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Anastasia-Archiv:Die gefälschten Beweise der falschen Zarentochter

Aufnahme einer Haarprobe von Anastasia Anderson Manahan aus dem Jahr 2002.

(Foto: Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

Zeit ihres Lebens behauptete Anastasia Anderson Manahan, dass sie die russische Großfürstin Anastasia war - bewiesen wurde das Gegenteil. Nun kommt ihr Nachlass ins Hauptstaatsarchiv.

Von Hans Kratzer

Für den Boulevard lieferte die Geschichte der Anastasia Anderson Manahan lange Zeit den Stoff, aus dem die Träume sind. Lange Zeit gelang es ihr, weltweite Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. 1956 wurde ihr Leben in Hollywood verfilmt, mit Ingrid Bergman in der Titelrolle. Anderson behauptete, sie sei während der Russischen Revolution als einziges Mitglied der Zarenfamilie der Tötung durch die Bolschewiken entgangen. Auf eine Anerkennung ihres behaupteten Rangs hoffte sie vergeblich.

Eine DNA-Analyse an den sterblichen Überresten der russischen Zarenfamilie ergab 2007 eindeutig, dass die jüngste Zarentochter mit ihrer Familie ermordet worden war. Damit war erwiesen, dass Anastasia Anderson Manahan nicht die Großfürstin Anastasia war. Heute geht man davon aus, dass es sich bei ihr um die 1896 in Westpreußen geborene Franziska Schanzkowsky handelte, die seit 1920 als vermisst galt und sich von da an als Zarentochter ausgab. Über viele Jahre hinweg sammelten Freunde und Bevollmächtigte aus Anastasias Umfeld Dokumente aller Art, die belegen sollten, dass sie tatsächlich eine Zarentochter war.

So entstand das sogenannte Anastasia-Archiv, das nun dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv zur Archivierung übergeben wurde. Neben Briefen und Korrespondenzen (auch mit hohen Adelskreisen) finden sich darin Geschäftsdokumente und Prozessunterlagen, die den Kampf um ihre Rechtsansprüche dokumentieren. Darüber hinaus birgt das Archiv Erinnerungen und Zeugenaussagen, die als Belege für die Identität Anastasias dienen sollten.

Nach der Übernahme des Nachlasses von Anastasia Anderson Manahan in das Hauptstaatsarchiv finden diese Unterlagen ihren endgültigen Aufbewahrungsort in Bayern, nicht weit entfernt von Seeon (Kreis Traunstein), wo sie nach ihrem Tod im Februar 1984 auf dem orthodoxen Teil des Friedhofs beerdigt wurde. Gestorben war sie in Charlottesville (USA). Auf dem Seeoner Friedhof liegen auch die Grabstätten von Angehörigen aus dem Haus der Herzöge von Leuchtenberg. Diese waren dem Zarenhaus der Romanows nach ihrer Herkunft und Identität besonders eng verbunden und fungierten anfangs als Anastasias wichtigste Fürsprecher.

© SZ vom 23.02.2021/vewo/sim
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