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Bayern-Ei-Skandal:Welche Ungereimtheiten es bei der Arbeit der Behörden gibt

Die Auswertung der am Dienstag bei Bayern-Ei beschlagnahmten Unterlagen werde nun aber erst einmal einige Wochen in Anspruch nehmen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Man ermittele in alle Richtungen, heißt es. Womöglich auch bald gegen bayerische Behörden?

Ungereimtheiten gäbe es jedenfalls genug. So erfuhr die Regensburger Staatsanwaltschaft beispielsweise erst durch einen österreichischen Journalisten von den Salmonellen und einem Toten. Die zuständigen Landratsämter und das LGL hatten sie schlichtweg nicht informiert.

Salmonellen im Stuhl eines Stallarbeiters

Und dann ist da noch die Sache mit dem Stallarbeiter: In der Stuhlprobe eines Bayern-Ei-Mitarbeiters wurden Ende Juli 2014 Salmonellen gefunden. Am 1. August stand auch fest, dass er an Salmonellen genau jenes Typs - nämlich LT14b - erkrankt war, der auch bei zahlreichen Erkrankten in Österreich und Großbritannien gefunden wurde und der eigentlich in Bayern nicht sehr häufig ist.

Zu diesem Zeitpunkt waren im Ausland bei mehreren Salmonellose-Patienten bereits Packungen oder Eier von Bayern-Ei gefunden worden. In Warnmeldungen war von "serious risk" die Rede, von ernstem Risiko also, da kann jede Information wichtig sein. Dennoch informierte das LGL die Experten im Ausland erst mit mehr als zwei Wochen Verspätung über den Befund des Stallarbeiters.

Weshalb wurde die Öffentlichkeit nicht informiert?

Eine der entscheidenden Fragen in diesem Lebensmittelskandal lautet: Weshalb wurde die Öffentlichkeit über Monate nicht über die Risiken informiert? Das LGL verteidigte sich damit, dass es für eine öffentliche Warnung vor den Bayern-Ei-Eiern zu keinem Zeitpunkt die fachlichen und rechtlichen Voraussetzungen gegeben habe. Eine öffentliche Warnung in Bayern setze eine andauernde Gesundheitsgefahr für bayerische Verbraucher voraus. Dazu müssten gesundheitsgefährdende Lebensmittel in den Verkehr gelangt sein und sich noch beim Verbraucher befinden. Dies sei aber nach den Ermittlungserkenntnissen der bayerischen Behörden nicht der Fall gewesen.

Verbraucherministerin Ulrike Scharf wollte keine Stellungnahme zu der Sache abgeben. Ein Sprecher ihres Hauses verwies darauf, dass die zuständigen Behörden nach bisherigem Kenntnisstand alle erforderlichen amtlichen Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher durchgeführt hätten. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner erklärte, "Vorfälle, wie sie bei Bayern-Ei jetzt im Raum stehen, bringen die gesamte Land- und Ernährungswirtschaft in Bayern in Misskredit". Er hoffe sehr, dass die "Hintergründe rasch aufgeklärt werden". Missstände müssten mit aller Schärfe des Gesetzes geahndet werden.

Mehr als eine Million Hühner

Die Firma Bayern-Ei ist der größte Eier-Produzent in Bayern. Ins Handelsregister wurde die Bayern Ei GmbH & Co. KG - wie das Unternehmen offiziell heißt - im Jahr 1993 eingetragen. Geschäftsführer ist der 44-jährige Stefan Pohlmann, dem das Unternehmen über ein verschachteltes Gesellschafter- und Kommanditisten-Konstrukt auch gehört. Die deutschen Eierfabriken der Firma stehen in den niederbayerischen Ortschaften Aiterhofen, Aholming, Mamming und Ettling. Insgesamt hält die Bayern-Ei in ihren Stallungen mehr als eine Million Hühner, die meisten davon in Ettling. Dort werden nach Behördenangaben derzeit 460 000 Legehennen gehalten. Der Standort Ettling wurde in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut. Im Jahr 2008 genehmigten die Behörden die Erhöhung von 192 000 Legehennen auf 390 000, 2009 auf 487 500.

Bayern-Ei hält seine Legehennen in der sogenannten Kleingruppenhaltung - der derzeit umstrittensten Haltungsform in Deutschland. Dutzende Hühner leben zusammen in einem Käfig, jedes Tier hat kaum mehr als ein Din-A4-Blatt Platz für sich. Die Spur der europaweiten Salmonellenfälle im Sommer 2014 führt zu den Bayern-Ei-Ställen in Ettling und Aiterhofen. Sie beziehen ihre Junghennen nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) von einer Aufzuchtfarm im tschechischen Čáslav sowie betriebseigenen Aufzuchtfarmen in Mamming und im tschechischen Kdyně. Dort, so mutmaßen Insider, sei wohl der Ursprung der Salmonellen zu suchen. Dies würde erklären, warum in zwei Ställen von Bayern-Ei, die mehrere Kilometer voneinander entfernt sind, fast gleichzeitig Salmonellen ausgebrochen sind. fo

© SZ vom 22.05.2015/sekr
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