Neuer Rekord für den FreistaatBayerns Finanzausgleich klettert auf fast 13 Milliarden Euro

Lesezeit: 2 Min.

Markus Pannermayr, Vorsitzender des Bayerischen Städtetags, Finanzminister Albert Füracker (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nach einem Spitzengespräch zum kommunalen Finanzausgleich.
Markus Pannermayr, Vorsitzender des Bayerischen Städtetags, Finanzminister Albert Füracker (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nach einem Spitzengespräch zum kommunalen Finanzausgleich. Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Bayerns kommunaler Finanzausgleich steigt 2026 um 846 Millionen Euro auf den Rekordwert von 12,83 Milliarden Euro.
  • Zusätzlich stellt der Freistaat 3,9 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für kommunale Investitionen bereit.
  • Trotz der Rekordhilfen bleibt die finanzielle Lage der Kommunen extrem angespannt mit einem Defizit von 5,3 Milliarden Euro in 2024.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Bayerns Städte und Gemeinden sind in extremer Geldnot. Das ist erst mal nicht neu, wenngleich sich die Krise seit Jahren zuspitzt. Dauerhaft wird das auch der Finanzausgleich für 2026 nicht ändern.

Gute Nachrichten für Bayerns Bezirke, Städte und Gemeinden: Der kommunale Finanzausgleich klettert im kommenden Jahr mit fast 13 Milliarden Euro auf einen neuen Rekordwert. Damit reagierte der Freistaat auf die immer dramatischeren kommunalen Geldsorgen.

Konkret vereinbarten die kommunalen Spitzenverbände mit der Staatsregierung eine Erhöhung um 846 Millionen Euro auf dann 12,83 Milliarden Euro. Gleichzeitig stellt der Freistaat 2026 aus dem Sondervermögen des Bundes für Investitionen 3,9 Milliarden Euro für Bayerns Kommunen bereit.

„Das Ergebnis ist ein enormer Kraftakt“, sagte Finanzminister Albert Füracker (CSU) nach der Schlussberatung in München. Die Einigung sei eine große Herausforderung für den Staatshaushalt, „das kann ich nicht verschweigen“. Zugleich sei es aber auch ein Signal des Zusammenhalts. „Wir gewährleisten Stabilität, Handlungsfähigkeit und Investitionskraft unserer Kommunen.“

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

„Wir haben eine richtig große Infusion heute bekommen vom Freistaat, aber die Blutung ist nicht gestillt“, sagte der Präsident des Landkreistags, Thomas Karmasin (CSU). Damit spielt er auf die sich verschärfende finanzielle Schieflage von Bayerns Städten und Gemeinden an. 2023 waren die kommunalen Haushalte mit 2,3 Milliarden Euro ins Minus gerutscht, 2024 lag das Defizit laut Bayerischem Städtetag schon bei 5,3 Milliarden Euro. Auch das erste Halbjahr 2025 war bereits mit einem 4,6 Milliarden Euro Defizit belastet.

Bayerns Kommunen stünden im kommenden Jahr 4,7 Milliarden Euro mehr zur Verfügung – ein wuchtiges Finanzpaket und ein eindeutiges Signal an unsere Kommunen, sagte Füracker. „Die Ausgaben der Kommunen in den Verwaltungshaushalten, also insbesondere Personal- und Sozialausgaben, steigen erheblich an. Ein Vermächtnis der ehemaligen Ampelregierung, die Kommunen enorm teure Aufgaben aufgebürdet hat, ohne gleichzeitig eine auskömmliche Finanzierung durch den Bund sicherzustellen. Wir haben daher in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf die Verwaltungshaushalte gelegt.“

Das sei ein starkes und kraftvolles Signal in schwieriger Zeit, lobte der Präsident des Städtetags, Markus Pannermayr (CSU). „Aber machen wir uns nichts vor: Die Situation der kommunalen Haushalte bleibt extrem herausfordernd.“ Die Herausforderung werde noch schwieriger werden, es brauche eine Entlastung von Aufgaben und grundlegende Änderungen am Sozialstaat.

Auch Bezirkstagspräsident Franz Löffler (CSU) warnte davor, dass die Finanznot der Kommunen zur Normalität werde: „Wenn die Gesellschaft den Sozialstaat nicht mehr finanzieren kann, sind echte Reformen nötig. Hier ist der Bund mit den angekündigten Sozialstaatsreformen jetzt gefordert, zügig Entscheidungen zu treffen, die die kommunalen Kassen dauerhaft entlasten.“

Finanzpolitik in Bayern
:Kippt Söder nach zwei Jahrzehnten Bayerns schwarze Null?

Schulden waren für die CSU lange Jahre Teufelszeug. Nun steht der ausgeglichene Haushalt in Bayern auf der Kippe, die Kommunen flehen um Hilfe.

SZ PlusVon Thomas Balbierer und Johann Osel

Die Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes werden nicht pauschal verteilt, sondern nach einem Verteilungsschlüssel. Dieser sieht für die Landkreise einen Anteil von 20 Prozent, für die kreisfreien Städte von 23 Prozent und für die kreisangehörigen Gemeinden von 57 Prozent vor. Innerhalb dieser Ebene werde das Geld dann nach dem üblichen Schlüssel bestehend aus Einwohnerzahl, Demografie-Faktor und Umlagekraft an die Kommunen weitergegeben. Der Kommunalanteil am Sondervermögen Infrastruktur soll über die ganze Laufzeit betrachtet zwischen 60 und 70 Prozent liegen.

Welche Konsequenzen sich aus der Einigung – und der seit einer Woche vorliegenden Prognose zu steigenden Steuereinnahmen für die kommenden Jahre – für die im November anstehenden Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2026/2027 ergeben, konnte Füracker auf Nachfrage nicht sagen: „Ich will keine neuen Schulden machen, ich kann es aber auch nicht ausschließen.“ Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zwischenzeitlich neue Schulden ins Gespräch gebracht, um die Balance zwischen Einnahmen, Ausgaben, Investitionen und dem Bedarf der Kommunen auszugleichen.

Gemeindetagspräsident Uwe Brandl (CSU) hält angesichts der Geldprobleme von Bund, Ländern und Kommunen eine Debatte über die Funktionsfähigkeit der Demokratie für angemessen. „Die kommenden zwei Jahre müssen aber auch von Bund und Land genutzt werden um die notwendige Aufgabenkritik und den erforderlichen Standardabbau mit eindeutigen Ergebnissen vor allem auch im Bereich der Sozialleistungen zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.“ Er hoffe sehr, dass es weiterhin gelinge, einen Kurs der Konsolidierung zu fahren. „Wohl wissend, dass das auch bedeuten wird, dass wir den Menschen Dinge erklären müssen, die sie nicht gerne hören.“

© SZ/DPA - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Urteil nach Messerattacke von Aschaffenburg
:„Keine Bestie, sondern ein Täter und ein sehr, sehr kranker Mitmensch“

Der Messerangreifer von Aschaffenburg muss dauerhaft in eine psychiatrische Klinik. Aussicht auf baldige Besserung sehen die Prozessbeteiligten nicht. Aber eine Überforderung der Behörden.

SZ PlusVon Max Weinhold Hernandez

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: