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Artenvielfalt:Die Renke, die ein Karpfen ist

Mairenke ist bayerischer Fisch des Jahres 2021

Ein Männchen der Mairenke (Alburnus chalcoides) mit Laichausschlag. Der Karpfenfisch kommt nur in Bayern vor.

(Foto: Andreas Hartl/LFV/dpa)

Der Hering ist zwar deutscher Fisch des Jahres. Da er in Bayern aber nur auf dem Teller oder in der Semmel vorkommt, haben Bayerns Fischer einen eigenen Fisch des Jahres gekürt: die Mairenke.

Von Christian Sebald

Die Mairenke, die zumeist 15 bis 25 Zentimeter und in Ausnahmen bis zu 35 Zentimeter lang wird, kommt hierzulande nur in einigen oberbayerischen Seen und deren großen Zu- und Abflüssen vor. Anders als ihr Name nahelegt, ist Alburnus chalcoides aber keine Renken-Art. Sondern ein Karpfenfisch. Und sie hat eine Gemeinsamkeit mit dem Hering: Sie lebt in großen Schwärmen. Auch deshalb hat der Landesfischereiverband (LFV) die Mairenke zum bayerischen Fisch des Jahres 2021 gekürt. Denn der Hering ist der deutsche Fisch des Jahres 2021. Da Heringe in Bayern aber nur auf dem Teller oder in der Semmel vorkommen, wollten die bayerischen Fischer einen eigenen Fisch des Jahres haben. "Die Mairenke ist gleichsam das bayerische Pendant zum Hering", sagt LFV-Präsident Albert Göttle. Außerdem kommt die Mairenke deutschlandweit nur in Bayern vor. Aus Göttles Sicht ist sie deshalb "die perfekte Repräsentantin für die vielfältige Unterwasserwelt unserer Heimat".

Mairenken haben einen schlanken, lang gestreckten Körper. Ihr Schuppenkleid ist an den Flanken silbern und oberhalb grünlich gefärbt. Deshalb wird die Mairenke auch Grünling genannt. Weitere Namen sind Seelaube oder Schiedling. Das Verbreitungsgebiet der Mairenken reicht von den Alpen bis zum Kaspischen Meer. In Bayern leben Mairenken, die bis zu zehn Jahre alt werden können, vor allem im Chiemsee, im Simssee und Starnberger See. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es sie zum Beispiel auch im Schliersee.

Mairenken halten sich bevorzugt in den kiesigen Uferregionen der Seen auf. Wenn dort im Sommer das Wasser wärmer wird, ziehen sie sich in tiefere Zonen zurück. Laichzeit ist im Mai, davon hat die Art ihren Namen. Zum Ablaichen ziehen die Fische in sehr seichte Uferzonen der Seen oder Zuflüsse. Ein Weibchen legt zwischen 15 000 und 30 000 Eier und klebt sie an den Kiesboden des Gewässers. Schon nach zwei oder drei Tagen schlüpfen die Larven. Nach knapp zwei Wochen folgen die Jungfische den erwachsenen Tieren in die tieferen Zonen der Seen oder Zuflüsse.

Einst war die Mairenke ein geschätzter Speisefisch. Aber wie alle Karpfenfische hat sie viele Gräten. Deshalb ist sie inzwischen nicht mehr so beliebt. Für Flussbarsche, Hechte oder andere Raubfische indes sind Mairenken, die sich selbst von Plankton und Mückenlarven ernähren, eine wichtige Beute. Auch Kormorane, Gänsesäger und andere fischfressende Vögel machen gerne Jagd auf sie. Seit Jahren werden die Bestände allerdings immer geringer. Schon in der Roten Liste von 2003 ist die Art als gefährdet eingestuft worden.

Der Hauptgrund dafür sind aber nicht ihre vielen Feinde. Sondern die schier unzähligen menschlichen Eingriffe in die Gewässer. Stauwehre und Uferverbauungen - vor allem an den Seen - dezimieren die Lebensräume der Mairenken. Außerdem machen ihnen die vielen Einträge von Nährstoffen und Sedimenten in die Seen und Flüsse zu schaffen. Dadurch verschlammen deren Kiesböden, Laichgründe und Lebensräume für die Larven gehen verloren. Dabei ist die Mairenke nach europäischem Naturschutzrecht geschützt. "Bayern hat eine besondere Verantwortung für die Art", sagt Fischerpräsident Göttle.

Zur Förderung der Mairenke fordern Göttle und die Fischer die Renaturierung von Seeufern. Am wichtigsten sei die Wiederherstellung von Laichgründen mit flachem Wasser und Kiesgründen, sagen sie. Außerdem müssten die traditionellen Wanderkorridore zwischen den tiefen Zonen der Seen und deren Zu- und Abflüssen wieder durchgängig gemacht werden. Als Beispiele dafür nennt der LFV die Beseitigung von Stauwehren oder den Bau von Wanderhilfen. Auch der Eintrag von Sedimenten und Nährstoffen in die Gewässer müsse verringert werden, wenn die Art eine Chance haben soll. Damit sie die hat, packen die Fischer auch selber an. Am Schliersee haben sie 2019 einen Wiederansiedlungsversuch gestartet - mit laichbereiten Mairenken vom Simssee.

© SZ vom 18.01.2021/syn
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