Bayerisch-ungarische ParallelenWas den Schußreima Sepp mit Viktor Orbán verbindet

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Ein Bild aus alten Tagen: der Orbán Viktor zu Gast in Bayern beim Seehofer Horst.
Ein Bild aus alten Tagen: der Orbán Viktor zu Gast in Bayern beim Seehofer Horst.
Foto: Matthias Schrader/AP

Die Stämme Bayern und Ungarn sind seit einem Jahrtausend eng verbandelt. Zu den vielen Gemeinsamkeiten zählen nicht zuletzt die Kuriositäten der Namensnennung.

Glosse von Hans Kratzer

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Der Bayernherzog Heinrich der Zänker hatte eine Tochter namens Gisela, die vor gut 1000 Jahren den Ungarnkönig Stephan I. geheiratet hat. Seitdem sind die Stämme Bayern und Ungarn eng verbandelt. Nach der Abwahl des Ministerpräsidenten Orbán Viktor wird sich nun in Ungarn vieles verändern, aber gewiss nicht die Namensordnung, die begründet, dass der Familienname vor dem Vornamen genannt wird.

In Ungarn sagt man also, Orbán Viktor habe einst Seehofer Horst getroffen, und Söder Markus habe bereits mit Orbáns Nachfolger Magyar Péter telefoniert. Natürlich ist diese Regel auch in Bayern geläufig, wobei hier die Konstruktion gerne mit dem jeweiligen Artikel erweitert wird. Diese Glosse hat also der Kratzer Hans geschrieben.

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Bis hierher ist alles übersichtlich. Im Gestrüpp der alten Namensregeln wird es aber rasch kompliziert. Im ländlichen Bayern tragen viele Anwesen seit Jahrhunderten einen Hofnamen. So bewirtschaftet etwa der Nitzl Albert einen Hof im Vilstal. Weil das Anwesen aber seit jeher beim Schwoiger heißt, wird der Hofbesitzer Schwoiger Albert genannt. Oft weiß man gar nicht, wie die Bauernfamilien richtig heißen, da der Hofname alles überdeckt.

Eine Todesanzeige meldete neulich das Hinscheiden des Herrn Josef Gillhuber aus Schußreith, aber darunter prangte der Name, unter dem der Tote eigentlich bekannt war: „da Schußreima Sepp“. Es kommt sogar vor, dass am Hofnamen noch ein Vorname klebt. In Neumarkt ist das beim Anwesen Michi Hans der Fall, das von der Familie Hobmaier Josef bewirtschaftet wird.

Die Oarkarrer-Franze-Anni, das ist die Frau des Eierhändlers Franz

Der Moasta Sepp wiederum hieß eigentlich Vielhuber, aber weil er Maurermeister war, verschmolzen in seinem Fall Name und Beruf. Ähnlich verhält es sich beim Schmied Hans, beim Kramer Alois und bei der Bisam Heidi (sie fing Bisamratzen). Manchmal wird der Name der Frau einfachhalber hinten drangehängt, zum Beispiel bei der Oarkarrer-Franze-Anni. Also bei der Frau des Eierhändlers Franz.

Der Schnupfer Xare hieß so, weil er dauernd geschnupft hat. Und der Russn Franz sah ähnlich wirr aus wie ein Bolschwik von anno 1917. Nach einer Weile wurde er nur noch Russ gerufen. Ähnlich lief es beim Kimstmadu, der eigentlich ein Bräu war, aber jeden fragte: Kimmst ma du auf d'Leich? (Kommst du zu meiner Beerdigung?)

Dann sei noch an jene ledigen Geschwister erinnert, die früher oft auf den Höfen zusammenlebten. Zum Beispiel die Fuchsngangerlweiberl im Bayerischen Wald, die vermutlich zur Familie eines Wolfgang Fuchs gehörten. Oder die Exlmoierdeandln, die mit 90 immer noch als Mädchen tituliert wurden. Eine eigene Identität war diesen Geschöpfen nicht vergönnt, aber in Bayern wie in Ungarn kennt man für sie den Spruch: „Wennst da im Leben nix daheiratst und nix irbst, bleibst arm, bis d' stirbst!“

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