Was man lieber nicht sagen sollteSonst holt Dich der Waller!

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Ein solcher Riesenwaller kann einen Schwimmer schon mal ordentlich erschrecken. Aber eigentlich will der Fisch auch nur seine Ruhe haben.
Ein solcher Riesenwaller kann einen Schwimmer schon mal ordentlich erschrecken. Aber eigentlich will der Fisch auch nur seine Ruhe haben. Patrick Pleul/dpa

Die Drohung ist in der politischen Debatte weit verbreitet, in der Erziehung inzwischen glücklicherweise verpönt. Dabei böten sich wirkungsvolle Varianten.

Kolumne von Katja Auer

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Die Drohung ist als Stilmittel im politischen Diskurs recht weit verbreitet („Wenn die Grünen in Bayern an die Macht kommen, gibt es nur noch Veggie-Bratwürste beim Feuerwehrfest“) und auch in der Kirche hat sie sich über Jahrhunderte bewährt („Wenn Du das tust, kommst Du in die Hölle“). In der Erziehung jedoch ist sie weitgehend verpönt. Das war nicht immer so. Die bildhafte Schilderung der Gefahren, die außerhalb des elterlichen Regelwerks lauerten, brachte viele Kinder zumindest eine Weile dazu, jenes zu befolgen.

Es gab aber auch Arges zu befürchten. Sollte man zum Beispiel schielen, einfach aus Spaß, dann würden die Augen stehen bleiben. Und wer Wasser trinkt, nachdem er Kirschen gegessen hat, den wird schlimmes Bauchweh heimsuchen. Wer sich gar allein in den Wald trauen sollte, weil er halt hinter dem Haus gleich losgeht – den holt der Fuchs.

Interessanterweise der Fuchs, nicht etwa der Wolf. Das mag daran liegen, dass der Wolf in den 80er-Jahren noch nicht zurück war in Bayern und es ansonsten mangelte an gefährlichen Tieren in den Wäldern. Vielleicht aber auch, weil der Fuchs gelegentlich bei der Oma im Hühnerstall wütete und dann ein paar Hühner fehlten am nächsten Tag. Die hatte der Fuchs geholt, das war durchaus beeindruckend. Es dauerte, bis die Einsicht reifte, dass ein Fuchs schnell das Weite suchen würde, sollte ihm tatsächlich ein Menschenkind begegnen und zudem vermutlich weder Lust noch Kraft verspüren würde, jenes in den Wald zu verschleppen.

Die Regeln für die Bäche und Weiher der Umgebung beschränkten sich auf allgemein verständliche Anweisungen („Nicht hineinfallen, sonst ersaufst“), wurden aber nicht weiter ausgeschmückt. Glücklicherweise fehlten den Erziehungsberechtigten damals offenbar Fantasie oder Kenntnis, dass zwei Meter lange Waller in den Tiefen lauern könnten. Was war das für eine Aufregung neulich am Brombachsee: Ein Riesenwaller griff mehrere Schwimmer an, weil die ihm offenbar als Bedrohung für seinen Laichplatz erschienen.

Aber bitte jetzt nicht mit vermeintlich pädagogischem Potenzial übertreiben („Nicht ins Wasser gehen, sonst holt Dich der Waller“), der Fisch will ja auch bloß seine Ruhe haben. Für die politische Debatte hingegen könnte er sehr wohl als Drohung taugen, schließlich soll sich der Waller in der Nähe einer Badeinsel herumgetrieben haben, weil seine üblichen Laichplätze in Ufernähe wegen der Trockenheit nicht brauchbar waren: „Wenn wir nicht bald was gegen den Klimawandel machen …“

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