Bahn in Bayern:Nächster Halt: Ruhestand

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Klaus-Dieter Josel (rechts) geht nach 21 Jahren als Bahnmanager in Bayern in den Ruhestand. Sein Nachfolger, Heiko Büttner, wisse, worauf er sich einlasse, sagt Josel. (Foto: Loredana La Rocca/Deutsche Bahn)

21 Jahre als Bahnmanager schafft man - oder sie schaffen einen. Klaus-Dieter Josel hat sie geschafft: Lange war er das Gesicht der Deutschen Bahn in Bayern, nun hört er auf. Wie ihm Entspannungstrainings geholfen haben und welches Versprechen er seinen Kollegen gegeben hat.

Von Maximilian Gerl

Für seinen letzten Arbeitstag und seine letzte Pressekonferenz hat sich Klaus-Dieter Josel ein paar Zahlen zurechtgelegt. 21 Jahre lang war er Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Bayern und damit hierzulande der oberste Bahnchef. 21 Jahre, in denen Josel nach eigener Zählung drei DB-Vorstandsvorsitzende, neun bayerische Verkehrsminister und sieben Bundesverkehrsminister erlebt hat, "davon drei aus Bayern". Josel sagt es nicht dazu, aber viele der Aufgezählten kamen und gingen, nicht alle hinterließen tiefe Fußspuren. Nur er selbst war irgendwie immer da.

Bis zu diesem Donnerstag. Mit Josel, 63 Jahre alt, geht eine Konstante der bayerischen Bahnpolitik in den Ruhestand; böse Zungen behaupten auch, eine der wenigen Konstanten, die die Bahnpolitik überhaupt aufzuweisen hat. "Ich bin das Gesicht der Bahn", sagt Josel und wirkt dabei tatsächlich frei von Ironie und Eitelkeit. Er blicke auf eine schöne, "insgesamt spannende, teils auch herausfordernde Zeit" zurück. Dankesworte folgten am Donnerstag unter anderem aus Berlin: Der DB-Vorstandsvorsitzende Richard Lutz lobte Josels "unermüdlichen Einsatz für eine starke Schiene".

Josel selbst stellt sich auf Nachfrage eine "Grundgelassenheit" aus. Außerdem macht er seit jungen Jahren Entspannungstrainings. Man darf annehmen, dass beides in seinem Job hilfreich war und ist: 21 Jahre als Bahnmanager schafft man oder sie schaffen einen. Denn die DB ist kein normales Eisenbahnunternehmen. Sie ist am Markt der Platzhirsch - und verantwortlich für große Teile der Schieneninfrastruktur, dafür, dass alle Züge rollen können. Doch in dieser Hinsicht bietet der Konzern immer wieder Anlass für Verzweiflung. Allein die überfällige Sanierung des Netzes und die damit verbundenen Ausfälle, Schienenersatzverkehre und Verzögerungen dürften das Bahnfahren auf Jahre prägen.

So gesehen gehörte es vor allem zu Josels Jobprofil, das Gesicht immer dann zu zeigen, wenn es mal wieder irgendwo hakte: Schneechaos hier, Probleme beim Bau der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke dort, Proteste gegen den Brennernordzulauf da, um nur einige Beispiele aus jüngerer Zeit zu nennen. Zuletzt durfte sich Josel den Ärger von Güterbahnunternehmen anhören, die angesichts der angekündigten Baumaßnahmen lange Umwege und Einbußen fürchten. Manchmal folgte die Kritik zu Recht, manchmal zu Unrecht und häufig genug aus Umständen heraus, für die man bei der DB nur teils etwas kann, sie aber trotzdem an der Backe hat. Wenn es um die Infrastruktur geht, schafft in erster Linie die Politik an. Die Deutsche Bahn plant und baut. Sofern sie das Geld dazu bekommt.

Auch Josel verweist an seinem letzten Arbeitstag darauf, dass die Bahn nur so gut sein könne, wie es die Rahmenbedingungen erlaubten. Und dass er manchmal "innerlich geknurrt" habe, wenn auf dem Rücken der Bahn politische Reden geschwungen wurden. Aber so etwas dürfe man nicht persönlich nehmen. "Wir schaffen große Projekte auf der Schiene nur mit aktiver Unterstützung der Politik." Auch deshalb könnte manches weiter sein als es ist. Josel fällt da die Strecke München-Mühldorf-Burghausen/Freilassing ein, die durchgehend elektrifiziert und teils zweigleisig ausgebaut werden soll. Fertigstellung: voraussichtlich Mitte der 2030er-Jahre. Zuletzt hätten Gesetzesänderungen das Projekt zurückgeworfen, sagt Josel. "Das ist nicht gut", diplomatisch formuliert.

Der Nachfolger leitete bislang die S-Bahn München

Eigentlich kommt der gebürtige Heidelberger aus der Wirtschaftswissenschaft. Der Volkswirt hatte sich beim Münchner Ifo-Institut mit Verkehrsthemen beschäftigt, bevor er 1990 zur Deutschen Bahn wechselte. 2003 übernahm er dann den im Zuge der Bahnreform neu geschaffenen Job des Konzernbevollmächtigten für Bayern. In seine Amtszeit fallen unter anderem die Einführung des Bayern-Tickets, der Ausbau der Schnellfahrstrecke zwischen München, Nürnberg und Berlin und die Elektrifizierung der Gleise nach Lindau - aber auch die schweren Bahnunglücke 2016 in Bad Aibling und 2022 bei Garmisch-Partenkirchen. Und dann ist da natürlich noch der Sanierungsstau. Um diesem Herr zu werden, wird die Deutsche Bahn in den kommenden Jahren immer wieder wichtige Strecken über Monate komplett sperren. Josel verteidigt das, anders gehe es nicht. "In den letzten Jahren ist zu wenig Geld in die Infrastruktur geflossen."

Mit den Folgen wird sich künftig ein anderer herumschlagen. Heiko Büttner leitete bislang die S-Bahn München und ist damit bereits leidgeprüft: Die alte wie die neue Stammstrecke machen regelmäßig Probleme. Ob er dem Nachfolger auch Entspannungstrainings empfehle? "Der", sagt Josel und lächelt, "weiß, worauf er sich einlässt." Er selbst habe seinen Kollegen versprochen, ihnen im Ruhestand "keine Leserbriefe zu schreiben".

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