bedeckt München

Innovation:Einsatz für einen Geistesblitz

Businessplan-Wettbewerb Nordbayern

David Manjura musste seine Gitarren und Verstärker verkaufen, um den Prototypen seiner Erfindung zu finanzieren. Er entwickelte einen 3-D-Drucker, der mineralisches Material zum Beispiel zu Dämmstoffen verarbeitet.

(Foto: Andreas Gebert)

Von einer Idee bis zum Patent ist es ein komplizierter Weg. Das erfahren besonders freie Erfinder, denen oft Geld und Rückhalt fehlen.

Von Paula L. Trautmann, Schweinfurt/Zirndorf

Tüfteln, grübeln und innovative Produkte entwickeln. Das Erfinderleben klingt aufregend, doch gerade für freie Erfinder ist es schwer, sich zu behaupten. Ihnen fehlt das Kapital, das etwa große Unternehmen für Innovationen aufbringen können. Beim deutschen Patent- und Markenamt haben freie Erfinder im Freistaat im vergangenen Jahr trotzdem 655 Patente angemeldet. Bayern ist damit Erfinderland Nummer eins unter den Bundesländern. Dennoch stammten nur 5,1 Prozent aller Patente 2019 von freien Erfindern. Woran liegt das?

"Es heißt immer, Deutschland braucht Neuheiten, aber freie Erfinder haben keine Chance", sagt Erfinderin Inge Niedermeier. Mit ihrem Mann Maximilian hat sie ein Goldprüfsystem entwickelt, mit dem Privatpersonen ohne aufwendige Prozesse die Echtheit von Edelmetallen testen können. Ihre echten Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen, ihnen würden auch so schon "bis zum Abwinken Steine in den Weg geschmissen". Sie ist gelernte Kauffrau, er Manager in der Lebensmittelbranche, Programmierer und Chemiker. Sie haben ein USA- und zwei Europapatente. Der Weg dorthin war nicht einfach. Für freie Erfinder sei es schwierig, Projekte zu finanzieren, an öffentliches Geld und Förderprogramme zu kommen, die Hürden seien zu hoch. "Da braucht man ein Institut, einen Steuerberater oder Rechtsanwalt, der einen durch diesen Förderantrags-Dschungel durchschleust", sagt die Erfinderin.

Auch David Manjura aus Zirndorf ist freier Erfinder; er ist enttäuscht von der Investitions- oder Risikobereitschaft in Deutschland. "Die ist nicht vorhanden, in Amerika ist das anders", sagt er. Er kenne Leute, die deshalb nach Amerika gegangen seien. "Wir planen zu weit voraus und gehen nicht den ersten Schritt." Deshalb hinke Deutschland bei den Innovationen hinterher. "Es fehlen große Fördertöpfe, die klein aufgeteilt werden und vielen eine Chance geben, statt größeren Unternehmen", sagt Manjura.

Laut Sprecherin Svenja Jambo fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Vorhaben zu verschiedenen Themen, und für einige Programme könne man auch als Einzelperson Skizzen oder Ideen einreichen. Es gebe etwa die "Gesellschaft der Ideen", das "Citizen Science Projekt", die "Make Light"-Initiative sowie eine Förderung für Open-Source-Softwareprojekte. Eine allgemeine Förderung für freie Erfinder gibt es nicht. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen fördere "Forschungsideen, die das Potenzial zur Sprunginnovation haben, entdeckt und weiterentwickelt werden sollen". Sie stehe "jedem potenziellen Innovator offen gegenüber", auch den freien Erfindern. Als erste Anlaufstelle empfiehlt Jambo die Beratung "Forschung und Innovation" des Bundes, sie unterstütze Interessierte bei der Suche nach passenden Förderungen.

Erfinder zu sein, ist kostspielig. "So ein Patent kostet halt mal 10 000 bis 15 000 Euro. Das ist viel Geld", sagt Stefan Laibold. Und Fördergeld zu bekommen, ist kompliziert. Er etwa habe schon einmal eine Förderung für eine Erfindung bekommen, die aber gescheitert sei. Unterstützung für ein neues Patent könne er dann erst drei Jahre später wieder beantragen. Er will in Kürze ein Start-up gründen für seine neueste Erfindung aus dem Bereich "Smart Home".

Einen Kredit bei einer Bank zu bekommen, sei ebenfalls schwierig. Das weiß auch David Manjura: "Wenn Umsätze da sind in der Größe von 100 000 Euro, sind sie plötzlich alle da, Banken, Unternehmen und Co." Die Suche nach dem Startkapital in der Anfangsphase sei aber auch ihm schwer gefallen. Der 37-Jährige hat einen 3-D-Drucker für mineralische Stoffe entwickelt. Den Prototypen musste er selbst finanzieren. "Ich habe Musik gemacht, meine Gitarren, Verstärker und wirklich alles verkauft, was ich hatte", sagt Manjura. Offenbar mit Erfolg. Mit seinem Start-up ING3D hat er den Businessplan Wettbewerb Nordbayern 2020 gewonnen. Nun hat Manjura ein weltweites Patent und Investoren, die er nach zweieinhalb Jahren Suche gefunden hat. Er empfiehlt die Business Angels, ein Netzwerk privater Investoren, die Start-ups fördern. "Die Suche war wirklich eine schwierige Zeit", sagt Manjura. Seine Frau und er hätten "am Rande" gelebt und nur das Notwendigste gehabt, Urlaub war nicht möglich.

Erfinderin Inge Niedermeier und ihr Mann Maximilian können bis heute nicht von ihrer Erfindung leben. "Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, dass unsere Patente wirklich hochwertig sind, das gibt mir die Kraft weiterzukämpfen", sagt Niedermeier. In einer "Luxusposition" und "absolut glücklichen Lage" ist hingegen Erfinder Laibold. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit Thermomix-Gleitbrettern, mit denen sich das Küchengerät einfach bewegen lässt. Wegen des Geschäfts hat er genug Geld und Zeit für sein Dasein als Erfinder. "Die Situation haben wahrscheinlich die wenigsten", sagt er.

Die Corona-Pandemie macht die Lage nicht besser, weil Kongresse und Messen wie die iENA (Internationale Fachmesse Ideen Erfindungen Neuheiten) in Nürnberg ausfallen. 2019 hat Laibold dort sein Produkt vorgestellt, er weiß wie aufwendig das ist: "Ich habe damals richtig viel Geld in diesen Messestand reingesteckt. Das haben meine Kollegen wahrscheinlich auch schon gemacht, als sie die Absage bekommen haben. Das ist schon hart."

Erfinderin Niedermeier beschreibt ein weiteres Problem: "Wir müssen wahnsinnig gewappnet sein, dass uns die Patente nicht geklaut werden." Viele Firmen würden den Bedarf der Patente erkennen, seien aber nicht bereit, die Arbeit zu honorieren. Das Patent werde etwas abgeändert und von der Firma selbst angemeldet. "Dass wir Tausende Euro und Jahre investiert haben, das beachtet niemand. Wir sind eigentlich nur da, um die Reichen noch reicher zu machen." Gerichtlich vorgehen könne sie nicht, ein Rechtsstreit würde schnell in die Hunderttausende gehen. "Die Großen zahlen das aus der Portokasse und ziehen das jahrelang hin. Das bricht uns das Genick", klagt Niedermeier.

Unterkriegen lässt sich die Erfinderin nicht. Sie will eine Plattform für freie Erfinder schaffen, die Idee sei "aus der Not heraus" entstanden. Erfinder sollen leichter an Informationen kommen und sich vernetzen können. Es soll eine Gemeinschaft von Spezialisten aus dem Rechts- und Finanzwesen sowie Rechercheprofis sein, die auf Erfolgsbasis und ohne Vorkasse arbeiten. "Wir haben schon einige Zusagen."

Trotz aller Schwierigkeiten sehen die Erfinder aber auch einen großen Vorteil ihrer Arbeit. "Ich als freier Erfinder habe meine Erfindung und damit kann ich machen, was ich will", sagt Laibold. Dem Deutschen Erfinderverband zufolge schaffen es aber nur zwei Prozent aller Patente auf den Markt. Manjura rät Erfindern, es trotzdem weiter zu probieren: "Ich habe auch öfter aufgegeben und mich dann wieder aufrappeln müssen. Wenn man durchgehend etwas tut, passiert irgendwann auch etwas." Für den 37-Jährigen haben Erfinder eine wichtige Vision für die Zukunft und die "große Freiheit und Freude etwas zu machen und zu ändern".

© SZ vom 20.11.2020/van/vewo
PERI druckt erstes Mehrfamilienhaus Deutschlands

SZ PlusImmobilien
:Ein Haus aus dem Drucker

In Schwaben soll schon bald das größte Mehrfamilienhaus Europas stehen, das aus dem 3-D-Drucker stammt. Wie man dadurch Zeit, Kosten und Personal sparen kann - und warum diese Bauweise auch ökologisch nachhaltig ist.

Von Florian Fuchs

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite