Süddeutsche Zeitung

Gastgewerbe in Bayern:"Wir sperren nicht mehr zu!"

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Erstmals seit 1092 Tagen kommen Vertreter aus Hotels und Gaststätten wieder auf dem Frühlingsfest zusammen und verbreiten Aufbruchstimmung. Genau wie Markus Söder, der zur diesjährigen Wiesn eine klare Ansage macht.

Von Max Weinhold, München

Vor der für diese Woche angekündigten Entscheidung sprach sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dafür aus, dass die diesjährige Wiesn stattfinden soll. "Dreimal hintereinander ohne Oktoberfest - das ist für Bayern und München nicht gut. Ich finde, wir sollten das tun", sagte Söder am Montag vor rund 2500 Gästen beim "Gastro-Frühling 2022" auf dem Münchner Frühlingsfest. Erstmals seit 1092 Tagen kamen bei dem Branchentreffen des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga Bayern) wieder Vertreter aller Bezirksverbände des Verbandes zusammen - ohne Corona-bedingte Einlasskontrollen und Maskenpflicht.

"Es ist schön, in so viele freudige und auch in ein paar schöne Gesichter zu sehen", sagte der in seiner Rede zu Scherzen aufgelegte Söder, der allerdings auch zurückblickte auf die Schwierigkeiten in der Pandemie. Corona sei auch für ihn Neuland gewesen, er habe lernen müssen, sprach er allgemein und dann speziell über das Gastgewerbe: Fast vier Milliarden Euro Hilfe hätten die Betriebe erhalten, auch wenn er wisse: "Ihr wollt gar kein Geld vom Staat, ihr wollt ja nur die Möglichkeit, euren Beruf auszuüben."

Söder versprach, sich für eine Verlängerung der Ende des Jahres auslaufenden Umsatzsteuersenkung auf sieben Prozent für Speisen in der Gastronomie und eine Ausweitung auf Getränke einzusetzen. Gelinge das nicht, werde er mit ihnen dafür demonstrieren gehen, versicherte er den anwesenden Gastronomen.

Dehoga-Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer wiederum verkündete mit Blick auf zeitweilige Schließungen während der Pandemie: "Wir sperren nicht mehr zu!" Inselkammer bedankte sich für die Treue vieler Mitarbeitender in den vergangenen zwei Jahren und für finanzielle Hilfen durch die Politik. Zugleich forderte sie von der ebenfalls anwesenden Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) flexiblere Wochenarbeitszeiten für die Angestellten der Branche.

Es sei angesichts von Homeoffice in anderen Bereichen "nicht verständlich und extrem ungerecht", den in der Gastronomie Angestellten "das Recht abzusprechen, sich ihre Arbeitszeit in der Woche selbst einzuteilen". Inselkammer plädierte eingedenk des Mangels an Fachkräften auch für eine unbürokratische Eingliederung Geflüchteter aus der Ukraine in den Arbeitsmarkt. Auch langjähriges Arbeiten müsse anerkannt werden, "und nicht nur irgendwelche Papiere".

Inselkammer sprach mit Blick auf den Krieg in der Ukraine von "neuen Gewitterwolken", kaum dass sich "die Wogen auf der Corona-Front geglättet" hätten. Sie lobte die Branche für ihr Engagement, innerhalb eines Tages hätten sich 200 Hotels bereit erklärt, Geflüchtete aufzunehmen.

Angesichts der infolge des Kriegs gestiegenen Kosten sehe sie eine "furchtbare Zwickmühle". Die Betriebe könnten ihre Speisekarten gar nicht so schnell anpassen, wie Preise stiegen, sagte sie, mahnte aber auch: "Die bayerische Wirtschaftskultur ist in Gefahr, wenn wir zu elitär in den Preisen werden." Ministerpräsident Söder forderte in dem Zusammenhang von der Bundesregierung Steuersenkungen auf Energie und Kraftstoff.

Genau wie Inselkammer betonte Söder seine Freude über die Zusammenkunft der Vertreter aus ganz Bayern, die ihrerseits positiv gestimmt waren: "Was wir mitnehmen, ist ein tolles Gefühl", sagte etwa Susanne Lolacher, Chefin des Wirtshauses "Der Grüne Baum" in Obergünzburg.

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