Verkehrswende in Bayern:SPD fordert Lehrstuhl für Fahrradforschung

Leihfahrrad von "Swapfiets"in München, 2020

Wie das Radfahren bei der Verkehrswende mitgeplant werden kann - damit soll sich eine Professur auseinandersetzen.

(Foto: Catherina Hess)

Bundesverkehrsminister Scheuer hatte Gelder für entsprechende Master-Stiftungsprofessuren verteilt - Bayern ging leer aus. Die SPD findet: Die Expertise wird für die Verkehrswende gebraucht.

Von Johann Osel

Man mag sich kaum ausdenken, welche Witzeleien die Vertreter der Promenadologie früher erdulden mussten: der Spaziergangforschung. Denn so schwer kann das ja nicht sein, dass es dazu Wissenschaft bräuchte, das Grundprinzip ist bekannt: ein Schritt nach dem anderen, ein "Grüß Gott" sofern angebracht und vor lauter Landschaftskino nicht an ein Hindernis rennen oder in eine Grube plumpsen. Die Corona-Lockdowns und der mangels Freizeitalternativen daraus folgende Hang der Deutschen zum Flanieren haben aus den wenigen Spaziergangforschern im Land eine gefragte Zunft gemacht. Im Sauseschritt zogen sie durch Rundfunkstudios und Redaktionen zwecks Interviews - weil beim Gehen ein Bündel an Aspekten einer Erörterung lohnt: etwa soziologische, kulturelle, städtebauliche oder touristische Fragen.

Damit zur Fahrradwissenschaft, die beim ersten, raschen Gedanken ebenfalls eher nach der Kategorie "Jodeldiplom" klingen mag. Die Regeln kennt ja jeder, auch wenn sie etwa in München und anderen bayerischen Städte wahrlich nicht jeder befolgt. Doch der gesellschaftliche Trend zum Rad zeitigt wohl Forschungsbedarf. Das jedenfalls stellt die SPD-Fraktion im Landtag klar. "Mehr wissenschaftliche Expertise: Auch Bayern braucht eine Radprofessur", heißt ihr kürzlich eingereichter Antrag. Die Staatsregierung wird aufgefordert, die Einrichtung einer Stiftungsprofessur Radverkehr zu prüfen. Damit würde "der Stellenwert des Radverkehrs als wichtiger Baustein für die Verkehrswende erheblich aufgewertet werden".

Die Idee dafür stammt eigentlich aus der CSU - beziehungsweise der Bezugsrahmen des Antrags. Konkret: von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Er verteilte vergangenes Jahr Zukunftsschecks für Stiftungsprofessuren, um das Thema in Forschung und Lehre zu verankern - von Infrastrukturplanung über Mobilitätsmanagement bis zu fahrradfreundlicher Gesetzgebung, hieß es. "Wir stärken Radfahrern den Rücken. Radverkehr muss als gleichberechtigtes Verkehrsmittel von Anfang an mitgedacht werden", sagt Scheuer damals. "Deshalb fördern wir den Radverkehr jetzt als Uni-Fach", neue Masterstudiengänge sollten entstehen. 33 Hochschulen hatten Interesse, sieben wurden für den Fördertopf von acht Millionen Euro ausgewählt. Etwa Wuppertal, Wiesbaden, Wolfenbüttel - keine aus Bayern.

Eben da setzt die SPD an. Ausgerechnet im "Radl-Land Bayern mit seinen traumhaften Landschaften" gebe es keine Radprofessur. Zudem müsse der Umstieg aufs Rad gezielt gefördert werden, die Argumentation gleicht der von Andreas Scheuers Initiative. Der Umstand, dass die Hochschulen in Bayern bei der Bundesförderung leer ausgingen, werde auch von Experten bemängelt. "Damit Bayern die Verkehrswende schaffen kann und die Innenstädte spürbar entlastet werden, muss wissenschaftliche Expertise im Radverkehr vor Ort gebündelt werden. Bayern sollte daher aus eigener Kraft eine Radprofessur einrichten."

In der Staatsregierung klingt es nicht danach, als wolle man dies morgen angehen. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums teilte in Absprache mit dem Wissenschaftsministerium mit: Wissenschaft und Wissenstransfer seien nicht auf Ländergrenzen beschränkt, Forscherinnen und Forscher seien national und international gut vernetzt. "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der sieben Radverkehrsprofessuren in Deutschland können auch in Bayern genutzt werden." Die Hochschulen im Freistaat legten einen Schwerpunkt "auf die ganzheitliche Betrachtung der Mobilität und Verkehrsplanung" - dazu stehe das Verkehrsministerium "in engem Kontakt mit einschlägigen Lehrstühlen".

© SZ vom 08.09.2021/vewo
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