Bayerisch-Crashkurs für MedizinerBloddan, Bleschl, weher Hax – wenn der Notarzt keinen Dialekt versteht

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Wer zu lange rumhockt, dem kann schon mal der Fuß einschlafen – auf Bairisch also der Fuß oder das ganze Bein.
Wer zu lange rumhockt, dem kann schon mal der Fuß einschlafen – auf Bairisch also der Fuß oder das ganze Bein.
Foto: Johannes Simon

Der Dialekt schwindet allüberall, doch in einigen Gegenden hält er sich hartnäckig. Wenn medizinische Fachkräfte aus Norddeutschland oder Syrien kommen, wird das  Arzt-Patienten- Gespräch zum Problem.

Glosse von Sebastian Beck

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Es ist höchste Zeit, an dieser Stelle mal wieder Nachhilfe in Bairisch zu geben. Der Dialekt schwindet bekanntlich noch schneller als die letzten Alpengletscher. Alleine im Gäuboden existieren noch einige Sprachinseln, die sich wacker gegen die Anbrandungen des Einheitsdeutschen halten. Das Problem ist nur, dass zugezogene Fachkräfte die Einheimischen anscheinend nur bruchstückhaft verstehen, was bei medizinischen Notfällen schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

Das zeigt das Beispiel, das kürzlich ein überaus dialektkompetenter Gewährsmann aus Niederbayern der SZ schilderte: Dessen 94-jähriger Vater war daheim gestürzt und konnte nicht mehr aufstehen. Ein herbeigerufener Notarzt stellte dem Patienten eine sogenannte Orientierungsfrage: „Welchen Wochentag haben wir heute?“, wollte der Arzt wissen. „Pfinsta“, sagte der Mann – aus Sicht des Arztes ein Zeichen dafür, dass bei ihm auch im Hirn was nicht stimmte, schließlich war Donnerstag. „Der Mann ist aber ganz schön verwirrt“, lautete die Fehldiagnose.

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Dabei hatte der 94-Jährige korrekt geantwortet: Pfingsta ist der bairische Ausdruck für Donnerstag. Er stammt vom altgriechischen péntē hémeéra ab, was den fünften Tag der Woche bezeichnet, und im Laufe der Jahrhunderte zu Pfinsta vernuschelt wurde. Aber wie soll man das einem Notarzt aus Norddeutschland oder Syrien erklären, wenn es als Folge des Sturzes überdies gerade im Hax und Belli sticht?

Deshalb kurz für die interkulturelle Fortbildung der Ärzteschaft: „Strecken’S an Bleschl raus“ heißt auf Hochdeutsch: „Zeigen Sie mir die Zunge.“ „I hob a Bloddan am Zecha“ bedeutet: „Ich habe eine Blase am Zeh.“ Das Wort Fuß wird im Bairischen übrigens synonym für Bein verwendet: „Mir tut der Fuß weh“ kann also bedeuten, dass den Patienten entweder nur der Fuß oder das Bein schmerzt. Hier empfiehlt sich zur genaueren Abklärung die Frage: „Bloß der Fuß oder ganze Hax?“ Antwortet der Patient: „Mir hods dabräsld und des ganze Gstell sauba verrissen“, dann sollte unbedingt ein Orthopäde hinzugezogen werden. Das gilt auch für chronische Beschwerden im Gnack, besonders wenn sie in den ganzen Hax ausstrahlen. „Frau Dokda, i bin oiwei so daloawed, wenn i am Moda in da Fruah aufsteh muas. Bsundas, wenns aufn Eiwärts zugehd“: Verdacht auf jahreszeitliche Depression, nachfragen: „Wars im Summa besser?“

Zum Schluss noch mal alle zusammen die bairischen Wochentage: Sunda, Moda, Irta, Migga, Pfinsta, Freida, Samsda. Geht doch.

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