Elf Jahre ist es her, da schütteten sich Menschen auf der ganzen Welt – prominente und weniger prominente – bei der Ice Bucket Challenge große Behälter mit Eiswürfeln über den Kopf und posteten Videos davon im Internet. Nicht etwa, weil es damals, im Sommer 2014, so unerträglich heiß war. Sie taten es für den guten Zweck. Seinerzeit ging es darum, auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam zu machen und Spendengeld für deren Erforschung und Bekämpfung zu sammeln.
Rund ein Jahrzehnt später kursieren in den sozialen Medien erneut zahlreiche Filmchen, in denen sich die Teilnehmer einer Herausforderung stellen und andere nominieren. Und auch diesmal tun sie das für eine gute Sache – die Natur.
Feuerwehren im ganzen Land, darunter viele bayerische, beteiligen sich derzeit an der Baumpflanz-Challenge. Aber auch andere Organisationen, Vereine und Behörden hinterlassen in diesen Wochen auf diese Weise ihren biologischen Fußabdruck – im positiven Sinne. Wer nominiert wird, hat in der Regel eine Woche Zeit, einen Baum zu pflanzen und ein Beweisvideo im Netz zu hinterlegen. Wer’s nicht schafft, zahlt eine Brotzeit.
Um sich diese zu sparen, rücken die Feuerwehren im Freistaat – besonders emsig sind die rund 80 Wehren im Kreis Traunstein, die schon um die 100 Bäume gepflanzt haben sollen – derzeit häufiger mal aus, um das Gegenteil von dem zu tun, was sie sonst machen. Statt umgestürzte Bäume von Straßen zu räumen und zu Kleinholz zu verarbeiten, pflanzen sie Kleinholz an, damit daraus mal Großholz werden möge.
Sieht aus wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für künftige Generationen von Feuerwehrleuten, die eines Tages dann die heute gepflanzten Bäume nach einem Sturm von der Straße räumen oder kraxelwütige, aber klettermäßig eher untalentierte Katzen aus einem Wipfel pflücken dürfen. Ist es aber natürlich nicht. Bäume sind, darum geht es hier, so eine Art Klimaschutzbeauftragte, die auf unserem Planeten, der sich immer mehr aufheizt, für ein wenig Abkühlung sorgen sollen. Ganz ohne Eiswürfel.
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Sich Eis in rauen Mengen über die rote Birne zu kippen, mag zwar auf den ersten Blick das coolere Video auf Facebook, Instagram und Co. ergeben. Aber auf den zweiten kann auch das vermeintlich schnöde Pflanzen eines Baumes einen gewissen cineastischen Charme versprühen.
Etwa, wenn die Feuerwehr Raubling in ihrem Video „Vollalarm“ auslöst, mit diversen Einsatzfahrzeugen samt Blaulicht und Martinshorn ausrückt, um dann mit einer großen Drehleiter einen kleinen Obstbaum an seinen Bestimmungsort zu heben, weil sich die Kastanie nebenan „einsam fühlt“. Oder wenn der Bürgermeister von Waldsassen kurzerhand zwei Nadelbäume pflanzt, während seine Rathausmitarbeiter pflichtbewusst über die Einhaltung sämtlicher Verwaltungsvorschriften diskutieren. Also: Nicht lange reden, einfach pflanzen. Ist ja für einen guten Zweck.

