PaläontologieDas bayerische Urviech

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Gomphi, das Gomphoterium von Gweng, als Abguss im Lichthof der Bayerischen Staatssammlung  für Paläontologie und Geologie in München
Gomphi, das Gomphoterium von Gweng, als Abguss im Lichthof der Bayerischen Staatssammlung  für Paläontologie und Geologie in München
Foto: Robert Haas

Gomphi, das Gomphoterium von Gweng, gilt den Paläontologen immer noch als Sensationsfund. In Mühldorf am Inn haben sie ihren Urelefanten jetzt gleichsam ein zweites Mal ausgegraben.

Kolumne von Matthias Köpf, Mühldorf

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Jetzt nicht, dass es gleich wieder heißt: diese Urviecher, diese bayerischen! Schließlich muss nicht jedes Urviech unbedingt aus Bayern kommen, und ganz gewiss ist nicht jede/r bayerische Staatsbürger*in allein deswegen gleich ein Urviech, also ein „urwüchsiger, drolliger, etwas naiver Mensch“, wie es der Duden wissen will. Vielmehr ist so ein Urviech zuvorderst ein Viech. Und da kann zum Beispiel nicht einmal Gomphi, das Gomphoterium von Gweng, als genuin bayerisch gelten.

Jener Landstrich, der heute „Bayern“ heißt, wird nämlich erst seit vergleichsweise kurzer Zeit von den gleichnamigen Menschen bewohnt, deren Vorfahren aus den verschiedensten Richtungen dahergelaufen waren. Im Obermiozän vor vielleicht elf oder zwölf Millionen Jahren war von Bayern aber noch gar keine Rede, und zwar weder vom Land noch von den Leuten.

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Trotzdem lag der nachmalige Freistaat auch damals schon näherungsweise zwischen 47° 16′ und 50° 34′ nördlicher Breite sowie zwischen 8° 58′ und 13° 50′ östlicher Länge. Und tief im Südosten jenes Gebiets lag das besagte Gomphoterium in einer Sandlinse des jungtertiären Flinzes und war zunächst einmal bloß tot. Ausgestorben ist es dann erst etliche Millionen Jahre später.

Anno 1971 ist dann ein Angler am Inn auf Höhe der kleinen Ortschaft Gweng in der Nähe von Mühldorf auf erste komische Knochen gestoßen. Paläontologen haben schließlich etwa 170 davon aus dem Steilufer gegraben, also einen Großteil der rund 200 Knochen, über die ein komplettes Gomphoterium so verfügen sollte.

Gut übrigens, dass das bald „Gomphi“ genannte Gomphoterium bei Gweng gefunden wurde, denn anderenfalls wäre es wirklich schade um die ganzen Gs gewesen. Genauso gut hätte es zum Beispiel gegenüber am anderen Innufer bei Ebing liegen können. So wie die Knochen dieses Deinotheriums, eines anderen Urelefanten, der dann „Ebi“ genannt wurde, vermutlich als Kurzform von Eberhard.

Gomphi, das Gomphoterium, galt und gilt jedenfalls als Sensationsfund und wurde 2013 von der Paläontologischen Gesellschaft zum „Fossil des Jahres“ ausgerufen. Das Skelett des Urelefanten mit seinen vier Stoßzähnen steht als Abguss schon lange prominent in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München. Weitere Abgüsse gibt es etwa im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main, im Naturhistorischen Museum Basel und im City Museum von Sendai in Japan.

Und zumindest in Teilen neuerdings auch wieder in Mühldorf. Dort haben sie ihr Gomphoterium nach ein paar Jahrzehnten nun praktisch noch einmal ausgegraben, diesmal aus dem Speicher des örtlichen „Geschichtszentrums“. Jetzt suchen sie dort noch nach Zeitzeugen. Von den aufwendigen Ausgrabungsarbeiten im Jahr 1971 natürlich. Sollten sich noch welche aus dem Obermiozän finden, wäre auch das wieder eine Sensation.

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