Eisschwimmen und -baden ist keine neue Erfindung – schon die Wikinger sollen sich regelmäßig ins kalte Wasser begeben haben, um sich abzuhärten. Dass der Aufenthalt im winterlich kalten Wasser zahlreiche positive Effekte mit sich bringt, ist vielfach nachgewiesen. Trotzdem: „Übermut und Selbstüberschätzung sind im kalten Wasser fehl am Platz“, sagt Sven Sudhoff, der sich selbst als „Allgemeinarzt, Rettungstaucher, Eisschwimmer und Warmduscher“ bezeichnet.
„Kältetherapie ist gegen Entzündungsprozesse, für die Durchblutung und damit bei der Beschleunigung von Heilungsprozessen dienlich“, sagt Sudhoff, der in Fürth praktiziert. Das machen sich Profisportler seit Jahren zunutze, Athleten gehen nach dem Training bis zu zehn Minuten in Eisbecken oder Kältekammern. „Weitere Studien deuten einen möglichen Einsatz als wirksames Mittel gegen Depressionen an.“ Das liegt daran, dass stoffwechselaktivierende und stimmungsaufhellende Hormone freigesetzt werden.
Allerdings sind zwei Situationen besonders kritisch für den Körper, wie der Mediziner sagt: der erste Kontakt mit dem Wasser und das lange Verweilen darin. „Die Blutgefäße ziehen sich aufgrund des Temperaturgefälles augenblicklich zusammen.“ Das könne auch für Menschen, die sich gesund fühlen oder unentdeckte Herz-Kreislauf-Anomalien haben, gefährlich werden. „Eine sportmedizinische Untersuchung ist für jede Person, die sich beim Eisschwimmen ausprobieren möchte, dringend anzuraten.“
Der verlängerte Aufenthalt im Wasser kann ebenfalls gefährlich werden, denn der bis zu 20-fach erhöhte Wärmeverlust führt zu lebensgefährlichen Untertemperaturen. Die gute Nachricht: Wer längere Strecken im kalten Wasser schwimmen möchte, kann seinen Körper auf die Temperaturen trainieren: vom langsamen Einstieg ins Wasser unter Aufsicht über das Wahrnehmen und Üben der Atmung bis zur behutsamen Steigerung des Aufenthalts im Wasser.
„Ein Eisschwimmer sollte immer unter Aufsicht trainieren und sich vor den Start wohl temperiert fühlen“, betont Sudhoff. Bei „Alarmsymptomen“ wie Verwirrung, Schwindel, Übelkeit, Panik, Hyperventilation, Herzrhythmusstörungen, Schmerzen oder Muskelkrämpfen müssen Schwimmerinnen und Eisbader sofort raus aus dem Wasser. Gleiches gelte bei motorischen Defiziten, wenn Muskeln oder Gliedmaßen nicht mehr richtig reagieren.
Das rät die Bayerische Wasserwacht

Vor dem Eisbaden
- einen Arzt aufsuchen, sich durchchecken lassen
- Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen sollten auf das Eisbaden verzichten
- Wollmütze sowie gegebenenfalls Neopren-Handschuhe und -Socken besorgen
Beim Eisbaden
- niemals allein ins kalte Wasser gehen, vertraute Person am Ufer haben
- keine Löcher ins Eis hacken, wo andere Menschen auf dem zugefrorenen Gewässer spazieren gehen
- nicht in der Mitte eines Weihers oder Sees zum Eisbaden gehen
- langsam ins Wasser gehen und sich an die Temperaturen gewöhnen
- den Körper bis zu den Schultern absenken, nicht untertauchen
- niemals kopfüber ins Wasser springen
- optimale Punkte sind ein gut zugängliches Ufer oder eine Leiter an einem Steg, sonst eine Rettungsleine mitnehmen
- bei Zittern oder Schmerzen sofort das Wasser verlassen
Nach dem Eisbaden
- Handtuch griffbereit am Ufer liegen haben
- langsam wieder aufwärmen
- keinen Alkohol konsumieren


