Umweltschutz:Flächenfraß bleibt auf hohem Niveau

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Umweltschutz: Die Versiegelung von Fläche ist ein Problem, dem die Staatsregierung Einhalt gebieten wollte. Doch von ihren eigenen Vorgaben ist die Koalition aus CSU und Freien Wählern meilenweit entfernt.

Die Versiegelung von Fläche ist ein Problem, dem die Staatsregierung Einhalt gebieten wollte. Doch von ihren eigenen Vorgaben ist die Koalition aus CSU und Freien Wählern meilenweit entfernt.

(Foto: Manfred Neubauer)

2021 sind im Freistaat jeden Tag 10,3 Hektar vormals freies Land in Baugrund für Wohnen, Gewerbe und Verkehrswege umgewandelt worden.

Von Christian Sebald, Fürth

Der Flächenfraß zählt zu den drängendsten Umweltproblemen in Bayern. Jetzt zeigt die neueste Statistik, dass ihn die Staatsregierung auch 2021 nicht hat eindämmen können - trotz des gegenteiligen Versprechens von CSU und Freien Wählern in ihrem Koalitionsvertrag von 2018. Durchschnittlich 10,3 Hektar vormals freie Landschaft sind 2021 pro Tag in Bauland für Wohnen, Gewerbe und Verkehrswege umgewandelt worden. Das ist nur geringfügig weniger als die 11,6 Hektar Flächenverbrauch am Tag im Jahr 2020. Zwar betont das Landesamt für Statistik, dass nur etwa die Hälfte des Baulands unter Beton verschwindet. Die andere Hälfte werde zu Grünflächen neben Straßen oder in Verkehrskreiseln, Gärten oder Parks. Für die Land- und Forstwirtschaft sind sie gleichwohl verloren. Zudem gilt der Flächenfraß als ein Hauptgrund für den galoppierenden Artenschwund.

Das alles meint auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), wenn er die neue Statistik vergleichsweise selbstkritisch kommentiert. "Wir wollen mit Fläche sparsam umgehen, müssen aber gleichzeitig gegen Wohnungsnot vorgehen, Gewerbegrundstücke für unsere Unternehmen bereitstellen, die Energiewende voranbringen und Verkehrswege optimieren", sagt er. "Mit diesem Zielkonflikt müssen wir offen umgehen." Der leicht gesunkene Neuverbrauch zeige, dass ein Bewusstsein für eine effiziente Nutzung der Ressource Fläche vorhanden sei. Gleichzeitig ist die schwarz-gelbe Koalition von ihrem Ziel im Koalitionsvertrag noch sehr weit entfernt. Dort hatte sie vereinbart, dass die Kommunen den Flächenverbrauch bis 2030 auf fünf Hektar am Tag drosseln sollen - allerdings auf freiwilliger Basis, nicht durch Vorgaben.

Die Landtags-Grünen sehen sich einmal mehr in ihrer Forderung nach einem verbindlichen Höchstwert für den Flächenverbrauch von fünf Hektar am Tag bestätigt. "Wir brauchen den verbindlichen Grenzwert", sagt Fraktionschef Ludwig Hartmann. "Politisches Laissez-faire der Söder-Regierung schützen unsere Wiesen, Felder und Wälder nicht." Gerade gegenüber den Bauern sei es Pflicht des Freistaats, "die Betonflut endlich einzudämmen". Alle drei Tage verliere Bayern das Agrarland eines durchschnittlichen Bauernhofs. Hartmann hatte vor knapp fünf Jahren ein Volksbegehren gegen den Flächenfraß gestartet. Der Verwaltungsgerichtshof stoppte die überaus erfolgreiche Initiative allerdings, weil sie nicht rechtskonform war.

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