Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen haben ihre neue Strecke von München nach Osten Richtung Mühldorf im Jahr 1871 eröffnet, und seit praktisch genauso langer Zeit soll sie zweigleisig ausgebaut werden. Bei der Deutschen Bahn heißt die Linie mitsamt ihren weiterführenden Ästen von Mühldorf nach Freilassing, Burghausen und Simach auch schon seit einer ganzen Weile „Ausbaustrecke 38“. Zwischen Ampfing und Tüßling gibt es seit 2017 ein zweites Gleis, und zumindest auf den Plänen der Ingenieure und in den Unterlagen für die abschnittsweise Genehmigung macht das Projekt inzwischen auch sonst gewisse Fortschritte. Unter anderem deswegen wird die Strecke München-Mühldorf in diesem Sommer von 11. August an für fünf Wochen komplett gesperrt.
Dann soll zunächst die mechanische Stellwerkstechnik, die teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, durch eine zeitgemäße und in Zukunft auch für zwei Gleise taugliche elektronische Version ersetzt werden. Werktäglich bis zu 15 000 Pendler und andere Bahnfahrer müssen sich dort auf größere Einschränkungen gefasst machen, ähnlich wie auf einigen anderen Bahnstrecken in Bayern.

SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.
So hat die Deutsche Bahn nach einer routinemäßigen Begehung am Freitagabend kurzfristig die Gleise im Bahnhof Deisenhofen gesperrt – mit weitreichenden Konsequenzen vor allem für den Betrieb der Bayerischen Regiobahn (BRB) zwischen München und Holzkirchen. Pendler aus dem Oberland und Ausflügler Richtung Tegernsee, Bayrischzell, Schliersee, Lenggries und in die Berge drum herum werden sich in den kommenden Wochen wohl besser andere Verkehrsmittel suchen müssen. Denn bei den angebotenen Ausweichstrecken und Ersatzbussen sind die Fahrzeiten lang und die Kapazitäten knapp. Der aus Sicherheitsgründen notwendige Austausch etlicher Weichen in Deisenhofen könnte schlimmstenfalls bis Ende Juli dauern.
Zwischen dem oberpfälzischen Schwandorf und Regensburg rollt bereits seit fast zwei Wochen kein Zug mehr über die Gleise. Die Strecke ist noch bis 22. August gesperrt, weil die DB Schienen und Bahntechnik austauscht. Auf dem gesperrten Streckenabschnitt, wo sonst die Zuglinien RE 25 und RE 23 zwischen München und Prag beziehungsweise Hof verkehren, müssen Pendler die Busse des Schienenersatzverkehrs nutzen. Dafür sind auch alle Bahntickets gültig. Ein Expressbus bringt Fahrgäste ohne Zwischenhalte in 45 Minuten von Regensburg nach Schwandorf und umgekehrt. Ein sogenannter All-Stop-Bus bedient auch die Bahnhöfe Maxhütte-Haidhof und Regenstauf. Die Fahrt zwischen Regensburg und Schwandorf dauert 70 Minuten – deutlich länger als die üblichen 26 Minuten im Regionalexpress.
Die Fahrgäste üben sich dort bisher anscheinend in Geduld. Der Schienenersatzverkehr werde gut genutzt und bisher habe man keine Beschwerden zu verzeichnen, sagt die Pressesprecherin der Länderbahn, Katerina Hagen. Zwischen Schwandorf und Prag fahren die Züge regulär. Wer während der Sperrung mit dem ÖPNV von Regensburg aus nach Furth im Wald zur Landesgartenschau möchte, der kann auch die eigens dafür eingerichtete direkte Busverbindung nehmen.
Auch Reisende, die von Regensburg mit der Donautalbahn in Richtung Südwesten nach Ingolstadt wollen, müssen diesen Sommer geduldig sein. Von 3. Juli bis 2. September ist die Zugstrecke gesperrt, das betrifft vor allem die Linien RB 17 und RB 51, die vom Bahnunternehmen Agilis betrieben werden. Für Ersatz durch Busse werde Agilis sorgen, wie die DB mitteilt. Gründe für die Sperrung sind hier der Neubau der Eisenbahnbrücke in Sinzing, die Gleiserneuerung zwischen Regensburg-Prüfening und Matting sowie am Sinzinger Bahnhof. Dazu kommt der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Abensberg.

Auch Berchtesgaden wird ab Freilassing während der bayerischen Sommerferien von Anfang August bis Mitte September wegen Gleisbauarbeiten nicht auf der Schiene erreichbar sein. Der übliche ICE von und nach Hamburg wird wegen Baustellen anderenorts sogar noch bis Mitte Dezember nicht nach Berchtesgaden fahren.
Über solche großen und langfristigen Einschränkungen hinaus listet der Baustellenkalender der Deutschen Bahn eine ganze Reihe von kleineren und kürzeren Eingriffen und Ausfällen auf. So wird auf der ABS 38 bis Mitte Juli kein Zug von Mühldorf bis Burghausen fahren.
Den Fahrgästen zwischen Mühldorf und München verheißt die Bahn durch die Bauarbeiten im Sommer aber erhebliche Verbesserungen, und das vorerst auch ohne zweites Gleis. Denn die alte Stellwerkstechnik gilt als anfällig und als Grund zahlreicher Verspätungen auf der Strecke. Die Fahrgäste der Südostbayernbahn sind Bauarbeiten im Sommer ohnehin gewohnt. Denn die Bahn nutzt die Sommerferien, wenn zumindest einige Pendler länger in den Urlaub statt täglich nach München fahren, schon seit Jahren für größere Bauarbeiten.

