Umwelt:Bayerns Gewässer leiden an der Klimakrise

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In den Hitze- und Trockenjahren 2018 und 2019 gab es wenig Niederschläge und viel Sonne - Temperaturrekorde in Flüssen und Seen waren die Folge

Von Christian Sebald

Die Klimakrise hat inzwischen deutliche Auswirkungen auf das Grundwasser, aber auch die Flüsse, Seen und Bäche in Bayern. Das zeigt der neue Niedrigwasserbericht für die Jahre 2018 und 2019, den Umweltminister Thorsten Glauber (FW) am Montag veröffentlicht hat. Danach hatten die Flüsse, Seen und Bäche in Bayern in beiden Jahren extrem wenig Wasser. Im Starnberger See wurden 2018 vierzig Zentimeter weniger Wasser als normal gemessen. Das war der niedrigste Stand seit 110 Jahren. Auch das Grundwasser leidet. Bayernweit wurden an etwa jeder zweiten Messstelle die geringsten Wasserstände seit der Jahrtausendwende beobachtet. Die Trinkwasserversorgung war bis auf ganz wenige lokale Ausnahmen aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet. 90 Prozent des Trinkwassers in Bayern werden aus Grundwasser gewonnen.

"In Zeiten des Klimawandels ist es eine der größten Herausforderungen, die Wasserversorgung sicherzustellen", sagt Umweltminister Glauber. "Bei höheren Temperaturen und weniger Regen hat der sorgsame Umgang mit der Ressource Wasser oberste Priorität." Das Jahr 2018 war mit 9,9 Grad Jahresmitteltemperatur das wärmste Jahr überhaupt in Bayern seit den entsprechenden Beobachtungen, 2019 war das neunte zu warme Jahr in Folge. Beide Jahre waren außerdem viel zu trocken - 2019 fielen 20 Prozent weniger Niederschläge als im langjährigen Mittel, 2019 waren es neun Prozent. Dafür waren beide Jahre extrem sonnig. 2018 lag mit 2026 Sonnenstunden nur knapp hinter dem Rekordjahr 2003. 2019 rangiert mit 1905 Sonnenstunden auf Platz fünf der zurückliegenden 70 Jahre.

Dies sind die Gründe, warum in beiden Jahren von vielen Flüssen und Seen neue Temperaturrekorde gemeldet worden sind. 2018 wurde der Höchstwert in einem Fluss mit 30,8 Grad Celsius in der Donau bei Straubing gemessen, 2019 lag der Höchstwert in einem See bei 30,2 Grad, gemessen wurde er im Waginger See in Oberbayern. Klar, dass Fische und andere Wasserlebewesen extrem gelitten haben. Der Main war 2018 sogar in so kritischem Zustand, dass die Gewässerökologie des Flusses zu kippen drohte.

Aus Glaubers Sicht sind "Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserversorgung dringend notwendig". Dazu hat der Freistaat das Programm "Wasserzukunft Bayern 2050" gestartet. In seinem Rahmen wird in den nächsten Jahren eine Reihe Projekte für eine sichere Versorgung des Freistaats mit Trink- und Brauchwasser aufgelegt. Die Bandbreite reicht von einer Studie über Wasserspeicher und regionale Konzepte für die Trinkwasserversorgung bis hin zu Bewässerungsprojekten für die Landwirtschaft. Wie wichtig Letztere in Zukunft werden dürften, lässt sich auch daran erkennen, dass sowohl 2018 als auch 2019 die Böden und damit auch die Äcker und das Weideland extrem ausgetrocknet waren. Vor allem in Franken, wo es noch einmal trockener ist als in Süd- und in Ostbayern, klagten die Bauern deshalb über Mindererträge.

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