Freizeit in Bayern:Ein Stück Asien mitten in der Oberpfalz

Lesezeit: 3 min

Wirth legt in seinem Park Wert auf authentische Elemente der jeweiligen Kultur. (Foto: Ulrike Romeis)

Der Nepal Himalaya Park ist eine Hommage an das fernöstliche Land - sein Schöpfer Heribert With will damit vor allem für Toleranz werben.

Von Katharina Kausche

Wer danach sucht, der finde seinen Garten auch, sagt Heribert Wirth, 82 Jahre alt, freundliches Gesicht, eingerahmt von weißem Schopf und Rauschebart. "Das ist meine Philosophie." Aber das ist gar nicht mal so einfach. Nur ein kleines Schild am Straßenrand, fast eingewachsen in Gebüsch, weist den unscheinbaren Weg zum Gelände, das auf einer leichten Anhöhe liegt. Auf fast sieben Hektar erstreckt sich der Nepal Himalaya Park, von Wirth gerne auch "Garten der Glückseligkeit" genannt.

Windspiele klingen leise aus der Ferne, wenn man durch das hölzerne Eingangstor tritt, verschlungene Wege, gesäumt von wilden Beeten führen vorbei an Wasserläufen und Buddha-Statuen. Der Garten ist eine Hommage an die nepalesische Kultur und die Toleranz, sagt Wirth - und das mitten in der Oberpfalz. Herzstück der Anlage ist der Nepal Pavillon, mit dem auch das Projekt vor 20 Jahren begann. Ein Besuch bei Heribert und Margit Wirth und ihrem "Garten der Glückseligkeit".

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Eine lange Geschichte sei das, sagt Wirth während er durch seinen Garten schlendert, vorbei an marmornen Buddha-Statuen und goldenen Büsten. Eine Verbindung zu Nepal und fernöstlichen Religionen hatte der ehemalige Unternehmer bis vor 20 Jahren nicht. Dafür aber die Liebe zur Toleranz. Und, nicht zu vergessen, die Telefonnummern wichtiger Leute, reichlich Zeit und Geld. Viele Kontakte stammen aus seinem Arbeitsleben, als er eine Firma für Gebäudetechnik hatte, die Zeit kam mit dem Ruhestand und sein Geld "wolle er eben nicht mit ins Grab nehmen", sagt Wirth. Lieber anderen Gutes tun.

Es war das Ereignis zur Jahrtausendwende: die Expo 2000 in Hannover. Menschen aus aller Welt reisten dafür nach Deutschland und luden in Hallen und Pavillons ein, um ihre Kultur kennzulernen. So auch die Nepalesen. Ihr Pavillon, als Oase der Ruhe angedacht, sollte ausgerechnet neben einem bayerischen Biergarten stehen. "Das geht nicht", habe er sich gedacht, sagt Wirth. Einen Anruf unter Freunden später organisierte er zumindest eine Lärmschutzwand. Die Nepalesen sollten Ruhe vor den Feiernden nebenan haben - für Wirth war die Sache damit erledigt.

Heribert Wirth hat den Park ständig erweitert. (Foto: Katharina Kausche)

Nach der Expo ließ ihn das Bauwerk aber doch nicht los. "Ein kleines Land wie Nepal setzte sich so für Toleranz ein. Das hat mich fasziniert", sagt Wirth. 800 Familien hatten drei Jahre an den filigranen Holzschnitzereien des Pavillons gearbeitet, der symbolisch Religionen miteinander verbindet. Die eckigen Elemente eines hinduistischen Tempels gehen fließend in eine runde Kuppel über, einen buddhistischen Stupa. "Der Pavillon ist für die Ewigkeit gemacht", sagt Wirth. Er kaufte den Pavillon und schließlich einen alten Steinbruch, um dem Pavillon einen "würdigen Platz" zu schaffen.

Seit 2003 steht der Pavillon nun in Wiesent im Landkreis Regensburg, umgeben von einem Garten voll bunter, exotischer Pflanzen, ein ständiges Wasserplätschern im Hintergrund. Mit jedem Jahr wächst der Garten ein Stück mehr. Mittlerweile kümmern sich mindestens zwei Gärtner um die 6000 verschiedenen Pflanzenarten, unter denen auch seltene Arten aus dem Himalaya-Gebiet sind. Ein nepalesischer Töpfer und ein Holzschnitzer gehören ebenfalls zum Team, sie durften aber wegen Corona in diesem Jahr nicht nach Deutschland reisen.

Die laufenden Kosten werden über den Eintrittspreis gedeckt, den die Besucher zahlen, um ein paar Stunden durch den Garten zu spazieren. Der Ertrag geht an die Stiftung "Wasser für die Welt", mit der das Ehepaar Wirth seit Jahrzehnten Wasserprojekte auf der ganzen Welt initiiert und unterstützt. In diesem Jahr öffnete der Park wegen Corona später als sonst. Erst Mitte Mai durften die ersten Besucher kommen. Damit fehlen Einnahmen. "Aktuell haben wir aber viele Besucher", sagt Wirth. So viele, dass der Park nun drei statt zwei Tage die Woche geöffnet ist - "damit wir weiter die Abstandsregel garantieren und unsere Einnahmen ausgleichen können".

"Ein bisschen verrückt muss man schon sein, wenn man so etwas macht"

Im Garten steckt Herzblut. Und kultureller Austausch. Wirth ist nach der Expo mit einigen Nepalesen in Kontakt geblieben. Netzwerken, das kann er eben. Er ist oft nach Asien gereist und hat Nepal und seine Bewohner lieb gewonnen. Neben nepalesischen hat Wirth aber auch Elemente anderer asiatischer Kulturen in den Garten aufgenommen - aus Bhutan und China zum Beispiel. Und weil solche Gärten anderorts auch mal in Kitsch ausarten könnten, legt Wirth in seinem Park Wert auf authentische Elemente der jeweiligen Kultur. Aufs Detail kommt es für ihn an. Jeder Bogen, jede Statue und jede Brücke auf dem Gelände seien von "den besten Künstlern" aus dem jeweiligen Land gebaut, sagt Wirth. Dafür lässt er die Künstler auch mal einfliegen.

"Ein bisschen verrückt muss man schon sein, wenn man so etwas macht", sagt Wirth. Der Garten bedeute nämlich auch: "viel Arbeit." Er lacht. "Aber so etwas macht man ja nicht für sich, sondern für die Leute." Deshalb ist der Garten für alle geöffnet, die nach ihm suchen. "Sie gehen glücklich nach Hause", sagt Heribert Wirth den Besuchern gerne zum Abschied. Da ist was dran.

Bis zum 4. Oktober hat der Nepal Himalaya Park Samstag und Montag von 12.30 bis 18 Uhr und Sonntag von 12.30 bis 19 Uhr geöffnet. Informationen im Internet: www.nepal-himalaya-pavillon.de

© SZ vom 22.08.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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