, die rechtlich zunächst als kaum umsetzbar galt, weil der Freistaat die von ihm beschafften Impfdosen nicht einfach so weitergeben kann. Nach Angaben des Bayerischen Apothekerverbands lagern diese augenblicklich noch "beim Hersteller".

Bislang handelt es sich bei der sich anbahnenden Lösung aber nur um eine mündliche Übereinkunft des Gesundheitsministeriums mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), dem Apothekerverband und der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen in Bayern. "Die genauen Modalitäten und ein entsprechender Vertragsentwurf zwischen allen Beteiligten werden derzeit abgestimmt", versicherte am Dienstag eine Ministeriumssprecherin. Bereits seit 11. November ermittele die KVB, wie viele Impfdosen die Praxen noch benötigen. "Der bisherige Rücklauf dieser Abfrage lässt aber vermuten, dass die von Bayern zusätzlich beschaffte Grippe-Impfstoffmenge den erforderlichen Bedarf decken wird", hieß es aus dem Ministerium.

Ursprünglich sollte der Impfstoff durch Amtsärzte verabreicht werden - doch die sind angesichts der vielen Covid-19-Fälle vollends ausgelastet. In den Arztpraxen wuchs derweil der Verdruss, weil dort der Grippe-Impfstoff knapp wurde und die Ärzte kaum mehr an neuen herankamen. Gerald Quitterer, der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, forderte den Freistaat auf, die Impfstoffe endlich zur Verfügung zu stellen. Es gehe nicht an, dass die "Staatsregierung zum Impfstofflager" werde, monierte Quitterer, der in Eggenfelden als Hausarzt tätig ist. Auch die Landtags-SPD hatte scharfe Kritik geäußert. Ein Ministeriumssprecher wies die Vorwürfe zurück: "Der vom Gesundheitsministerium besorgte Impfstoff wird in Kürze und damit rechtzeitig vor dem Höhepunkt der Grippewelle für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen."

KVB-Chef Wolfgang Krombholz ist froh, dass sich endlich abzeichnet, wie die Impfdosen Bayerns Patienten zugute kommen können. "Wir haben kein Problem damit, dass der Impfstoff über Apotheken abgegeben werden soll", sagte er. Für die Praxen sei das der normale Beschaffungsweg. "Es ist allerdings schade, dass so spät erst eine Lösung gefunden wurde", sagte er. Die Weitergabe der staatlichen Impfstoffdosen über die Apotheken in Bayern hatte offenbar recht komplizierte juristische Fragen aufgeworfen. Insider deuteten aber am Dienstag auf Nachfrage an, es bahne sich jetzt "eine salomonische Lösung" des Problems an.

© SZ vom 18.11.2020/van
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