Der durchschnittliche Autofahrer wäre nichts ohne sein Navigationssystem. Egal, wo man hinwill: Das Navigationssystem, im Volksmund schlicht „Navi“ genannt, weist den Weg. Auf die Minute genau, und fast immer zuverlässig. Das Navi warnt, wenn ein Stau die Straße verstopft. Es kennt jede Umfahrung. Und für umweltbewusste Spritsparfüchse bietet es sogar die kürzeste Route an. Der Fahrer weiß: Das Navi weiß mehr als er.
Allerdings hat auch das beste System mal einen schlechten Tag. Vor ein paar Tagen zum Beispiel meldete Google Maps, der Navigationsdienst für jedermann: Vollsperrung auf der A9 bei Berg im Landkreis Hof – bitte abfahren! Nur: Die Autobahn war überhaupt nicht gesperrt. Eine Falschmeldung also, die aber viele ernst nahmen.

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In der Gemeinde Berg wunderten sich die Einheimischen über die enorme Präsenz ortsfremder Kennzeichen. Was, wenn die Besucher nicht mit den Härten des nordbayerischen Winters vertraut sind? Die Bürgermeisterin Patricia Rubner äußerte im BR jedenfalls ihre ernste Sorge, dass „diese Auswärtigen vielleicht noch mit Sommerreifen auf den schneebedeckten Landstraßen unterwegs sind“.
Noch problematischer wird es, wenn sich blindes Vertrauen in die Wegführung mit menschlichen Bedienungsfehlern paart. Im vergangenen Sommer wollte eine Frau in den Chiemgauer Alpen von Schleching nach Aschau fahren. Eigentlich kein allzu weiter Weg, doch sie wählte eine Route über Pfade, die nicht für Autos gedacht sind, sondern für Wanderer. Unterhalb der Kampenwand blieb sie stecken – und setzte einen Notruf ab.
Aufsehen erregte kürzlich auch der Fall eines Bauarbeiters, der in der Oberpfalz nur mal schnell in Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg frischen Kraftstoff für die Baustelle holen wollte. Streckenlänge: neun Kilometer. Doch als der Mann nach mehr als einer Stunde nicht auftauchte, alarmierten die beunruhigten Kollegen die Polizei. Wie sich allerdings herausstellte, war der Mann aus Thüringen nicht Opfer eines Verbrechens geworden. Er hatte in sein Navi schlicht das falsche Neukirchen eingegeben: jenes im Bayerischen Wald, 116 Kilometer entfernt.
Doch ganz umsonst war die Fahrt nicht. Laut Polizei konnte der Mann „einen Eindruck vom Bayerischen Wald gewinnen, der seinem Empfinden nach einem Vergleich mit dem Thüringer Wald durchaus standhält.“ Zurück bleibt also die Erkenntnis: Wer das Navi korrekt bedient, sieht schneller das Ziel. Wer es falsch bedient, sieht mehr von der Welt.

