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Raunacht und Fronleichnam:Von Dämonen und stinkenden Teufeln

Fronleichnamsprozession der Pfarrei St. Martin in Untermenzing an der Eversbuschstraße 11

Die Fronleichnamsprozession in Feldmoching im vergangenen Jahr.

(Foto: Florian Peljak)

In diesem Jahr fallen viele Fronleichnamsfestlichkeiten aus. Dahinter steckt Corona - nicht nur der Teufel, den Gläubige einst bändigen wollten und deshalb ins Fest mit einbetteten.

Von Hans Kratzer

Selbst das Fronleichnamsfest leidet unter Corona, viele Prozessionen fallen diesmal aus. Vermutlich steckt der Teufel hinter dieser Misere, das glaubt nicht nur die meinungsstarke Regensburger Katholikin Gloria von Thurn und Taxis. Unlängst sagte sie: "Der Teufel ist die Ursache für alles, was auf der Erde schlecht läuft." Um Satan zu bändigen, haben ihn die Menschen einst ins Fronleichnamsfest eingebettet, indem sie neben den Heiligenfiguren auch feuerspeiende Teufelsfiguren mitführten. In Venezuela verkleiden sich viele Männer an Fronleichnam heute noch als Diablos Danzantes, als tanzende Teufel.

Die Nacht vor Fronleichnam galt in Bayern einst als eine Raunacht, in der Dämonen und der schwefelig stinkende Teufel ihr Unwesen trieben. Um die Unholde zu vertreiben, wurde in den Morgenstunden heftig gelärmt und geschossen. "Pfui Deife!" sagt man noch heute, wenn etwas abstoßend riecht oder schmeckt. Zudem brauchte es kräftige Heilige, um den Diabolus zu bändigen. Solche wie Sankt Florian, der zu den Stangerlheiligen zählt, weil er an Fronleichnam als Figur auf so mancher Prozessionsstange thront - auch in der Hoffnung auf irdische Vorteile: "Verschon mein Haus, zünd 's andere an!"

Ansonsten galt es als große Ehre, am Fronleichnamstag geboren zu sein, wie es etwa dem Volkssänger Jakob Roider widerfuhr. "Seit fünf Uhr früh krachten die Böller", notierte er später über jenen Freudentag. Der Schussmeister habe vom Vater danach einen Schnaps verlangt, weil er überzeugt war, den Buben mit einer extra starken Böllerladung vom Mutterleib losgelöst zu haben. Eine große Last drückte an jenem Tag auch den Pfarrer, der so viele Lagen wie sonst nie über der weltlichen Kleidung tragen musste: Schultertuch, Albe, Chorrock, Stola, Rauchmantel, Velum . . . Wenn er damit umgefallen wäre, hätte er nur noch mit der Hilfe Gottes aufstehen können, vermutete Roider. Bei der Prozession seien ihm dann unablässig Schweißperlen aufs Ornat getropft. Manche haben Mitleid verspürt, "wia eahm d'Soß grad so obagrunna is". Der Herr Pfarrer sei die schwere Arbeit halt nicht gewöhnt, sagten sie, auf das Tragen der Monstranz bei der Prozession anspielend. Aber die Bauern freuten sich, dass auch der Pfarrer einmal im Jahr so schwitzen musste wie sie an allen Tagen.

© SZ vom 10.06.2020
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