Bildung:Holpriger Schulstart daheim

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Zu Beginn des Unterrichtswechsels fällt die Plattform Mebis aus

Von Anna Günther

Kaum haben 640 000 der 1,7 Millionen bayerischen Schüler am Mittwoch mit dem Wechsel- und Distanzunterricht begonnen, ist die Lernplattform des Schulnetzwerks Mebis am Morgen für gut zwei Stunden zusammengebrochen. Die Aufregung bei vielen Eltern und in den sozialen Netzwerken war enorm. Die Schuldfrage interessierte brennend, eine einfache oder gar befriedigende Antwort aber gibt es nicht: Zwar sprach das Mebis-Team schon am Vormittag in einem Tweet von einem "Caching-Fehler" als Ursache, die das Kultusministerium mittags bestätigte. Ein Update sei schuld am Zweieinhalb-Stunden-Ausfall der Lernplattform von Mebis. Dieses Update sei aber weder am Dienstag, noch am Mittwoch selbst aufgespielt worden, betonte ein Ministeriumssprecher. Der eingebundene externe IT-Dienstleister sei seit 2012 mit Mebis vertraut, also von Anbeginn. Updates könnten leider immer Probleme mit sich bringen, hieß es. Überlastete Server schloss das Ministerium aus. Die Zahl der Server sei in den vergangenen Monaten von sechs auf 28 erhöht und die Leistungsfähigkeit verzehnfacht worden. Trotzdem analysierte das Institut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) am Mittwoch genau, wie viele Schüler und Lehrer zugegriffen haben.

Selbst als das Caching-Problem schon bekannt war, mutmaßten digital affine Lehrer einen weiteren Hacker-Angriff als Ursache. Zu seltsam sei es, dass ausgerechnet an diesem Tag, wenn alle Kinder zugreifen müssen, ein Caching-Fehler auftauche. Zu Beginn des Teil-Lockdowns im März hatten Hacker Mebis lahmgelegt. Tatsächlich könnte der Zeitpunkt dieser neuen Panne nicht unglücklicher sein: Seit Mittwoch müssen alle bayerischen Schüler von der achten Klasse an bis zu den vorgezogenen Weihnachtsferien am 19. Dezember in den Wechsel aus digitalem Distanzunterricht daheim und Schulstunden. In Hotspot-Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 200 Infizierten pro 100 000 Einwohner müssen diese älteren Schüler komplett daheim lernen. Ausgenommen sind Förderschüler und Abschlussklassen. Gerade weil es am Mittwoch nach vielen Wochen im Präsenzunterricht für Hunderttausende Schüler gleichzeitig darauf ankam, dass Mebis funktioniert, war der Ärger bei vielen Eltern groß. Zuletzt hatten Elternverbände in Brandbriefen an Kultusminister Michael Piazolo (FW) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unter anderem verlässliche technische Lösungen gefordert. Am Mittwoch blieb Martin Löwe, Chef des Bayerischen Elternverbands, aber gelassen. Zwar kritisiert auch er, "dass über den Sommer zu wenig getan wurde für die Digitalisierung, aber Pannen passieren und das ist ein ganz blöder Zeitpunkt. Wenn Mebis schon wieder funktioniert, ist es unangebracht, über das Ministerium herzufallen". Die BEV-Mitglieder ärgere eher, dass es zu viele verschiedene Lernplattformen gebe. Löwe fordert eine einheitliche Software, die funktioniert.

Die Grünen kritisieren die Panne als "erneuten Fehlstart mit Ansage"

Schulen, die an Mebis zweifeln, hatten schon im Frühjahr auf das Office-Paket von Microsoft umgestellt. 350 Schulen nutzen derzeit die Lizenz für MS Teams des Ministeriums, Hunderte weitere haben über ihre Sachaufwandsträger Lizenzen erworben. Aber im Gegensatz zu Mebis gibt es bei MS Teams datenschutzrechtlich offene Fragen. Eigentlich hätten viele Schulen MS Teams deshalb schon Ende Oktober abschalten müssen, eine Verlängerung läuft bis Ende Dezember. Am Mittwochnachmittag gab Piazolo nun bekannt, dass die Ministeriumslizenzen mit besonderen Datenschutzklauseln nun bis Ende April 2021 verlängert werden. Zu den anderen Teams-Lizenzen sagte er nichts. Mebis soll weiter ausgebaut werden, die Ausschreibung für ein Video-Tool läuft.

Die Landtags-Grünen kritisierten die Mebis-Panne als "erneuten Fehlstart mit Ansage". Ministerpräsident Söder erwarte von den Schulen maximale Flexibilität, aber der Kultusminister schaffe es nach acht Monaten Pandemie nicht, dass Mebis zuverlässig funktioniere, sagte Max Deisenhofer. "Das ist ein absolutes Armutszeugnis."

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