Vor der Bundestagswahl:Die CSU und das Ende der Herrlichkeit

Sondersitzung Landtag Bayern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei einer Rede im Landtag - dort bleibt die CSU-Vormacht bestehen. In Berlin könnte die Position der Partei ins Wanken geraten.

(Foto: dpa)

Die Umfragezahlen der CSU liegen bei unter 30 Prozent, ein historischer Tiefpunkt. Und vielleicht der Anfang von der Normal-Werdung der CSU. Denn mit einem solchen Ergebnis wäre sie in Berlin nicht mehr als eine ganz normale Partei.

Kommentar von Johann Osel

Würde Armin Laschet jetzt eine alte Frau aus einem brennenden Haus retten, wäre das Gezeter gleich da: Warum hat der Kanzlerkandidat die Katze dringelassen? Nun ist Markus Söder vom Typ her einer, der nicht nur Frau und Katze in Sicherheit brächte, sondern sich auch noch den Fernseher unter den Arm klemmte - das nutzt ihm aber nichts; ebenso wenig seine persönlichen Beliebtheitswerte, auf die man in der CSU-Führung ständig verweist. Und auch nicht, dass Bayern unter seiner Führung sicher nicht grottenschlecht regiert wird, um mal ein Bonmot von Friedrich Merz zu verwenden.

Die CSU ist vom Negativtrend der Union voll erfasst, auch sie steht im Ruch, einfach gar nichts richtig zu machen oder höchstens Stillstand zu verwalten. Das zeigt eine neue Umfrage zur Bundestagswahl in Bayern, in der die CSU auf 29 Prozent fällt. 29, eine Zwei davor! Historisch einmalig. Noch ist nicht gewählt, aber die Trends verfestigen sich.

Natürlich werden Söder und die Seinen spätestens am Wahlabend mit dem Finger auf Laschet zeigen. Man darf aber schon mal erwähnen, dass der Münchner Anteil am Imagedebakel des CDU-Chefs nicht zu bestreiten ist. Nach Laschets Kür betonte Söder, er wäre der Kandidat der Zukunftsgewandten gewesen. Sprich: Laschet sei das nicht. Dieses Bild ist in vielen Köpfen geblieben. Dass ein Unionsergebnis wie laut Umfragen und der mickrige bayerische Beitrag dazu Folgen für das Land hätten, den Regierungswechsel, ist klar.

Noch durchschlagender wäre ein solches Abschneiden aber für die CSU selbst - für ihr Selbstverständnis, ihre Rolle, ihre Zukunft. Von den fast 50 Prozent Zweitstimmen etwa noch bei der Bundestagswahl 2013 ist das Welten entfernt. Mit weniger als 30 Prozent wäre die CSU eine stinknormale Partei. Ihr Nimbus, quasi letzte in voller Pracht verbliebene Volkspartei zu sein, wäre dahin; ihr Anspruchsdenken in Berlin, wenn es um bayerische Belange geht, wirkte beinahe lächerlich.

Diese Normal-Werdung der CSU könnte erst ein Anfang sein. Laut der Umfrage wollen treue CSU-Anhänger erstmals anders wählen. Einmal, das heißt: vielleicht öfter, auch zur Landtagswahl? Die Hemmschwelle fiele weg, wie bei der ersten Zigarette im Leben: Da braucht es erst Mut, es bleibt ein komischer Geschmack. Bald ist es angenehm und wird Gewohnheit.

© SZ vom 08.09.2021
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