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Bayern:Dritte Amtszeit: Seehofer macht Andeutungen

Berchinger Rossmarkt

Horst Seehofer beim Besuch auf dem Rossmarkt in Berching

(Foto: dpa)
  • Horst Seehofer testet seit Wochen die Stimmung für eine dritte Amtszeit als Ministerpräsident.
  • Beim traditionellen Berchinger Rossmarkt hat er nun konkretere Hinweise gegeben, dass er erneut kandidieren wolle.

Von Wolfgang Wittl

Der Berchinger Rossmarkt zählt zu jener Art Brauchtumsveranstaltungen in Bayern, für die sich Touristen und Einheimische gleichermaßen erwärmen können - da mag es noch so klirrend kalt sein: Jeden Mittwoch nach Maria Lichtmess schieben sich Tausende Menschen durch die Kleinstadt in der Oberpfalz, bestaunen prächtig geschmückte Gespanne und auch den Politiker auf der Bühne, den Medien zuverlässig als "Zugpferd" bezeichnen. In diesem Jahr war wieder mal Horst Seehofer beim Rossmarkt zu Gast, er hat seine Zuhörer nicht enttäuscht.

Der CSU-Chef kündigte an, dass er vom 16. bis 18. März erneut den russischen Präsidenten Wladimir Putin besuchen werde, man müsse schließlich im Gespräch bleiben. Auch nach China, in die USA und nach Großbritannien will Seehofer dieses Jahr noch reisen, ins Nachbarland Österreich sowieso. Diese neue außenpolitische Dynamik deckte sich gut mit einer Botschaft, die Seehofer im selben Atemzug an seine Partei richtete - dass er über 2018 hinaus bayerischer Ministerpräsident bleiben wolle.

Seehofer tat dies wie so oft mit einem versteckten Witz, doch in Wahrheit dürfte es ihm sehr ernst damit sein. Seit Wochen testet er mit Andeutungen die Stimmung für eine dritte Amtszeit als Regierungschef aus, allerdings noch nie so deutlich wie in Berching. Zum fünften Mal trete er hier jetzt auf, genau so oft wie Franz Josef Strauß, sagte Seehofer. Nicht dass er sich einbilde, den "Übermenschen" Strauß zu übertreffen, aber einen Ehrgeiz habe er schon: Am Ende seiner Karriere sagen zu können, er habe in Berching öfter gesprochen als das CSU-Idol - und das nicht nur wegen eines Besuchs im nächsten Jahr, sondern wegen weiterer Auftritte darüber hinaus. "Wenn mir der Herrgott die Gesundheit schenkt, komme ich wieder", sagte Seehofer.

Bislang hatte er gesundheitliche Vorbehalte nur genannt, wenn es darum ging, seine Amtszeit vor 2018 zu beenden. Nun hat der 67-Jährige erstmals durchblicken lassen, dass er davon die Fortsetzung seiner Laufbahn abhängig macht. Das ist neu - und selbst für Seehofers Verhältnisse mehr als ein zarter Hinweis. Vertraute sprachen gar von einer "Bewerbungsrede", die Seehofer gehalten habe.

Führende CSU-Politiker gehen ja seit Wochen davon aus, dass Seehofer weitermachen will, täglich werden es mehr. Beim Amt des Parteichefs, das er bereit ist abzugeben, haben sich auch noch keine Bewerber gemeldet. Der Zeitpunkt, eine Verlängerung in Gang zu setzen, ist gut gewählt. Mit Blick auf die Wahlen wird die CSU jede Personaldebatte vermeiden, niemand würde Seehofers Ansprüche infrage stellen.

Nicht einmal Markus Söder, sein schärfster Rivale in der CSU. Söder übt sich in Geduld. Er weiß, dass er Seehofer im Moment nicht gefährlich werden kann. Er weiß außerdem, dass jeder Angriff in einer Zeit, in der Geschlossenheit gefragt ist, nur auf ihn zurückfiele. Söder wartet deshalb auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Schneidet die CSU schlecht ab, wird Seehofer wohl auch keine noch so launige Volksfestrede helfen.

Immerhin: Die Gäste am Rossmarkt haben freundlich geklatscht. Wenig später erzählte Seehofer die Strauß-Anekdote in der CSU-Fraktion noch einmal. Die Reaktion: keine.

© SZ vom 09.02.2017/mmo
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