Allen Protesten zum Trotz hat Umweltminister Thorsten Glauber (FW) die Naturschutzszene in Bayern seit einem Jahr auf einen Sparkurs und finanzielle Einschnitte eingeschworen. Der Minister begründete dies stets mit der angespannten wirtschaftlichen Lage. Nun kommt es – zur Überraschung vieler – anders. Im neuen Doppelhaushalt 2026/2027, dessen Entwurf die Staatsregierung diese Woche offiziell beschlossen hat, sind nicht nur Kürzungen im Naturschutz ausgeblieben. Sondern es ist sogar ein kleines Plus von zehn Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Nach Angaben des Umweltministeriums stehen 2026 und 2027 jeweils 170 Millionen Euro für den Naturschutz in Bayern zur Verfügung.
„Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Artenvielfalt hat für die Staatsregierung herausragende Bedeutung“, sagt Umweltminister Glauber. „Trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen wollen wir ihn deshalb noch einmal stärken.“ Zugleich nimmt Glauber den Bund in die Pflicht und fordert ihn abermals auf, seine Kürzungen beim Naturschutz zurückzunehmen. Durch den Sparkurs des Bundes fehlten in Bayern seit 2024 jedes Jahr sechs Millionen für den Vertragsnaturschutz und die Landschaftspflege. „Inzwischen ist dadurch ein Minus im zweistelligen Millionenbereich aufgelaufen“, sagt Glauber. Der Freistaat könne die Ausfälle nicht auf Dauer ausgleichen.

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Die Naturschutzverbände reagierten erleichtert. Der Vorsitzende des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV), Norbert Schäffer, etwa nannte das Plus von zehn Millionen Euro einen „Lichtblick“. Zugleich betonte er, dass die Ansätze im neuen Haushalt auf keinen Fall ausreichen werden, um die Naturschutz-Versprechen der Staatsregierung zu erfüllen. Ein Beispiel ist die Renaturierung von 55 000 Hektar Moorflächen in Bayern, die Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor gut vier Jahren zugesagt hat. Für sie alleine sind nach einer Berechnung der Naturschutzverbände von sofort an 120 Millionen Euro im Jahr notwendig – und zwar über die jetzt vorgesehenen Ansätze hinaus. Der neue Bund-Naturschutz-Chef Martin Geilhufe äußerte sich ähnlich.
Die ausgebliebenen Kürzungen sind ein weiteres Indiz dafür, dass sich das zuletzt angespannte Verhältnis zwischen der schwarz-orangen Regierungskoalition und der Naturschutzszene wieder etwas verbessert. Erstmals deutlich geworden ist das Mitte Oktober auf dem Herbst-Empfang der Landtags-CSU, der dieses Jahr das Motto „Bayerns Zukunft: Heimat – Natur – Verantwortung“ hatte. Auf ihm sprach Ministerpräsident und CSU-Chef Söder davon, dass „der Klimawandel Realität ist, mit massiven ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen“, und rief zu „Kooperation statt Konfrontation“ auf. Solche Töne haben sie in der Naturschutzszene lange nicht mehr von Söder gehört, viele Verbandsleute wurden von ihnen völlig überrascht.

