Eisschwimm-Weltmeister Christof Wandratsch„Es ist jedes Mal wieder ein Wow-Gefühl“

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Christof Wandratsch schreckt kaltes Wasser nicht, im Gegenteil: Als Weltmeister im Eis- und Winterschwimmen sucht er es.
Christof Wandratsch schreckt kaltes Wasser nicht, im Gegenteil: Als Weltmeister im Eis- und Winterschwimmen sucht er es. privat

Christof Wandratsch hat so ziemlich alle Titel gewonnen, die man im Eiswasser gewinnen kann – und das nur, weil er nach einer Herausforderung suchte. Welche Bedingungen er gar nicht mag und warum die kleinen Finger beim Eisschwimmen so wichtig sind.

Interview von Verena Wolff

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SZ: Herr Wandratsch, was hat Sie zum Eisschwimmen gebracht?

Christof Wandratsch: Im Jahr 2013 habe ich als erster Schwimmer den Bodensee der Länge nach durchquert: 66,670 Kilometer nonstop. Danach habe ich mit meinem Team zusammen nach neuen Abenteuern gesucht. Das Eisschwimmen habe ich als Herausforderung gesehen. Für mich war es damals unvorstellbar, dass man einen menschlichen Körper dazu bringen kann, dass er bei null Grad Wassertemperatur schnell und sauber schwimmen kann. Aber: Es funktioniert.

Bei der Weltmeisterschaft im Winterschwimmen 2014 in Rovaniemi in Finnland bin ich gleich Weltmeister und Gesamtsieger über die 450-Meter-Endurance-Distanz geworden, ein Jahr später dann Weltmeister über die 1000 Meter im sibirischen Murmansk.  Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht nur zum Spaß ins eiskalte Wasser gehe. Ich bin von klein auf ein Wettkampftyp.

Christof Wandratsch, 59, war Freiwasserschwimmer, ehe er zu Deutschlands bestem Eisschwimmer wurde. 2005 querte er den Fehmarnbelt. Er stellte einen Weltrekord für das Durchschwimmen des Ärmelkanals auf und die Straße von Gibraltar auf. Als erster Schwimmer durchquerte er im Juli 2013 den Bodensee in Längsrichtung – ohne Pause und ohne Neoprenanzug. Der Lehrer aus Haiming hat seit Beginn seiner Eisschwimmer-Karriere zahlreiche Weltmeistertitel und Weltcup-Siege bei den Wettbewerben der beiden Verbände IISA (International Ice Swimming Association) und IWSA (International Winter Swimming Association) gewonnen. 2014 stellte er einen Weltrekord über die Eismeile der IISA im Wöhrsee in Burghausen auf: Für die 1,6 Kilometer brauchte er 21:38 Minuten. Er ist Vorsitzender des Vereins Keep Frozen, des Eisschwimmverbandes IISA Deutschland und bietet Trainingscamps für Eisschwimmer an.

Gibt es Situationen, in denen Sie nicht ins Wasser wollen oder das Schwimmen abbrechen?

Da geht es mir wie jedem anderen auch: An manchen Tagen fällt es mir leichter und an anderen schwerer. Am schlimmsten ist für mich dieses nassgraue Wetter mit einstelligen Plusgraden und Nieselregen. Da habe ich es lieber wie diesen Winter – sehr kalt, aber sonnig und verschneit. Es gab noch nie einen Tag, an dem ich hätte ins Wasser gehen müssen und bin nicht gegangen. Und wenn es nur 20 oder 30 Sekunden waren.

Allerdings gehe ich nie ins Wasser und denke mir „mal sehen, wie lange ich es jetzt aushalte“, denn das kann lebensgefährlich werden. Für Einsteiger gilt, dass sie pro Grad Wassertemperatur nicht länger als eine Minute im Wasser bleiben sollten. Ich schwimme nur in Badehose und -kappe, ohne Neoprenhilfsmittel. Und wenn ich merke, dass ich meine kleinen Finger nicht mehr unter Kontrolle habe, dann gehe ich schnellstens raus.

Weltmeister im Eis- und Winterschwimmen
Weltmeister im Eis- und Winterschwimmen privat

Was macht das Eisschwimmen mit Ihrem Körper und wie geht es Ihnen danach?

Die Ausschüttung von Endorphinen und Adrenalin – das ist jedes Mal wieder ein Wow-Gefühl. Was der Körper da leistet unter extremen Bedingungen! Aus dem warmen Bett raus in den nicht geheizten Pool im Garten, das ist immer wieder eine Überwindung. Und wenn man dann drinnen ist und nur ein paar Züge gemacht hat, das ist super. Man ist fit für den Tag und immer wieder bereit, diesen Schritt zu gehen, wenn man auch nur ganz kurz im Wasser bleibt. Und, wenn man das regelmäßig macht, tut man viel Gutes für sein Immunsystem.

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