Mit Ausnahme von einem JahrBayern so trocken wie seit 1976 nicht mehr

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In Südbayern waren neun der vergangenen zwölf Monate zu trocken, in Nordbayern waren es acht. Das Bild zeigt einen Bauern, der im März 2025 nahe München mit schwerem Gerät ackert.
In Südbayern waren neun der vergangenen zwölf Monate zu trocken, in Nordbayern waren es acht. Das Bild zeigt einen Bauern, der im März 2025 nahe München mit schwerem Gerät ackert. (Foto: Wolfgang Maria Weber/Imago)
  • Bayern erlebte 2025 ein Dürrejahr mit einem Fünftel weniger Niederschlägen als im langjährigen Mittel und 1,5 Grad höheren Temperaturen.
  • Ein Drittel der Grundwasser-Messstellen zeigt niedrige Werte, womit die positiven Effekte des feuchten Vorjahres bereits wieder verschwunden sind.
  • Bayern führt im Januar 2026 den Wassercent von zehn Cent je Kubikmeter ein. Im Gegensatz zu privaten Haushalten sind Bauern und Unternehmen davon großteils befreit.
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Gefühlt war das Wetter in diesem Jahr durchwachsen, doch die Statistik belegt etwas anderes: Es war zu trocken und zu warm. Das wirkt sich auf das Grundwasser aus – und damit auch auf Landwirtschaft und Wasserpreise.

Von Christian Sebald

Wieder einmal viel zu trocken und deutlich zu warm: Zwar hat sich das Wetter in Bayern im zu Ende gehenden Jahr 2025 gefühlt eher durchwachsen angelassen. Aber unterm Strich wurde zwischen 1. November 2024 und 31. Oktober 2025 im Freistaat ungefähr ein Fünftel weniger Niederschläge gemessen als im langjährigen Mittel. Und die Temperatur lag im selben Zeitraum mit einer Mitteltemperatur von 9,3 Grad um 1,5 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1971 bis 2000. Weltweit wurde bereits 2024 das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens gerissen.

Die Klimakrise hat Konsequenzen für die Wasserversorgung im Freistaat. Perspektivisch steht sie vor immer größeren Herausforderungen. Denn wenn weniger Niederschläge vom Himmel fallen, kann weniger im Boden versickern. Die Folge: Es fehlt Grundwasser.  „Unser Wasser ist wegen des Klimawandels einem dauerhaften Stresstest ausgesetzt“, sagt deshalb Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). In der offiziellen Statistik wird das zurückliegende hydrologische Jahr als ein ausgesprochenes Trockenjahr geführt. Noch trockenere Jahre erlebte Bayern laut dem neuen Niedrigwasserbericht des Landesamts für Umwelt (LfU), der dieser Tage erschienen ist, zuletzt nur 2015, 1976, 1972 und 1971.

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In Südbayern summieren sich die Niederschläge im zurückliegenden hydrologischen Jahr auf 853 Liter je Quadratmeter oder 79 Prozent des langjährigen Mittels. In Nordbayern sind es 663 Liter oder 83 Prozent. Das hydrologische Jahr geht von 1. November eines Jahres bis 31. Oktober des Folgejahres. Der Grund: Ende Oktober sind die Grundwasserstände jahreszeitlich bedingt am niedrigsten, zu diesem Zeitpunkt beginnt für gewöhnlich die niederschlagsreichste Zeit des Jahres und damit die Auffüllung der Reserven.

Wegen der geringen Niederschläge ist es um die Grundwasser-Messstände ebenfalls schlecht bestellt. Und zwar sowohl beim oberflächennahen Grundwasser, aus dem in Bayern traditionell das meiste Trinkwasser geschöpft wird, als auch beim sogenannten Tiefengrundwasser. Es liegt getrennt vom oberflächennahen Grundwasser hundert Meter und tiefer im Untergrund und soll laut Staatsregierung als gleichsam eiserne Reserve möglichst wenig angetastet werden. Ende Oktober 2024 zeigten exakt ein Drittel der Messstellen des oberflächennahen Grundwassers niedrige und sehr niedrige Messwerte. Beim Tiefengrundwasser waren es rund 44 Prozent.

Damit sind die positiven Effekte des Vorjahres schon wieder Vergangenheit. Das überaus feuchte 2024 war ausgesprochen gut für das Grundwasser. Wegen der vergleichsweise ausgiebigen Niederschläge füllten sich in dem Jahr die angespannten Reserven erstmals wieder etwas auf. Für die Jahre 2003 bis 2024  gibt das LfU ein jährliches Defizit bei der Grundwasser-Neubildung in Bayern von 13 Prozent an. Bezogen auf die Jahre 2003 bis 2024 bedeutet das, dass in Bayern inzwischen rein rechnerisch ungefähr so viel Grundwasser fehlt, wie für gewöhnlich in zweieinhalb Jahren neu gebildet wird.

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Gleichwohl sagt Umweltminister Glauber bei jeder Gelegenheit, dass die Wasserversorgung im und für den Freistaat sicher ist. Auch alle Fachleute tun das. Über die Wasser-Politik der Staatsregierung gibt es aber heftigen Streit. Insbesondere über das neue Wassergesetz, das der Landtag noch vor der Weihnachtspause verabschieden will und das am 1. Januar 2026 in Kraft treten soll.

Glauber sagt, dass das neue Wassergesetz die Wasserversorgung des Freistaats stärken wird. Denn damit wird jetzt auch Bayern den Wassercent einführen, als 14. von 16 Bundesländern. Die neue Gebühr soll zehn Cent je Kubikmeter Trinkwasser betragen und zum sparsamen Umgang mit Wasser ermuntern. Der Wassercent soll sich pro Person auf vier bis fünf Euro im Jahr summieren, für einen Vier-Personen-Haushalt werden etwa 20 Euro im Jahr fällig. Außerdem soll die öffentliche Trinkwasserversorgung Vorrang vor allen anderen Nutzungen des Wassers haben. „Wir wollen einen Ausverkauf und eine Privatisierung des bayerischen Grundwassers verhindern“, sagt Glauber.

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Die Opposition im Landtag, Kommunen, Naturschützer und Fachleute üben heftige Kritik am neuen Wassergesetz und dem Wassercent. Sie betrifft vor allem die Ausnahmen für Bauern und Unternehmen mit eigenen Brunnen. Sie alle müssen den Wassercent erst ab einer Freigrenze von 5000 Kubikmetern Wasser bezahlen. Für Privatleute und alle anderen Bezieher wird er dagegen ab dem ersten Tropfen fällig.  Verbraucherschützer werfen der Staatsregierung deshalb eine „unverhältnismäßigen Belastung“ der privaten Haushalte vor.

Die Staatsregierung selbst rechnet mit etwa 80 Millionen Euro Einnahmen aus dem Wassercent. Bei 13,5 Millionen Einwohnern des Freistaats und einer Belastung von fünf Euro pro Kopf und Jahr entfallen davon laut Rechnung des Verbraucher-Service Bayern also etwa 67 Millionen Euro auf die privaten Verbraucher. Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft müssten demnach nur mit einer Belastung von 13 Millionen Euro rechnen. „Eine solche ungleiche Verteilung steht im Widerspruch zum Verursacherprinzip“, heißt es beim Verbraucher-Service. „Außerdem schwächt sie die ökologische Lenkungswirkung erheblich.“

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