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Bayern:Die 'Ndrangheta im Freistaat

Seit den 70er-Jahren ist die kalabrische Mafia vor allem in Oberbayern und der Landeshauptstadt München aktiv. 80 Mitglieder der Mafia-Organisation sind den Behörden bekannt.

Allein in Bayern ordnen die Sicherheitsbehörden etwa 80 Personen dem Mafia-Zweig der 'Ndrangheta zu, Tendenz steigend. Das geht aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katharina Schulze vom Dezember vergangenen Jahres hervor. Schwerpunkte der 'Ndrangheta in Bayern sind seit den Siebzigerjahren München und Oberbayern, außerdem Augsburg und Nürnberg. Im Jahr 2014 wurde im Freistaat gezielt gegen die 'Ndrangheta ermittelt. Dabei ging es um Drogenhandel und -schmuggel sowie um "Steuerkarussellgeschäfte".

In sechs weiteren Ermittlungsverfahren aus dem Bereich der organisierten Kriminalität habe es in den zurückliegenden Jahren Hinweise auf Verbindungen zur 'Ndrangeta gegeben, so das bayerische Innenministerium. In einem dieser Verfahren sei man auch auf Querverbindungen zur apulischen Mafia, Sacra Corona Unita, gestoßen. In zwei der Fälle gab es Hinweise auf Geldwäscheaktivitäten. Pro Jahr gibt es in Bayern durchschnittlich 80 Ermittlungsverfahren aus dem Gesamtbereich der Organisierten Kriminalität (OK), etwa jeder sechste OK-Fall stammt aus dem Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München.

Im Februar dieses Jahres wurde ein mutmaßliches Mitglied der Organisation in der Nähe des Münchnner Flughafens festgenommen. Der 29-jährige Vincenzo M. war im Oktober 2017 untergetaucht. An der Aktion waren nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa auch Carabinieri aus der kalabrischen Stadt Palmi beteiligt. Offenbar waren sie Familienangehörigen des Gesuchten nach Bayern gefolgt. Ein weitererer mutmaßliches 'Ndrangheta-Mann, 48 jahre alt, Deutsch-Italiener, war bereits im Janaur in seiner Wohnung bei München festgenommen worden.

Zwischen 2008 und 2011 beschlagnahmte die Polizei in Bayern insgesamt rund 320 000 Euro Vermögenswerte aus dem Umfeld der 'Ndrangheta. Haupteinnahmequelle der Organisation ist in Bayern der Handel mit Kokain.